Ann. d. Hydr. etc., XX. Jahrg. (1892), Heft VII,
291
Treibeis in südlichen Breiten vom
Mai 1892.
Dezember 1889 bis zum
Nach einem kürzlich eingegangenen, in den Zeitungen veröffentlichten
Berichte des englischen Schiffes „Cromdale“ gerieth dasselbe im April dieses
Jahres im Südatlantischen Ocean auf dem Wege von Kap Horn zurück in die
Nähe einer ungewöhnlich grofsen Treibeismasse. , Nach der Schilderung des
Kapitäns wurde dieselbe in ihrer kolossalen Gröfse vielleicht nur noch von der
ungeheueren Eismasse ühertroffen, welche während der fünf Monate Dezember
1853 bis April 1854 südwestlich von Tristan da Cunha trieb und dem auf der
Reise nach Australien begriffenen Auswandererschiffe „Guiding Star“ mit Allen
an Bord den Untergang bereitete.!) Auch „Cromdale‘“ entging nur mit Mühe
und Noth der Gefahr, an dem Eise zu stranden. Letzteres bildete in diesem
wie in dem früheren Falle eine von zusammenhängenden hohen Wänden ein-
geschlossene Bucht voll treibender Eisschollen und Berge, in welche das Schiff
mit günstigem NW-Winde hineingelaufen war und aus welcher es nur dank
einer glücklichen Windänderung nach SW wieder hinausgelangen konnte.
Auch aus sonstigen Schiffsberichten geht hervor, daß in letzter Zeit
erhebliche Massen des antarktischen Eises nach Norden getrieben sind, indem
vornehmlich im Südatlantischen, aber auch im Stillen und im Indischen Ocean
auf den gewöhnlichen Schiffsrouten viele Eisberge gesichtet wurden. Wir lassen
diese Berichte, soweit sie noch nicht in den Annalen veröffentlicht worden
sind, geographisch und nach der Zeit geordnet, hier folgen. Nimmt man an,
dafs die Trift des KEises im Allgemeinen nach NO gerichtet ist, so führt
dies für das Eis des Südatlantischen Oceans auf das südlich von Kap Horn am
weitesten vorspringende Graham-Land, für das im Stillen Ocean auf die Um-
gebung von Vietoria-Land als den Ursprungsort zurück.
Hinsichtlich der von „Cromdale“ und später noch von mehreren Schiffen
angetroffenen Eismasse ist noch zu bemerken, dafs dieselbe nur wenig östlich
von der auf dem Rückwege rund Kap Horn eingehaltenen Seglerroute treibt
and für die hier fahrenden Schiffe eine grofse Gefahr bildet. Das
englische Schiff „Duntrune“, ist durch Zusammenstofs mit einem Berge dieser
Eistrift bereits zu Schaden gekommen. Man sollte sich deshalb in nächster Zeit
hier möglichst westlich halten. Nach dem Beispiele der grofsen Eismasse der
Jahre 1853/1854, welche sich volle fünf Monate in verhältnifsmäfsig niedriger
Breite erhielt, ist es wahrscheinlich, dafs auch die jetzt vorhandene nicht so
bald verschwinden wird, zumal es in südlicher Breite zur Zeit Winter ist, und
vielleicht gelangt sie noch auf den Weg der nach dem Indischen
Ocean gehenden Segelschiffe. Auch für diese ist für die nächste Zeit Vor-
sicht geboten.
1. Eisberichte aus dem Südatlantischen Ocean.
Datum
1890
Januar 2°
Juni £
Juni !
November 14
Schiff
Agolus
Atalanta
Indra
Breite
5
36,89
533,3°
52,79 |
48,7°
Länge
W
70,0°
47,5°
47,6°
47,5°
Bemerkungen
Um 5% p. m. ein Eisfeld in 0SO.,
3 Eisberge in ONO 6 Sm entfernt.
Um 3h bis 4b a, m. vier Eisberge nahe beim Schiffe.
2 grofse Eisinseln in Sicht, von denen die eine in 11/4 Sm
Abstand passirt wurde, Luft-. und Wassertemperatur
veränderten sich in der Nähe des Eises nicht, Die
Höhe der einen Insel wurde auf ungefähr 50m ge-
schätzt.
) S. Findlay, South Atlantic Memoir, Seite 137.