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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1892.
5. Mai 1892 ablieferte. In wiefern die mit dem provisorischen Apparat ge-
machten Erfahrungen bei dem definitiven benutzt worden sind, wird die folgende
Beschreibung zeigen.
Eine starke, mit dem Gebäude fest verbundene eiserne Säule S trägt am
oberen Ende drei Rillen r, in welche die Fufsschrauben des Theodoliten gestellt
sind. Das eigene Gewicht des Theodoliten mit seinem Aufsatze und dem darauf
befestigten Sextanten ist völlig genügend, eine unveränderte Lage des Instruments
während der Prüfung in Bezug auf diese Füße zu garantiren. Fest verbunden
mit dem die Fufßsschrauben enthaltenden Ringe R ist eine gufßseiserne Büchse
mit dem Theilkreise. Die Klemm- und Mikrometervorrichtung besteht aus den
massiven Messingstücken M und M’. Auf dem letzteren ist die Röhrenlibelle L,
welche zur Nivellirung des Theodoliten dient, befestigt. Diese ganze Einrichtung
ist aus der Figur b deutlicher als aus der Hauptfigur zu ersehen, Der Theil-
kreis hat 21cm Radius und ist durch die Mikroskope I und II ablesbar. Der
Kreis ist getheilt in 5‘ und die Theilstriche der Trommeln der Mikroskope geben
10“, zwischen denen einzelne Sekunden geschätzt werden können, Die Theilung
der Trommeln ist aber im Verhältnifs zur Steigung der Schraube so eingerichtet,
dafs man an derselben stets die Hälfte der eigentlichen Ablesung angegeben
findet, um so durch einfache Addition der beiden Trommelablesungen direkt die
Zahl der abzulesenden Sekunden zu finden.
Die starke und lange, unten und oben konische, sonst cylindrische Stahl-
axe des Instruments trägt, in der gufseisernen Büchse laufend, auf dem oberen
Ansatzstück die IMauptplatte P, welche durch das Gegengewicht G balancirt
wird. Letzteres befindet sich verschiebbar und anklemmbar auf dem Cylinder C,
welcher zwei Merkstriche hat. Auf den inneren, der Platte zunächst liegenden,
wird das Gewicht eingestellt, wenn sich kein Sextant auf der Platte befindet,
während der äufsere Strich die Stellung des Gewichts bezeichnet, welche dem-
selben gegeben werden mufs, um einen Sextanten mittlerer Gröfse und mittleren
Gewichts auf der Platte mit dieser selbst zu balanciren. Nach den praktischen
Erfahrungen ist man sehr bald im Stande, bei abweichender Form und Schwere
der einzelnen Sextanten diesem Gewichte eine um eine geringe Gröfse andere
Stellung zu geben, so dafs die Ungleichheit der Gewichtsvertheilung keinen
störenden Einflufs äufsern kann.
An die Platte angeschraubt ist der Fernrohrträger A, in welchen das
Fernrohr F mittelst des Einsatzzapfens Z eingelassen und durch die Schraube s
angeklemınt wird. Vor Beginn der Messungen wird das Fernrohr nach Höhe
and Azimut genau für den betreffenden auf der Platte befindlichen Sextanten
eingestellt, Der Fernrohrträger ist an der Platte mittelst des Halters h_ und
ler Klemmschraube k verschiebbar, so dafs das Fernrohr je nach der Ver-
schiedenhbeit des Sextanten stets auf die Mitte des kleinen Spiegels gerichtet
werden kann. Durch den Fernrohrträger des Sextanten selbst, bis zu welchem
das Fernrohr nahe reicht, ist dabei auch der richtige Winkel der Neigung gegen
den kleinen Spiegel gegeben. Das Gewicht dieses Fernrohrs und seines Trägers
ist wieder durch ein kleines Gegengewicht g hinter der Hauptplatte äquilibrirt.
Auf der Platte befinden sich die Prismen n, n‘ für das V-Lager, in welches der
unter dem grefsen Spiegel befindliche Fufs des Sextanten gesetzt wird, während
die beiden Scheiben 8, 6‘, welche mit den Klemmschrauben K, K‘ an die Haupt-
platten angeschraubt werden können, in entsprechenden Schlitzen sich befinden
and darin je nach der Gröfse des Sextanten verschiebbar sind. Die kleine Platte p‘
und der Konus p, welche durch die Schrauben e, e‘ und mit den Kontremuttern m, m’
oewegbar bezw. feststellbar sind, nehmen die beiden anderen Füße des Sextanten
auf. Die Nivellirung des Sextanten erfolgt nun mittelst der auf- und abwärts
bewegbaren Schrauben e. e‘ nach einer anf den Körper des Sextanten aufgesetzten
Dosenlibelle,
Das Verfahren der Prüfung von Sextanten ist demnach auf der Seewarte
jetzt das Folgende:
Sobald‘ ein Sextant zur Prüfung eingeliefert ist, wird noch im Beisein
des Einlieferers der grofse Spiegel mittelst des in der Abhandlung „Der
Sextant“ beschriebenen Spiegel-Prüfungsapparats untersucht, um den Sextanten,
falls der Spiegelfehler zu bedeutend ist, sofort zurückgeben zu können. Nach-
dem dann eine Untersuchung der Theilung mittelst des Nonius stattgefunden