208 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1892.
geschilderten unwirthlichen Charakter. Auf den Abhängen stehen in großer
Menge verstreut die Lontarpalmen, Borassus fabelliformis L. (rottin. tuwah).
Mehr auf die Strandregion beschränkt ist die Kokospalme (noh). Eine aufser-
ordentliche Verbreitung besitzt dagegen die Gawangpalme, Corypha umbraculifera L.
‘tula), welche stellenweise undurchdringliche Dickichte bildet und vielleicht nur
auf der Hochfläche von Keka und Tala@ fehlt. Ihre Blattstiele liefern das
Material für die Wände der Hütten (bebak); das efsbare Mark findet keine
Verwendung. Die Pinang- oder Arekapalme, Areca Catechu L. (buah), gedeiht
vorzüglich in -der Nähe von Quellen und findet sich besonders in Tala@; der
Bedarf an Pinangnüssen ist indessen ein so grofser, dafs noch bedeutende Mengen
von auswärts eingeführt werden. Die einzigen noch vorhandenen Urwälder finden
sich in den Gebieten von Keka, Talae und Landu.
Die Bewohner von Rotti unterscheiden sich von den kraushaarigen Ein-
geborenen der benachbarten Inseln durch glattes, welliges Haar; in dem lebhaften,
leicht erregbaren Naturell, den guten Singstimmen und der Neigung zu berau-
schenden Getränken stimmen sie mit jenen überein. Sie sind aber weit intelligenter
and bildungsfähiger und besitzen eine sanfte, fröhliche Gemüthsart; widerhaarig
werden sie nur, wenn ihnen ein Unrecht angethan wird. Die Frauen stehen in
dem Rufe besonderer Schönheit. Rotti ist das einzige Gebiet in der
Residentschaft Timor, wo die Sklaverei nicht mehr geduldet wird. Die Bevöl-
kerung der Insel betrug am 30. September 1885 52809 Seelen. Da die Insel
1670 qkm grofs ist, so kommen also auf 1 qkm 32 Seelen.
Landwirthschaft und Viehzucht sind die Haupterwerbsquellen der Bewohner,
und so unentwickelt die erstere auch ist, kommt doch den Rottinesen kein Volk
in der ganzen Residentschaft Timor darin gleich. Das wichtigste Gewächs für
den Rottinesen ist die Lontarpalme, deren roher Saft in den Monaten April bis
Juni der ärmeren Bevölkerung häufig ausschliefslich als Nahrung dienen soll.
Während der Monate September und Oktober sind die Männer unausgesetzt
damit beschäftigt, den nach dem Abschneiden den Blüthenscheiden entquellenden
Saft zu sammeln, der von den Weibern zu Palmsyrup und Palmzucker eingekocht
wird. Auf den zu Mais-, Reis- etc. Gärten bestimmten Plätzen werden im Juni
und Juli das Unterholz und von den gröfßseren Bäumen die Zweige abgehackt
und aufgeschichtet. Nachdem dieselben völlig trocken geworden sind, werden
sie Ende Oktober oder Anfang November verbrannt, um auf dem so gedüngten
Boden mit Beginn der Regenzeit das Korn auszusäen. Das üppig aufschiefsende
Unkraut wird während des Januar und Februar gejätet. Die in der Nähe der
Flufsmündungen vorkommenden nassen Reisfelder (Sawas) werden erst mit Kin-
iritt des Westmonsuns bearbeitet, indem sie zunächst unter Wasser gesetzt
werden; hierauf läfst man den Boden von Büffeln so lange durchtrampeln, bis
derselbe eine gleichmäfsige Schlammmasse darstellt, und danach wird der Reis
ausgesät. Das Einernten geschieht im Laufe des ÖOstmonsuns, und zwar durch
einfaches Abstreifen der Aehren mit den Fingern. In UVUebereinstimmung mit
ihrem Gewerbe sind die Rottinesen schlechte Kaufleute. Trotz mannigfacher
Versuche, gemünztes Geld in Umlauf zu bringen, halten sie an der Waaren-
währung fest. Gröfsere Summen werden in Büffeln oder Pferden ausgedrückt,
als Scheidemünze dienen namentlich Pinangnüsse u. dergleichen. Bezeichnender-
weise wird auch an keinem Ort der Insel Markt gehalten.
Die Abkürzungen in der Karte bedeuten: P.= Pulu, Nusa = Insel, Tdjg
= Tandjong = Kap; ferner heißt Batu Felsen, Riff, 06€ Wasser, Flufs, Landsee,
Die Höhen und Tiefen sind in Metern angegeben.