250
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1892.
Unmittelbar nach Schlufs der Prüfung wurden, wie in früheren Fällen, die
Chronometer durch eine Kommission in Hamburg-Altona etablirter Chronometer-
Fabrikanten im Beisein der Beamten des Institutes einer Untersuchung auf ihren
gegenwärtigen Zustand unterzogen. Diese Untersuchung sollte insbesondere fest-
stellen, ob die auf der Abtheilung angewendete Herstellung der höheren Tempe-
raturen durch kleine Gasbrenner irgend welchen nachtheiligen Einflufs auf die
Instrumente, insbesondere auf die Spirale und Balance, ausgeübt habe und letztere
Ansatzstellen von Rost zeigten. Die Sachverständigen sprachen ihre Ansicht
dahin aus, dafs an sämmtlichen Chronometern keinerlei Oxydationsflecken zu be-
merken seien, nur dafs bei einzelnen Chronometern eine Trübung in: der Färbung
des Oeles sich zeige, die wohl auf die mangelhafte Beschaffenheit desselben zu-
vückzuführen sei.
In Gemäßheit der hohen Verfügung des Herrn Staatssekretärs des Reichs-
Marine-Amts vom 30, Mai 1892 wurden auf Grund der vorstehenden Prüfungs-
ergebnisse den Herren Fabrikanten die folgenden Prämien zuerkannt: Herrn
W. Bröcking die erste Prämie im Betrage von 700 Mark für Chronometer
No. 1221, Herrn W. G. Ehrlich die zweite Prämie im Betrage von 600 Mark
für Chronometer No. 605, Herrn A. Kittel die zweite Prämie im Betrage von
500 Mark für Chronometer No. 110, Herrn E. Bröcking die dritte Prämie
im Betrage von 500 Mark für Chronometer No. 104.
Hierbei ist zu bemerken, dals die zweite Prämie ausnahmsweise zwei Mal
verliehen wurde, weil die für die beiden Chronometer W, G. Ehrlich No. 605
and A. Kittel No. 110 erhaltenen charakteristischen Zahlen A +2B-+C voll-
kommen einander gleich waren. — Die übrigen in dem Ausschreiben der
Direktion der Seewarte vom August 1891 in Aussicht gestellten Prämien konnten
nicht zur Vertheilung gelangen, weil die Bedingung der Zugehörigkeit zur Klasse 1
von keinem der übrigen Instrumente erfüllt war.
Hamburg, den 25. April 1892,
Professor George Rümker,
Vorstand der Abtheilung IV der Seewarte,
Direktor der Sternwarte.
Reise S. M. S. „Leipzig“, Kommandant Kapt. z. S. Rötger,
von Kapstadt über Port Elisabeth, Delagoa-Bai, Mozambique,
Lindi, Kilwa Kiwinil, Dar es Salam nach Zanzibar.
Am 12. März 4*p.m. verließ S. M. S. „Leipzig“ im Geschwaderverbande
ınter Dampf die Rhede von Kapstadt, Am 13. Vormittags wurde Kap Agulhas
in ca 4 Sm Abstand passirt und am 15. 7* 20” a. m. vor Port Elisabeth geankert.
Die Stromversetzungen wurden im Allgemeinen der Karte entsprechend gefunden.
Nachdem Kohlen aufgefüllt, wurde am 17. die Reise fortgesetzt.
Am 22. März mit Hellwerden kam Kap Inyack querab in Sicht und ergaben
lie Peilungen, dafs in den letzten 18 Stunden eine nördliche Versetzung statt-
zefunden hatte,
Um 8" a. m. wurde Kap Inyack passirt und auf die Hope Shoals-Passage
zugesteuert, um durch dieselbe in die Delagoa-Bai einzulaufen, da nach bei dem
Kommandanten eines portugiesischen Kanonenbootes in Kapstadt eingezogenen
Erkundigungen die Bojen richtig liegen sollten und die Aenderungen in dem An-
strich und der Form der Bojen in Erfahrung gebracht waren.
Bei den Hope Shoals liegt nicht, wie in den „Nachr. f. Seef.“ angegeben,
eine schwarze Boje mit Toppzeichen, sondern eine rothe kugelförmige Boje ohne
Zeichen. Die zur Bezeichnung des Cockburn Channels dienende Boje ist nicht
roth, sondern schwarz und hat den Aufbau für Gasbeleuchtung. Die Laterne ist
jedoch‘ noch nie in Betrieb gewesen. Die rothe Hope Shoal-Boje wurde als
richtig liegend befunden, dagegen ergaben Deckpeilungen, dafs die Cockburn-Boje
bedeutend nördlicher liegen muß, als angegeben. Das Wetter beim Einlaufen