2920 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1892,
wärts enteilte. Unter seinem Einfluß hielt die trübe regnerische Witterung bis
zum 6. an und stürmische Winde von Stärke 8 bis 9 wurden am 5. und 6. an
der Küste mehrfach beobachtet; die Entwickelung starker Winde aus nördlichen
Richtungen bedingte starken Rückgang der Temperatur, welche am 6. und 7. meist
die niedrigsten Werthe des Monats erreichte und am Morgen um 5° bis 8° unter
der Normalen lag. In diesen Tagen fiel der letzte Schnee im Frühjahr, indem
am 6. auf den meisten Stationen und vereinzelt am 7. Mai Schneefälle eintraten;
Reif und leichte Nachtfröste, bis zu 2° unter Null, traten mehrfach auf, ohne
indessen der Vegetation nennenswerthen Schaden zuzufügen.
Im Rücken des abziehenden Minimums gelangte ein Hochdruckgebiet zur
Entwickelung, welchem die Küste bis zum 13. Mai angehörte; trockenes, vom
9, bis 13. fast überall heiteres Wetter, bei vorwiegend leichten variablen Winden,
kennzeichnete diese Tage. Die Morgentemperaturen, welche bis zum 9. oder 10.
gestiegen waren, zeigten in der nächsten Folge im Westen wenig Aenderung,
im Osten wieder eine geringe Abnahme und lagen meist wenig unter der
Normalen, nur vereinzelt etwas darüber,
Unter dem Andrängen eines im Nordwesten erschienenen Minimums wich
das mit seinem Kern über der Ostsee lagernde Hochdruckgebiet schnell nach
Osten zurück, und es bildete sich bald die bis zum 22. anhaltende Druckver-
theilung heraus, gekennzeichnet durch ein über der Biscaya-See gelegenes
Maximum, das in variabler Erstreckung nordostwärts in den Kontinent hinein-
buchtete, während auf seiner Nordseite ein Depressionsgebiet lagerte, in welchem
Minima, von Schottland kommend, ostwärts über Nordsee und südliche Ostsee
vorüberschritten. Wolkiges, kühles und anhaltend regnerisches Wetter war eine
Folge der durch diese Druckvertheilung bedingten oceanischen Winde, welche
mehrfach stark wehten, zumal am 21, und 22., wo stürmische Winde von der
Stärke 8 vielfach beobachtet wurden; Gewitter traten am 16., 17. und 22. an
der westlichen und mittleren Ostseeküste vereinzelt, am 19. an der ganzen
Küste, mit Ausnahme der östlichen Ostsee, auf. Die Morgentemperaturen
nahmen fast stetig langsam vom 15. bis 22. und 23, ab und lagen an diesen
Tagen durchweg gegen 5° unter den Normalwerthen.
Eine Aenderung der Wetterlage trat ein, als der Luftdruck über der
Biscaya-See abnahm und gleichzeitig von Südosten her am 23. ein Hochdruck-
gebiet über dem Kontinent zur Entwickelung gelangte. Außer dem östlichsten
Theile der Küste, wo die kühle regnerische Witterung noch am 24. anhielt,
trat im Bereich des Maximums heiteres, trockenes und ruhiges Wetter ein, ver-
bunden mit starkem Steigen der Temperatur bis zum 27. und 28. An diesen
Tagen lagen die Morgentemperaturen vielfach um mehr als 10° über der
Normalen, und es wurden aufsergewöhnlich hohe Maximumtemperaturen erreicht,
an der Küste am 27. und 28. mehrfach 30 bis 32°, in Mitteldeutschland mehrfach 36°,
Ein starker Rückgang der Temperatur erfolgte am 28. und 29., als ein Theil-
minimum, ein Ausläufer der im Nordwesten lagernden Depression, durch Nord-
westdeutschland nach der östlichen Ostsee fortschritt, am 28. in der Nordsee
von Regenfällen, am 29. an der ganzen Küste von Niederschlägen und vielfach
schweren und lang anhaltenden Gewittern begleitet. Doch alsbald gelangte das
Hochdruckgebiet über dem Kontinent wieder zur Entwickelung und damit
heiteres, trockenes und ruhiges Wetter an der Küste; die Temperatur erfuhr in
den letzten Tagen wenig Aenderung und überschritt die Normale am Morgen
um 3 bis 5° an der Küste.
In den Monatsmitteln waren Temperatur, Luftdruck und Windgeschwindig-
keit nahe normal, ebenso die monatliche Niederschlagshöhe an der Nordseeküste,
während an der westlichen Ostsee mehr, an der östlichen Ostsee weniger
Niederschlag beobachtet wurde, als dem vieljährigen Mittel entspricht. Der
Wärmeüberschuß der letzten Woche vermochte somit den fast anhaltenden
Wärmemangel der vorangehenden Wochen auszugleichen.
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