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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Treibeis in südlichen Breiten vom Dezember 1889 bis zum Mai 1892. 293 
Datum | Schiff 
1891 
Dezember 14 
Dezember 31 
Rajpoot 
1892 
Januar 25 
Fürst Bis- 
marck 
April 6 
Cromdale 
! 
Breite Länge 
Ss 0 
44,7° | 18,2° 
51,2° 
W 
44 3° 
57,90 ' 
60,7° 
46° | 
960 
Bemerkungen 
Um 6h a. m. passirten 3 Stücke Eis von 15 bis 20 m Höhe 
und 20 bis 60m Länge, in deren Nähe mehrere kleine 
Stücke trieben. Die mittlere Wassertemperatur war 
am 12. 8,9° und am 14. 8,6°, dagegen am 13., als 
trotz des klaren Wetters kein KEis gesichtet wurde, 
12,1° und am 11., dem Tage vor dem ersten Antreffen 
von Eis, 10,2°, 
Kapt. A. Grönn berichtet: „Um 9ba, m, sahen wir vor- 
aus in der Kimm etwas, das wie Land oder eine 
Nebelbank aussab. Beim Näherkommen hatten wir 
einen kolossalen Eisberg vor uns, der sich in gröfster 
Länge von Ost nach West ausdehnte. Die Ost- und 
Westspitzen waren ganz steil; die Oberfläche des 
Berges war so glatt und eben wie das Deck eines 
Schiffes. und zeigte nicht die geringste Erhöhung. Es 
machte den Eindruck, als ob wir Helgoland vor uns 
hätten. Der Berg hatte eine graue Farbe, ähnlich 
ziner Wolke; nur an der Oberfläche, wo die Sonne 
darauf schien, glitzerte und flimmerte es. Oestlich 
vom Berge sah man, soweit das Auge reichte, gröfsere 
und kleinere Eisschollen treiben, Die Wassertemperatur 
nahm, als wir den Berg in die Peilung NO 3 Sm ge- 
bracht hatten, um 11/g° — von 7,0° auf 5,5° — ab. 
Da der vorher nordwestliche Wind hier still wurde, 
hatten wir Gelegenheit, die Gröfsenverhältnisse des 
Berges mit dem Sextanten zu messen, wobei wir seine 
zröfste Länge von Ost nach West zu 4Sm und seine 
Höhe zu 120m fanden. Von Zeit zu Zeit hörte man 
sin dumpfes Poltern und Krachen, wie Erdbeben, 
wahrscheinlich vom Bersten des Berges herrührend. 
Während der Windstille wurden wir durch die süd- 
westliche Dünung, die mit der Annäherung an den 
Berg noch zunahm, immer mehr demselben zugetrieben. 
Glücklicherweise kam bald nach Mittag Briese aus 
NNE durch, so dafs wir auf Steuerbordhalsen von dem 
gefährlichen Nachbar fortsegeln konnten. Es ist dies 
der erste Eisberg, den ich auf meinen Kap Horn-Fahrten 
seit dem Jahre 1868 wieder angetroffen habe,“ 
Unt 5% p. m. einen grofsen und mehrere kleine Eisklumpen; 
das grofse Stück ragte 21/a bis 3m aus dem Wasser 
und hatte die Gröfse eines Schiffsrumpfes. Das Xis 
war blendend weils, 
Kapt. Andrew!) berichtet: „Auf unserer Reise von 
Sydney passirten wir Kap Horn am 30. März, ohne 
Eis gesichtet zu haben. Am 1. April in 56° S-Br und 
58,5° W-Lg fiel die Wassertemperatur, die sich bis 
dorthin auf ungefähr 6° gehalten hatte, auf 3°, den 
niedrigsten beobachteten Stand. Im Süden zeigte sich 
ein verdächtiges Blinken, doch wurde auch jetzt noch 
kein Eis gesehen. Am 6. April um 4 a, m. in 46° S-Br 
und 36° W-Lg wurde ein grofser Berg recht voraus 
gemeldet; eben frühe genug, um demselben ausweichen 
zu können. Um 41/gb, beim ersten Tagesgrauen, sahen 
wir deutlich noch mehrere Juvwärts von uns. Der 
Wind war NW, und das Schiff steuerte NO mit etwa 
9 Knoten Fahrt. Bei Tagwerden, um 5b 20m a, m., 
zeigte sich der ganze Horizont Juvwärts als eine zu- 
sammenhängende Masse von Kolossalen AKisbergen, 
hinter denen sich eine ununterbrochene Mauer aüf- 
thürmte, und auch in Lee waren viele Berge zu sehen. 
Ich liefs nun alle Mann an Deck rufen, und nachdem 
wir durch Segelkürzen die Fahrt auf 7 Knoten ver- 
ringert hatten, stellte ich jeden auf seinen Posten und 
setzte den Kurs fort. Um 7ha,m. erschien auch an 
der Leeseite eine Eismauer, die sich von einem Strich 
'y Nach „Natınre“, Vol. 46, No. 1182.
	        
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