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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1892,
Der Wind änderte sich bei den höchsten Stärkegraden von NzE bis NWzN,
4 Strich in 4 Stunden. Mit Einschlufßs der niedrigen Windstärken nahm die
gesammte Drehung des Windes von 12 Strich, ENE bis WNW, 20 Stunden in
Anspruch.
Dies sind nach Angabe von Ortskundigen die normalen Verhältnisse, wenn
ein Orkan bei den Samoa-Inseln auftritt, der Wind setzt mit NE ein, erreicht
seine höchste Stärke bei Nord und NW, flaut bis West ab.
Weniger deutliche Auskunft über die Bahn des Orkans giebt die Beob-
achtungsreihe des Seglers „Mazatlan“, Kapt. E. Leverkus, der sich auf der
Südseite der Bahn befand.
Am 16. Februar!) in 24° S-Br und 166° W-Lg war der östliche Wind bei
761mm red. Luftdruck bis zur Stärke 7 und 8 aufgefrischt; am 17. in 21° S-Br
und 166° W-Lg begann das Barometer zu fallen und erreichte um 4p 754,5 mm,
während es aus Ost mit Stärke 11 stürmte. Mittags am 18. war der Luftdruck
nahezu derselbe, 754,8 mm und stieg erst entschieden im Laufe des Nachmittags
und Abends. Das Centrum des Orkans ist also am 18. Februar, 2a, nördlich
vom „Mazatlan“ vorübergegangen. Nach der höchsten Windstärke, 11 vom 17,
4p bis zum 18. 4a, 10 um 8a, würde man den Vorübergang etwa auf Mitter-
nacht schätzen.
Ueber die Richtung, in welcher das Centrum voranschritt, geben die
Windbeobachtungen nicht die leiseste Auskunft; die Windrichtung schwankte
nämlich vom 15. bis 18. Februar nur zwischen EzS und EzN, blieb aber bei den
Windstärken 9 bis 11 ganz unverändert Ost. Erst nach dem Orkan ging der
Wind auf ENE 7 und am 19. auf NNE 6. Von Windbeobachtungen bei niedrigen
Stärkegraden darf man indessen nur mit Vorsicht bei Bahnbestimmungen Gebrauch
machen, da sie manchmal irre leiten und auch in der Südsee schon zu falschen
Bahnrichtungen Anlaß gegeben haben. Nach den Beobachtungen in Apia be-
wegte sich das Centrum in einer Richtung zwischen Süd und Ost, wir nehmen
deshalb hier auch eine südöstliche Bahn an.
Dafs an Bord des „Mazatlan“ keine Drehung des Windes beobachtet
wurde, ist kein vereinzelter Fall. Ein Beobachter seitwärts von der Bahn und
in geringem Abstande erfährt beim Vorübergange des Orkans eine verhältnifs-
mäfsig schnelle Winddrehung. In gröfserer Entfernung geht unter sonst gleichen
Voraussetzungen die Drehung entsprechend langsamer von statten, Hat der
Orkan aber wie hier einen stetigen, breiten und mächtigen Passat zur Seite, so
werden aufserhalb der eigentlichen Wirbelzöone wohl alle anderen Orkanzeichen
beobachtet, Böen, Regen, Barometer-Aenderungen, durcheinander laufende See,
Zu- und Abnahme der Windstärke, aber keine Aenderung der Windrichtung,
Für den Seemann ist dies die unangenehmste Lage, weil er während des
ganzen Verlaufs über die wirkliche Bahn im Zweifel ist, aber nicht immer die
ungünstigste, denn, wie dies Beispiel zeigt, bedingt die unveränderte Windrichtung
aus Ost nicht nothwendig, dafs das Centrum über den Beobachter hinweggeht.
Mit Hülfe dieser beiden Beobachtungsreihen lassen sich Geschwindigkeit
and Bahn des Orkans annähernd bestimmen, Der „Mazatlan“ befand sich 570 Sm
S40° O von Apia, die Bahn lag demnach noch östlicher. Wir schätzen sie
SEzE, die Entfernung von Apia zu 70, vom „Mazatlan“ zu 95 Sm, Aus der
reducirten Bahnlänge von 535 Sm und dem Zeitunterschied, 83 Stunden, ergiebt
sich eine Geschwindigkeit von 6'/2 Sm die Stunde.
Es handelt sich jetzt noch darum, ob eine dritte Beobachtung mit zu ver-
werthen ist. Kapt. Knuth vom Kutter „Atafu“ besuchte. im April 1889 die
Insel Wallis (s. Fig. 1 der Tafel) und trug in sein Tagebuch?) folgende Bemerkung ein:
„In Wallis war während dieses Jahres ein Orkan ausgebrochen, begleitet von
einer Fluthwelle, welch letztere die Westseite von Wallis ziemlich stark berührt
hat. Dieselbe soll 10 bis 12 Fufß hoch gewesen sein und sich in dieser Höhe
aufs Land gestürzt haben. Die Hauptstärke des Windes ist zwischen SE und
1) Das Datum ist hier nach Samoa gerechnet, wo trotz der westlichen Länge das östliche
Datum von Neu-Seeland und Australien gilt. Bei Schiffen in grofser Fahrt und W-Lg ist daher
das Datum des Journals, hier der 15. Februar, um einen Tag vermehrt.
2) Die Direktoren der Deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee gestatteten
in grorkammender Weise Einsicht in die werthvollen Reiseberichte der Kapitäne ihrer Süd-
seellotte,