260 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1892.
lichen Ostseeküste stürmische nördliche Winde hervorgerufen, und es bedingten
die lebhaften nördlichen Winde für die ganze Küste einen Rückgang der Tem-
peratur. Am 8. und 9. beherrschte das mit seinem Kern über der Nordsee
lagernde Maximum ganz Europa, doch es stellte sich bald eine Abnahme des
Druckes über Westeuropa ein, und bald stand die Küste wieder unter dem Kin-
Aufs von Centren niederen Druckes; zwei Minima, das erste von Holland über
die Elbmündung und Südschweden (12, Juni, 8 p) nach dem Riga’schen Busen, das
zweite von Mitteldeutschland über die südliche Ostsee (14. J.,8p) nach dem Finnischen
Busen ziehend, brachten Stürme aus westlichen Richtungen, jenes an der mitt-
leren Ostseeküste, dieses an den östlicheren Theilen der Ostseeküste; in Pillau
wurde um Mitternacht vom 13. zum 14. orkanartiger Südweststurm beobachtet.
Bald stellte sich wieder jene dem Monatsmittel entsprechende Druckver-
theilung her, welche vom 16. bis 22. Bestand hatte: ein von Schottland kommendes
Minimum schritt am 20. bis 22. über die jütische Halbinsel nach Finnland, be-
gleitet von ausgedehnten Gewitterzügen; mit Ausnahme der östlichen Küsten-
theile am 19. wurden am 19. bis 21. fast an der ganzen Küste Gewitter
beobachtet.
Am 23. bis 25. schritt ein Sturmcentrum vom Kanal über die dänischen
Inseln (24. J., 8p) nach Finnland und brachte unseren Küsten einen äufserst starken
Sturm, wie er zu dieser Jahreszeit sehr selten und seit dem Bestehen der See-
warte nicht aufgetreten ist. Der Sturm brach gegen Mitternacht vom 23. zum 24.
in der Nordsee aus und endete für unsere Küste in Memel in der Nacht zum 26.;
derselbe wehte in der Nordsee aus West bis NW, in der Ostsee zum Theil aus
SW bis NW, vielfach bis Stärke 10, vereinzelt sogar bis 11 der Beaufort-
Skala, viel Schaden auf See und an Land verursachend. -
Nachdem in der Folge wieder vom 26. bis 28. jene mittlere Druckver-
theilung bestanden hatte, erschien ein neues Minimum im Westen, welches, von
der Normandie kommend, am 29. und 30. über die dänischen Inseln (29. J., 8 p)
und längs der deutschen Ostseeküste nach Russland fortschritt; in seinem Ge-
folge traten am 29. an der Nordsee und westlichen Ostsee Gewitter mit starken
Regenfällen und stürmische Winde aus SW—NW (auf Rügen und Greifswalder
Die bis N und NNE) von der Stärke 8-—9 auf, welche an der Nordsee spät Abends
am 29, einsetzten und am 30. an der ganzen Küste herrschten, aufser im
äufsersten Osten, wo der Sturm erst in der folgenden Nacht eintrat.
. Die Morgentemperaturen zeigten im Juni in grolßsen Zügen bis gegen
Mitte des Monats eine langsame Abnahme, unterbrochen durch ein vorübergehendes
Ansteigen zur Zeit der Herrschaft des Luftdruckmaximums am 8. bis 10., dann
nach einigen Tagen geringer Aenderung wieder langsames Steigen und endlich
am Schlufs des Monats ein Sinken; die Morgentemperaturen lagen nur am
1. bis 3., 9. und 28. durchweg oder fast überall über der normalen, dagegen am
6. bis 8., 11. bis 20., 22. bis 26. und am 30. unter derselben.
Außer den erwähnten ausgedehnten Gewittern am 19. bis 21. und 29.
wurden an der Küste mehr vereinzelt Gewitter beobachtet am 1, bis 5., 9. bis
12., 18., 22., 23. und 27.
Im Monatsmittel lagen Luftdruck und Temperatur unter, der Niederschlag,
mit Ausnahme von Swinemünde, über den normalen Werthen, während die
mittlere Windgeschwindigkeit; trotz der mehrfachen Stürme, um kleine Beträge
theils größer, theils kleiner als die vieljährigen Mittelwerthe ausfiel.
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