Haltermann: Wind- und Wetterverhältnisse an der Südspitze Amerikas, 243
ihren Beobachtungen dehnte sich das Hochdruckgebiet damals über mehr als
30 Längengrade aus. (Siehe Karte vom 2. Juli.) Es scheint in höheren Breiten
antstanden zu sein und sich zuerst nach nördlicher und östlicher Richtung hin
ausgedehnt zu haben. Sein Dasein verhinderte das Näherkommen des auf der
kleinen Karte vom 1. Juli angedeuteten Niederdruckgebietes und lenkte es
wahrscheinlich nach Osten ab. Der nach dem 3. Juli bei allen Schiffen langsam
und stetig abnehmende Luftdruck ohne dabei stattfindende Windveränderung
deutet darauf hin, dal das Hochdruckgebiet nach dieser Zeit sich wahrscheinlich
nach höheren Breiten zurückzog oder ganz verschwand. Als sich am 7. Juli
bei den meisten Schiffen endlich nordwestliche Winde einstellten, hatten mehrere
derselben, wie „J. H. Ramien“ und „Rajah“, seit vollen zwölf Tagen Ostwinde
gehabt.
Schlulsbemerkungen. Die vorstehenden Mittheilungen lehren über die
Witterungsverhältnisse dieses früher so verrufenen Meeres manches Neue. Theils
werden ‚durch sie Dinge, welche die Erfahrung der Seeleute längst vermuthete,
bestätigt und erklärt, theils gewähren sie neue Ansichten und widerlegen alte
Anschauungen. Zu den ersteren gehört z. B. die Erklärung für die Thatsache
des häufigeren Auftretens des Ostwindes südlich vom 60. Breitengrade und für
die Richtigkeit des Rathes, sich beim Umsegeln des Kaps nach Westen gut
südlich zu halten, wie es schon der englische Admiral Anson vor 150 Jahren
empfabl und auch Dr. Meyen in seiner bewundernswerthen Beschreibung der
in den Jahren 1830 bis 1832 ausgeführten Reise um die Erde des preufsischen
Seehandlungsschiffes „Prinzeß Louise“, Kapitän W. Wendt, erwähnte (siehe
Seite 135 und 138). Zu den zweiten gehört die Anschauung, dafs das beim
Kap Horn herrschende Wetter den Veränderungen des Luftdruckes gewöhnlich
nicht entspräche. Und wenn freilich auch stets im Auge zu behalten ist, dafs
das hier Mitgetheilte in gewissem Sinne Ausnahmefälle sind, so mag es doch
nicht unwahrscheinlich sein, daß solche häufiger vorkommen, als Mancher glaubt.
Denn obgleich diese besprochenen Vorgänge sich während einer Zeit von zehn
Jahren ereigneten, so vertheilen sie sich doch über diesen Zeitraum sehr ungleich-
mäfsig, infolge der darin stattgefundenen grofsen Zunahme der einschlägigen
meteorologischen Tagebücher, welche es wahrscheinlich macht, dafs der Seewarte
jetzt keine längere Zeit dauernde ungewöhnliche ‚Wetterlage dieses Meeres un-
bekannt bleibt. Es zeigt sich dies deutlich, außer in der ungleich größeren
Zahl beobachtender Schiffe der letzten Tabellen, auch darin, dafs von den 22
angegebenen Hochdruckgebieten 17 in den Jahren 1886 bis 1891 und nur 5 von
1882 bis 1885 beobachtet wurden.
Die Hochdruckgebiete und die sie begleitenden Ostwinde traten fast alle
während der südlichen Wintermonate auf, Für Dezember, Januar, Februar und
März finden sich keine Angaben darüber. Im Oktober und November wurde je eins
beobachtet, dagegen entfallen 20 auf die Monate April bis September und davon
wieder 13 auf Juli und August. Die größere Häufigkeit östlicher und südlicher
Winde beim Kap Horn während der Wintermonate, und die auch schon von Meyen
ausgesprochene Vermuthung der rascheren Umsegelung des Kaps im Winter, wie
der günstigeren Gelegenheit dann nach Zurücklegung der erforderlichen Länge
im Stillen Ocean nach Norden vorzurücken, wird dadurch genügend erklärt. Die
Ausdehnung der Hochdruckgebiete war oft eine sehr grofse. In mehreren Fällen,
wie z. B. am 31. August 1887, dehnten sie sich über Patagonien nach beiden
Oceanen aus. In anderen Fällen zeigten sie sich nur im südöstlichen Theile des
Stillen Oceans, wo sie anscheinend zuweilen nur ein Theil des grofsen Hoch-
druckgebietes dieses Meeres waren.
Häufiger aber traten sie dort als ein sich rasch bildendes und nur kurze
Zeit dauerndes Gebiet auf, doch folgten dann zuweilen, wie es z. B. im Juni 1888
der Fall war, mehrere in kurzen Zwischenräumen auf einander. In einer Anzahl
von Fällen lag augenscheinlich das Hochdruckgebiet südlich von 60° S-Br.
Die angegebenen Niederdruckgebiete, welche fast alle südlich und süd-
westlich vom Kap zuerst beobachtet wurden, bewegten sich von dort nach öst-
licher und nördlicher Richtung mit einer angenäherten Schnelligkeit von 54 km
in der Stunde. Die gröfste scheint 72 und die kleinste etwa 36 km gewesen
zu sein. Es sind dies Ergebnisse, welche den gröfsten von anderen Theilen der
Erde angegebenen Werthen entsprechen. Dr. van Bebber giebt in seinem