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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Haltermann: Wind- und Wetterverhältnisse an der Südspitze Amerikas, 227 
Beiträge zur Kenntnifs der Wind- und Wetterverhältnisse des 
der Südspitze Amerikas benachbarten Meeres. 
Nach Beobachtungen aus den Jahren 1882—1891. 
Von Kapt. H. HALTERMANN, Assistent an der Seewarte, 
{(Schlufs.) 
Oststurm im südöstlichen Stillen Ocean, Juli 1889. Während der 
ersten Hälfte des Juli 1889 wurden von der auf der Heimreise begriffenen „Olga“ 
Kapt. Bull, südwestlich vom Kap Horn, schwere Oststürme angetroffen. Da sie 
die Folge von einem nordwärts vom Schiffe nach Osten ziehenden Tiefdruck- 
gebiete waren und auch Beobachtungen anderer Schiffe vorliegen, die sich 
damals in der nördlichen Hälfte der Depression befanden, wird im Folgenden 
der Versuch gemacht, eine kurzgefafste Beschreibung der damaligen Wetterlage 
zu geben. Außer „Olga“ lieferten dazu Beobachtungen: „L. Hagen“, Kapt. 
Busch; „Poncho“, Kapt. Grapow, „Schiller“, Kapt. Steinbömer und „Rajpoot“, 
Kap. Grönn, Von diesen Schiffen waren „Schiller“ und „Rajpoot“ auf der Aus- 
reise, die anderen drei auf der Heimreise begriffen, Die beiden Mitsegler 
„L. Hagen“ und „Poncho“ hatten sich in der ersten Woche des Juli, nördlich 
von 40° S-Br im Pacifik noch in einem Hochdruckgebiete befunden und dort 
zuletzt kräftige SW-Winde beobachtet. Südlich von 40° S-Br wurden diese 
Winde stürmisch, und der Luftdruck nahm bis auf 755 mm ab. Die Reise konnte 
dann trotz der günstigen Windrichtung nur wenig gefördert werden, weil der 
Fortgang des Schiffes durch einen ganz ungewöhnlich hohen südlichen Seegang 
gehindert wurde. Verursacht wurde dieser wahrscheinlich durch den am 6. und 
7. Juli von der unweit 58° S-Br in 76° W-Lg stehenden „Olga“ beobachteten 
orkanartigen SW-Sturm, bei dem das Barometer einen niedrigsten Stand von 
720 mm erreichte. Kurze Zeit, nachdem dieser abgelesen worden war, und das 
Glas zu steigen begann, erfolgte ein Umlaufen des etwas mäßiger gewordenen 
Windes durch Süd nach SE. Durch diese Veränderung wurde die Verlegung 
des Mittelpunktes des seine Lage wahrscheinlich nur langsam verändernden 
Tiefdruckgebietes nach einer nördlich vom Schiffe liegenden Stelle angedeutet. 
Während der nächsten Tage nahm bei „Olga‘ die Stärke des Ostwindes, trotz 
zunehmenden Luftdruckes, wieder derart zu, dafs am 9. Juli bei 58° S-Br in 
76° W-Lg SE-Sturm, Stärke 10, beobachtet wurde. Zur selben Zeit wehte bei 
„Poncho“ in 43° S-Br und 82° W-Lg Sturm aus SW in Stärke 9, „Olga“ befand 
sich danach also im südwestlichen, „Poncho‘“ im nordwestlichen Viertel des Tief- 
druckgebietes. Aehnliche Verhältnisse herrschten auch noch für die folgenden 
Tage, bis schließlich am 15. Juli eine neue, von Westen herankommende Depression 
eine Veränderung der Wetterlage verursachte. Bei „L. Hagen“ und „FPoncho“, 
den beiden am westlichsten stehenden Schiffen, machten sich die ersten Anzeichen 
derselben geltend. Und da bei ihnen das Umlaufen des Windes von nordöstlicher 
nach südöstlicher Richtung erfolgte, auch der Luftdruck einen um etwa 9 mm 
tieferen Stand, als bei der weit östlicher und südlicher stehenden „Olga“ 
erreichte, scheint auch der Mittelpunkt dieses Tietdruckgebietes sich, der Jahres- 
zeit entsprechend, auf verhältnifsmäfsig nördlich liegender Bahn nach Osten 
bewegt zu haben. Aus dem Verhältnifs der verschiedenen Zeiten, zu welchen 
der niedrigste Luftdruck bei „Poncho“ in 51° S-Br und 81° W-Lg um 8a des 
15. Juli, bei „Schiller“ um 12p des 15. Juli in 58,6 S-Br und 65,8° W-Lg und 
bei „Olga“ um 8a des 16. Juli in 56,3 S-Br und 59,6° W-Lg eintrat, scheint sich 
eine Schnelligkeit der Fortbewegung des Tiefdruckgebietes nach Osten von 30 
bis 35 Seemeilen in der Stunde zu ergeben. Nachdem dieses Tiefdruckgebiet 
vorübergezogen war, fand bei „L. Hagen“ und „Poncho“ eine rasche Lufidruck- 
zunahme statt, ohne dafs dabei die Richtung des allmählich schwächer werdenden 
SO-Windes sich änderte, und sie geriethen so unmerklich in den Bereich eines 
Hochdruckgebietes, in welchem „Poncho‘“ am 17. Juli einen höchsten Stand von 
764 mm beobachtete. Bei dem frischen, am 14. Juli bei „Olga“ in 58° S-Br und 
65° W-Lg wehenden Ostwinde sank die Luftwärme bis auf — 7°C und die 
Wasserwärme bis auf — 1°C.
	        
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