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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Haltermann: Wind- und Wetterverhältnisse an der Südspitze Amerikas. 205 
licher Wind bei dem sich nordöstlich von „Urania“ befindlichen „Neptun“ und 
der „Atalanta‘“, und südwestlicher Wind bei der nordwestlich von „Urania“ 
stehenden „Auguste“ herrschte, scheinen dies zu beweisen. Au diesem Tage 
wurde also der von „Urania‘ und „Pacific“ beobachtete Ostwind durch ein Tief- 
druckgebiet hervorgerufen, und das Bemerkenswertheste bei diesem so lange 
herrschenden Ostwinde ist eben die Thatsache, dafs diese beiden Schiffe nicht 
allein unmerkbar für den einsamen Beobachter an Bord, sondern auch für den 
Forscher am Lande, dem die gleichzeitigen bezüglichen Tagebücher mehrerer 
anderer Schiffe vorliegen, vom KEinflusse der Luftdruckverhältnisse des einen 
Gebietes in die eines entgegengesetzter Art übergehen konnten, ohne dafs dabei 
eine Unterbrechung oder auch nur Störung in dem beständig und kräftig wehenden 
Gegenwinde zu erkennen war. 
Ruhiges Wetter im Juni 1889. Die während der zweiten Hälfte des 
Juni 1889 unweit der Südspitze Amerikas herrschende Wetterlage war eine so 
ungewöhnlich ruhige, dafs sie einer kurzen Besprechung an dieser Stelle werth 
erscheint. Nähere Berichte über sie enthalten die Tagebücher von: „Nixe“, 
Kapt. Fettjuch, „Martha“, Kapt. Nifs, „Friedrich‘, Kapt. Korff, „Deutsch- 
land“, Kapt. Hegemann und „Mercator“, Kapt. Lange. Nachdem während 
der letzten Woche des Mai im südöstlichsten Theile des Stillen Oceans lange 
anhaltende Ostwinde geherrscht hatten, die dem während der letzten Zeit ihrer 
Herrschaft mehr als 760 mm betragenden Luftdrucke nach, von einem in hohen 
südlichen Breiten lagernden Hochdruckgebiete herrührten, folgten auf sie am 
4. Juni leichte südwestliche Winde. Diese wurden vom 8. bis zum 11. Juni 
wieder durch nordwestliche Winde unterbrochen, die an mehreren Tagen sehr 
heftig stürmten und bei denen der Luftdruck den von „Martha“ während eines 
am 10. Juni bei 58° S-Br in 74° W-Lg wehenden, orkanartigen Sturmes ab- 
gelesenen, niedrigsten Stand von 716mm erreichte. Nachdem sich dieses Tief- 
druckgebiet verzogen hatte, begann dann am 15. Juni eine lange Zeit schwacher 
Winde und gleichmäfsigen Luftdruckes, wie sie für diesen Meerestheil gewißs zur 
gröfsten Seltenheit gehört. Die leichten Winde wehten vorherrschend aus nörd- 
licher und östlicher Richtung und waren, da der Luftdruck sich beständig über 
dem für diesen Meerestheil geltenden Mittelwerth hielt, wahrssheinlich ebenfalls 
die Folge eines in höheren Breiten liegenden Hochdruckgebietes. Die Witterungs- 
verhältnisse waren damals solch ruhige, dafs der auf der Ausreise befindliche 
„Mercator“ während der 17 Tage, welche er auf der zwischen der Ostspitze 
Staaten-Lands und 50° S-Br in 81° W-Lg liegenden Strecke zubrachte, nur eine 
mittlere Windstärke von 3,5 beobachtete, Genau denselben Mittelwerth ergeben 
auch die an zehn Tagen beobachteten Windstärken, welche die heimwärts segelnde 
„Nixe“ auf dem Wege von 50° 5S-Br in 83° W-Lg nach 50° S-Br in 50° W-Lg 
antraf, Der gleichzeitige mittlere Luftdruck ergab für dies Schiff einen Stand 
von 757,5 mm, der höchste abgelesene Stand war 764,5 mm und der niedrigste 
753 mm. 
Der frische Südwind, den die nach auswärts bestimmten Schiffe während der 
letzten Tage des Juni unweit 50° S-Br im Stillen Ocean antrafen, stellte sich 
ein, nachdem der Mittelpunkt eines flachen Tiefdruckgebietes östlich von ihnen 
gelangt war. Als bei ihm rasch nach Norden vorgerückt wurde, erfolgte eine 
stetige Luftdruckzunahme bis auf einen höchsten Stand von 774 mm. 
Schiff 
Nixe ...... 
Martha ..... 
Friedrich . ... 
Deutschland .. 
Mercator .... 
19. Juni 188% 
Schiffsort | 
x r 
°, DS 
| 3 
Cl r 
3 
in Fr 
QA.Br 
W-Lr7 
47° 
55,5 
54,5 
58 | 
57,5 
86° ' 758 
81 758 
80 756 
72 760 
zo 759 
Ss 
ESE 
E 
ENE 
NE 
7 
20. Juni 
Tu 
Schiffsort x u 
5 | 2 
© 
| a 
S_Rr W.lLloe = 
| 
1 
A 
at 
48° ; 84° 
55 | 82 
54 81 | 
57,5 | 74 
575 | 783 | 
754 
752 
758 
756 
ET 
sw | 
SE 
NE 
NNE 
Ar 
J 
+ 
921. Juni 
Schiffsort | 
0 | wm 
AM Bl 
SS > 
2 << % 
x © . 
a | 3 | 
S R k 
No] „ 
S.Br  W-Le 
50° | 83° | 756 
55 83 751 
54 82 752 
57,5 | 75 | 752 
57 | 735 | 752 
WSW 
ENE 
Still 
SSE 
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