Eckardt, W. R.: Über die Ursachen der jahreszeitl. Regenfälle in d. westlichen Mittelmeerländern. 199
Die Hauptursache hiervon ist in der Erwärmung zu erblicken, die im
Südwesten der Halbinsel beginnt und ebenfalls in nordöstlicher Richtung im
Laufe des Frühlings fortschreitet, indem eine Luftauflockerung bewirkt wird.
Immerhin hat die Luftdruckverteilung des März insofern noch winterlichen
Typus aufzuweisen, als der höchste Luftdruck und die niedrigste Temperatur
im Nordosten und, was die letztere betrifft, etwas weniger ausgeprägt, auch im
Nordwesten der Halbinsel zu finden sind. Am höchsten, über 15°, ist die
Temperatur im Südwesten der afrikanischen Küste, während sich über der anda-
lusischen Tiefebene eine Wärmeinsel von über 14° ausbildet. Die übrigen Iso-
thermen verlaufen etwa den Breitenkreisen parallel durch die Halbinsel, so daß
die Temperaturen der umgebenden Meeresteile denen der Festlandsräume in gleicher
Breite sehr ähnlich sind. Schon dieser Zustand spricht dafür, daß zum Früh-
jahr hin der über die Halbinsel gerichtete westöstliche Zug der Tiefdruckwirbel
bedeutend erleichtert wird, da ja diese Luftdruckgebilde in der Regel im gleichen
Sinne sich verlagern, wie der Isothermenverlauf gerichtet ist,
Der barometrische Gradient ist im Frühling im Durchschnitt nur
ziemlich schwach ausgeprägt und von Nordwesten nach Südosten gerichtet,
da wir den höchsten Luftdruck im Norden, bzw. Nordwesten der Halbinsel
finden. Allein es zeigt sich auch hier, wie wir weiter unten sehen werden, recht
deutlich, wie ein Klima durchaus nicht immer durch den vorherrschenden Wind
oder die mittlere Luftdruckverteilung genügend charakterisiert wird. Man wird
vielmehr die Gesamtheit der Winde berücksichtigen müssen, um deren Beziehung
zu den übrigen meteorologischen Elementen zu verstehen, Das geht schon
daraus hervor, daß trotz des geringen durchschnittlichen barischen Gradienten
der März der Monat der größten Windstärke ist, was jedenfalls mit der starken
Luftauflockerung des Frühlings zusammenhängt sowie vor allem damit, daß das
kontinentale Innere im Gegensatz zu den warmen Küstengebieten des Südens und
Südostens doch noch häufig in diesem Monat klimatische Verhältnisse auf-
zuweisen hat, die an den Winter erinnern. Wir haben es demnach hier mit
einer gesteigerten Wirkung eines im gleichen Sinne gerichteten thermisch-
barischen Gradienten zu tun, der eben u. a. zur Folge hat, daß die Windstärke
im März viel bedeutender ist, als man aus der mittleren Luftdruckverteilung zu
schließen imstande ist. Diese Tatsachen zeigen jedenfalls zur Genüge, daß wir
uns auch auf Einzeluntersuchungen charakteristischer Wetterlagen zu den in
Frage kommenden Jahreszeiten einlassen müssen, ohne die mittleren Zustände
der Atmosphäre in den einzelnen Jahreszeiten zu vernachlässigen. Wir schließen
uns daher in dieser Beziehung der Methode von Teisserenc de Bort!) an, die
er mit folgenden Worten gekennzeichnet hat: » Les observations simultaneces prennent
de jour en jour une plus grande importance, mais ce nouwveau mode de recherche ne
remplace nas les Etudes par la methode des moyennes dans beaucoup de problemes que
nous offre la Meteorologie. Les moyennes sont en effet un instrument puissant Pour
degager les caracteres dominants des phenomenes, et elles s’appliquent aussi bien
ä la discussion des cartes journalieres quaux recherches dites „statiques‘‘. MKElles
marquent, il est vrai, les variations accidentelles; mais elles meltent en relief certaines
influences qui jouent un grand röle par leur action continue, et qui sont trop faibles
pour s’accuser nettement dans V’image de la circulation generale & un moment donne.«
Bei einer Beachtung solcher Gesichtspunkte dürfte die vorstehende Abhandlung
am besten einer von der modernen Klimatologie geforderten qualitativ-physio-
logischen Betrachtungsweise gerecht werden, indem sie sich auf den bisher teil-
weise schon allgemeiner bekannten auantitativ-statistisch gefestigten Ergebnissen
aufbaut.
Bemerkenswert ist nun für den März und April, daß gleichwie mitten im
Winter zahlreiche Tiefdruckgebiete entweder entlang der afrikanischen Küste
oder über Nordafrika selbst nach der Iberischen Halbinsel oder zum Mittelmeere
ziehen. Sie haben, wie Figur 11 u. 12 (Tafel 4) zeigen, ihre Geburtsstätte zumeist
südwestlich von Spanien, und die über dem Süden der Halbinsel durch die Er-
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