Haltermann: Wind- und Wetterverhältnisse an der Südspitze Amerikas. 203
allmählich, sonst erfolgte aber auch hier der ganze Vorgang in ähnlicher Weise
wie bei den vorerwähnten beiden Schiffen. Das Verhältnils des Unterschiedes in
der Zeit, wann der niedrigste Luftdruck bei „Richard Wagner“ und „Najade“
eintrat, zu der betreffenden zwischen beiden Schiffen liegenden Entfernung von
ungefähr 220 Sın, ergiebt eine stündliche Schnelligkeit von 31 Seemeilen,
Es ist dies ein Ergebnifs, welches, in Anbetracht der ja immerhin nur recht
unsicheren Rechnung, vortrefflich zu jener Schnelligkeit von 33 Sm stimmt,
welche die gleiche Rechnung für „Erato“ und „Richard Wagner“ ergab. Nach
dem Vorübergange der Depression stieg das Barometer bei „Najade‘“ für lange
Zeit. Für dieses Schiff war die eben erwähnte, freilich sehr bedeutende Störung
die einzige, welche in der Nähe des Kap Horn angetroffen wurde. Nachdem
am 16. April, in der Nähe von 40° S-Br und 100° W-Lg ein höchster Luftdruck
von 772 mm beobachtet worden war, hatte später ein langsames, fast ganz un-
gestörtes Sinken des Barometers bis zu dem am 25. April unweit 56° S-Br in
30° W-Lg angetroffenen, niedrigsten Stande von 719mm stattgefunden. Und
nach dieser Zeit beobachtete man eine eben solche, in Anbetracht des Meeres-
theiles höchst auffallende Luftdruckzunahme. Es stieg das Barometer ununter-
brochen während der zehn folgenden Tage, bis es am 5. Mai nahe bei 48° S-Br
in 39° W-Lg auf einen höchsten Stand von 778 mm zeigte. Es waren dann
19 Tage verflossen, seit ein ähnlich hoher Stand im Stillen Ocean abgelesen
worden war, und während dieser ganzen Zeit erfolgte nur ein einmaliges Sinken
und Steigen des Luftdrucks. Wahrscheinlich hatte sich damals die ganze Wetter-
lage mit dem ostwärts segelnden Schiffe nach Osten verschoben. Von „Erato“
und „Richard Wagner“ wurden ähnliche, aber doch bei weitem nicht so regelmäfsige
Bewegungen des Luftdrucks beobachtet. ;
Die Lage des während der ersten Woche des Mai im südwestlichen Theile
des Südatlantischen Oceans lagernden Hochdruckgebietes wird durch die in der
Tabelle enthaltenen Schiffsbeobachtungen ziemlich klar dargestellt. Weniger
bestimmt ergiebt sich aus ihnen die Fortbewegung der Erscheinung. Die That-
sache, dafs „Levuka“, wie die Angaben für den 29. April zeigten, in dessen
Gebiet zuerst frischen, sich später langsam nach SE verändernden SW-Wind
antraf, sowie, dafs „Najade‘“ schon westlich von 60° W-Lg frischen Nordwind
fand, der bei zunehmendem Luftdruck so lange anhielt, bis er das Schiff mitten
in das Hochdruckgebiet geführt hatte, scheint, wenn überhaupt eine Fortbewegung
dieser Wetterlage vorhanden gewesen ist, auf eine südliche hinzudeuten. Nach
dem 10. Mai war das Hochdruckgebiet nahezu verschwunden. Denn als „Erato‘“
an diesem Tage nach 50° S-Br in 53° W-Lg gekommen war, beobachtete man dort
zwar noch einen Barometerstand von 768 mm, doch hielt derselbe nur kurze Zeit
an, und so rasch, wie er gekommen war, verging er auch wieder.
Lange anhaltender Ostwind im südöstlichen Stillen Ocean, Mai
1889. Während der zweiten Hälfte des Mai 1889 wehten im südöstlichen Theile
des Stillen Oceans lange Zeit anhaltende Ostwinde, Ueber sie und die damalige
Wetterlage finden sich in den Tagebüchern der Schiffe „Urania“, Kapt. Gahde,
„Pacific“, Kapt. Oltmann, „Auguste“, Kapt. Fesenfeld, „Montana“, Kapt.
Schmidt, „Neptun“, Kapt. Dreyer, „Atalanta“, Kapt. Specht, und „Martha“,
Kapt. Nifs nähere Angaben. Bei „Urania“ und „Pacific“, den beiden heimwärts
bestimmten Schiffen, stellte sich der Ostwind schon am 18. Mai ein und wehte
später fast ununterbrochen bis zum 5. Juni. Aus leichter Mallung sich ent-
wickelnd, entstand er infolge eines kleinen damals südlich von diesen beiden
Mitseglern liegenden und sich nach Süden verschiebenden Hochdruckgebietes.
Denn am Mittage des 18. Mai beobachtete „Urania“ in 39° S-Br und 89° W-Lg
Nordwind, Stärke 4, und Luftdruck gleich 762 mm und gleichzeitig „Pacific“ in
46° S-Br und 89° W-Lg Ostwind, Stärke 3, und Luftdruck gleich 760 mm, während
am nächsten Tage bei „Urania“ das Barometer auf 760 mm gesunken, bei „Pacific“
dagegen auf 767 mm gestiegen war. Beide Schiffe beobachteten an diesem Tage
kräftigen NE-Wind. Bei „Pacifie‘‘ wurde der von jetzt an meist heftig wehende
Ostwind bis zum 4. Juni nicht wieder unterbrochen. ‚Urania‘ beobachtete nur
am 21. Mai noch wieder für einen Tag leichte südwestliche Mallung, sonst wurde
auch dies Schiff bis zum 6. Juni vom ungestört wehenden, häufig bis zum Sturme
zunehmendem Ostwinde zurückgehalten. Das Barometer sank dabei anfänglich
langsam und stetig, bis zu dem von „Urania“ für den 24. Mai in der Nähe von