Ueber die Prüfung von Schiffspositionslaternen.
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keitsabnahme nicht bemerkbar und man muß deshalb den photometrischen
Apparat auf das erlaubte Helligkeitsminimum einstellen und alsdann die Tisch-
platte langsam neigen bis das Photometer einspielt.
5. Resultate der im Sommer 1891 im physikalischen Institute zu Kiel
ausgeführten Messungen.
Die im Voraufgehenden besprochenen Fragen mögen eine weitere Er-
läuterung finden durch die Mittheilung der bisher gewonnenen Messungsresultate,
Da die auf rothe Laternen und Ankerlaternen bezüglichen Erwägungen zunächst
weniger von praktischer Bedeutung sind, mag es genügen, nur die Messungen
an grünen Laternen und Topplaternen hier zu reproduziren.
Zur Erklärung der in den nachfolgenden beiden Tabellen benutzten Ab-
kürzungen sei bemerkt: Die in der ersten Vertikalspalte befindlichen Bezeichnungen
S... und K... bedeuten Seewarte bezw. Kiel nebst der mit Diamant auf
das Laternenglas geschriebenen Nummer. Die bei zwei Laternen vorkommende
Bezeichnung H bedeutet Höpfner (einer der hiesigen Laternenfabrikanten). In
der zweiten Spalte ist mit L., P bezeichnet, dafs das Glas ein Fresnel’sches ist,
bestehend aus einem linsenartigen und einem aus gebogenen Prismen bestehenden
Theil. Die Zahl 3 oder 4 dazwischen bedeutet, dafs auf jeder Seite der Linse
3 bezw. 4 Prismen vorhanden sind. Mit L., R ist bezeichnet, dafs das Glas ein
imitirtes Fresnel’sches ist, bestehend aus einem linsenartigen Theile und rund-
geriefelten Theilen an Stelle der Prismen. In der folgenden Rubrik „Farbe“
ist bei den ersten Messungen, bei denen das spätere genauere spektrophoto-
metrische. Verfahren noch nicht angewandt war, derjenige Theilstrich der Spektral-
skala angegeben, bis zu welchem nach Schätzung das Spektrum reichte. Der
Skalentheil 0 entspricht dabei dem äufsersten Roth; der Skalentheil 4,6 der
D-Linie. In der Rubrik „Brenner“ bedeutet R einen Rundbrenner mit Cylinder.
Die Dochtbreite bezieht sich auf den flach ausgebreiteten Docht. Es bedeutet
Fl. einen Flachbrenner ohne Cylinder. Die für grüne Seitenlaternen angegebene
relative Helligkeit ist auf die specielle von mir auch zu anderen photometrischen
Arbeiten benutzte monochromatische grüne Glassorte bezogen. Als Photometer
benutzte ich den von den Herren F. Schmidt & Hänsch in Berlin angefertigten
Apparat meiner Konstruktion. In der letzten Spalte ist mit G (Genügend) und
U (Ungenügend) das Resultat des von mir ausgestellten Attestes hezeichnet.
Aus diesen Zahlen ist zu entnehmen:
1. Beim Beginne der Untersuchungen befanden sich die zur Prüfung
eingelieferten Laternen in einem fast durchweg sehr traurigen Zustande. Derselbe
ist sichtlich ein besserer geworden.
2, Die Anwendung von Flachbrennern bei den grünen Seitenlaternen ist
häufig die Ursache ungenügender Helligkeit. Es rührt dies daher, dafs die Flach-
brenner ein bedeutend röthlicheres, d. h. an grünen Strahlen ärmeres Licht aus-
senden. als die mit Cylinder versehenen Rundbrenner.,
3. In einer ganzen Anzahl von Fällen ist erwiesen, dafs mit Hülfe eines
10linigen Brenners (Dochtbreite 5,0 cm) bei grünen Seitenlaternen ausreichende
Helligkeit zu erzielen ist. ;
4. Durch mehrere Fälle ist erwiesen, dals die Helligkeitsvertheilung bei
Seitenlaternen eine vollkommen gleichmäfsige durch den ganzen Leuchtwinkel
hindurch sein kann.
5. Die Forderung, dafs das Spektrum nach dem Roth zu nicht über die
Natriumlinie (Wellenlänge 589) sich erstrecke, ist keine von der Praxis nicht
erfüllbare.
6. Für Topplaternen ist ausreichende Helligkeit durch 10 linige Rundbrenner
nur dann zu erzielen, wenn die Gläser besonders gute Formen haben.