Haltermann: Wind- und Wetterverhältnisse an der Südspitze Amerikas, 233
Wind von NNW nach NE, ähnlich demselben Vorgange in nördlicher Breite,
wo der Wind in dem auf der rechten Seite der Bahn gelegenen Vorder-
quadranten eines Niederdruckgebietes in der Nähe des Mittelpunktes so häufig
von SW nach SE krimpt. Beim Eintreten des niedrigsten Luftdruckes sank die
Windstärke bis auf 6, und erst, als das Barometer rasch zu steigen begann, stellte
sich stürmischer SW-Wind ein. Am 14. April wehte wieder Sturm aus Ost
and am 15. April schließlich wieder mäßiger Westwind. Der Luftdruck stieg
dabei gleichmäfsig bis zu einem Betrage von 40mm in 48 Stunden. Bei den
etwas nördlicher stehenden Schiffen, wie z. B. der „Anna‘‘, ging dem Eintreten
des niedrigsten Luftdruckes kein Krimpen des Windes nach NE voran, wohl
aber wurde auch hier der folgende Westwind am 14. April, wenn auch nur für
wenige Stunden, durch südöstlichen Wind unterbrochen. Bei „Banca‘“ zeigten
sich fast die gleichen Windverhältnisse, dagegen fand bei dem noch nördlicher
stehenden „Parchim‘“ nur ein ganz regelmäßig verlaufendes Ausschießsen des
Windes von nordwestlicher nach südwestlicher Richtung statt. Sehr ungleich
erfolgte ferner auch die Luftdruckzunahme bei den verschiedenen Schiffen. Bei
dem rasch nach Osten und Norden vorrückenden „Parchim“ stieg das Barometer
während der auf die Zeit des tiefsten Standes folgenden 24 Stunden nur um
8 mm, während bei dem westwärts bestimmten „Nereus‘““ in derselben Zeit eine
Zunahme von 24mm stattfand. Die Fortbewegung der Wetterlage nach Osten
zeigt sich auch in dieser Verschiedenheit.
Eine zweite tiefe Depression wurde am 18. und 19. April noch wieder
von den westwärts bestimmten Schiffen der Liste beobachtet. Ihr Vorübergehen
erfolgte in regelmäfsigerer Weise, als es bei der vorher erwähnten Erscheinung
der Fall gewesen war, auch läfst sich die Schnelligkeit der Fortbewegung nach
Osten bei ihr sicherer bestimmen. „Nereus“ und „Werner“, die beiden am
südlichsten stehenden dieser Schiffe, scheinen auch in diesem Falle dem Mittel-
punkte am nächsten gekommen zu sein. Auch jetzt trat, kurze Zeit bevor das
Barometer seinen niedrigsten Stand erreicht hatte, ein Krimpen des bei „Werner“
nur in Stärke 7 wehenden Windes von NW nach NE ein, und bevor
der Wind ausschofs nach Süd, herrschte für mehrere Stunden ganz leichte,
unbeständige Briese. Der dem Ausschiefsen folgende, nicht übermäfsig starke
Wind wehte zuerst aus Süd, drehte aber bald nach SW. Das Verhältnifs
des Zeitunterschiedes, wann der niedrigste Luftdruck bei den Schiffen eintrat,
zu deren Entfernung von einander scheint, wenn man „Nereus“ und „Werner“
berücksichtigt, eine Verschiebung des Tiefdruckgebietes nach Osten von 20 Sm,
und wenn man „Nereus“ und „Prompt“ nimmt, eine solche von 18 Sm in der
Stunde zu ergeben. Den niedrigsten Barometerstand in diesem Tiefdruckgebiete
beobachteten „Nereus‘“ und „Werner“ mit 716,5 mm. Nachdem dieser abgelesen
worden war, fand während der nächsten 40 Stunden wieder eine Luftdruck-
zunahme von 40mm statt. Zu erwähnen ist noch, dafs der Vorübergang des
Mittelpunktes sich bei den östlicher und nördlicher stehenden Schiffen, wie
„Potrimpos“ und „Prompt“, nicht so deutlich bemerkbar machte und dafs das
Umlaufen des Windes von NW nach SW auch hier, wie in der vorher erwähnten
Depression in viel langsamerer, regelmäfsiger Weise erfolgte, als bei den sich
dem Mittelpunkte näher befindenden Schiffen „Nereus‘“ und „Werner“.
Hochdruckgebiet im südöstlichen Stillen Ocean. April 1890,
Gegen das Ende desselben Monats April, in welchem die im vorhergehenden
Abschnitte beschriebenen Tiefdruckgebiete in der Nähe des Kap Horn auftraten,
erschien dort auch ein Hochdruckgebiet. Darüber berichtet aufser den Schiffen
„Melpomene“, Kapt. Janfsen: und „Livingstone“, Kapt. Asmus, besonders der
von Kapt. Scheepsma geführte „Adolph“. Alle drei Schiffe hatten auch schon
vorher jene während der ersten Hälfte des April auftretenden Tiefdruckgebiete
beobachtet. Während des letzten Drittels dieses Monats waren die Bewegungen
des Luftdruckes verhältnifsmäfßsig ruhige, und dem entsprechend wehten auch nur
schwache Winde. Zunächst herrschten bei „Melpomene“ und „Livingstone“ Ost-
winde, die wahrscheinlich von einem in hohen Breiten gelagerten Hochdruck-
gebiete hervorgerufen wurden. Auf diese folgten mälsige Westwinde, die mit
einem von Westen herannahenden, flachen Tiefdruckgebiete kamen. Nachdem
auch diese geendet und die Schiffe sich inzwischen weit von einander entfernt
hatten, zeigte sich das anfangs erwähnte Hochdruckgebiet, welches sich dem