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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1892, 
zefügten eingetheilten Parallelkreises, um die gesuchte Kursrichtung als den an- 
fänglichen Kurs im gröfsten Kreise ohne Weiteres abzulesen. Auf eine nähere 
Beschreibung und Begründung dieses neuen und streng richtigen Verfahrens ist 
nachher zurückzukommen; es sei nur auch gleich der leichter zu erledigenden 
neuen Distanzmessung im gröfsten Kreise gedacht. 
Die Distanzmessung hat eine Erweiterung darin erfahren, dafs jetzt 
auch ein geeigneter Meridian für diese Messung zu benutzen angewiesen wird. 
In dem oben erwähnten Berichte dieser Annalen vom Jahre 1890 war nämlich 
ein dahin gebender Wunsch ausgesprochen, damit die Distanzmessung sich dem 
gewöhnlichen Verfahren einer solchen Messung auf der Breitenskala möglichst 
anschliefsen möge, statt dazu etwas künstlicher die Längenskala zu gebrauchen, 
Eine Anweisung für beide Methoden ist jetzt auf den Karten angegeben, auch 
findet sich auf jeder Karte der damals vorgeschlagene Kreisbogen zur leichteren 
Aufündung des Meridians, auf welchem die Distanz zu messen ist. Man fällt 
nämlich ein Perpendikel TC von dem Berührungspunkte (T) der Karte mit der 
Kugel (Point of tangency) auf die Distanzlinie AB und schneidet zugleich mit 
TC als Radius jenen Kreisbogen, so ist der Schnittpunkt (C’) ein Punkt, durch 
den der gesuchte Meridian geht, welchen der Radius TC berührt, und auf 
welchem daher die Distanz AB in 2 Stücken AC‘-+ C‘B zu messen ist. Sollte 
C aufserhalb auf die Verlängerung von AB fallen, so wäre AB als Differenz 
AC‘— CB zu messen. Die Begründung dieses Verfahrens liegt einfach in dem 
Wesen der gnomonischen Projektion, wonach jede Vergröfserung auf der Karte 
nur von der Entfernung von ihrem Berührungspunkte (T) abhängt, nicht von 
der Richtung, in welcher man diese Entfernung nimmt.‘ 
Ganz anders steht die Sache mit der neuen Kursmessung, worauf jetzt 
näher eingegangen werden soll. Die Aufgabe verlangt den anfänglichen Kurs 
im größten Kreise zwischen zwei gegebenen Oertern. Die gnomonische Karte 
giebt diesen Kurs unmittelbar nur in dem Falle, wenn der Abfahrtsort im Be- 
rührungspunkte (T) der Karte mit der Kugel liegt. In jedem anderen Falle ist 
eine mehr oder weniger zusammengesetzte Auflösung nöthig, die schon in 
mancherlei Weise gegeben ist und worüber sich die verschiedenen Methoden 
gröfstentheils gesammelt finden in einer vom Hydrographischen Amte zu Washington 
veröffentlichten ersten speziellen Schrift über diesen Gegenstand von Littlehales'), 
wo die Auflösungen von Godfray, Knorr, Hilleret, Janzen, Herrle, Airy, Fisher, 
Chauvenet, Sigsbee, Proctor u. A. besprochen werden. Die hier gedachte ältere 
Auflösung von Herrn G. Herrle war noch in der vorigen Ausgabe der in Rede 
stehenden Karten enthalten und bestand darin, die gegebenen Oerter A und B 
mit ihrem Längenunterschiede so zu verlegen, dafs A auf den Mittelmeridian 
Gel, aber A und B ihre Breiten, wie auch ihren Längenunterschied, behielten. 
So mußte die Richtung AB in ihrer neuen Lage schon der gesuchte Kurs genau 
werden, wenn A auf den Berührungspunkt T' fiel, andernfalls aber war eine 
nicht sehr große Reduktion nach der verschiedenen Breite von A. erforderlich, 
wozu um T als Mittelpunkt verschiedene konzentrische Kreise als Kompafsrosen 
beschrieben waren. Der innerste Kreis galt für die Breite von T als Abfahrts- 
breite, und die anderen Kreise bezogen sich auf die anderen möglichen Abfahrts- 
breiten. Auf diese Weise entstand aber ein breiter Ring, der noch mit einigen 
Kurven versehen war für die Einschaltung von Zwischenwerthen. Wir finden 
diesen praktisch schon recht brauchbaren Plan bereits in einer früheren Karte?) 
von Herrn Herrle sorgfältig ausgeführt. Auf dieser Karte, welche den mittleren 
Theil des North Atlantic umfafste, war die gedachte Theilung der Kompafsrose 
auch durch Verlängerung des Radius zur gröfseren Genauigkeit nach dem 
äufsersten Rand der Karte rund herum ausgedehnt. Das angelegte Lineal nach 
weiter entfernten Punkten erhielt damit mehr Sicherheit zur genauen Kursangabe. 
Der Urheber dieses bis dahin mit Recht vorgezogenen Verfahrens, als 
welchen wir also Herrn G. Herrle ansehen dürfen, beruhigte sich indessen dabei 
nicht, weil er wohl noch nicht die Ueberzeugung gewinnen konnte, dafs der 
1) The development of Great Circle Sailing, by G. W. Littlehales, U. S. Hydrogr. Office. 
Washington 1889 in 8°. 
2) Gnomonic Chart for use in Great Circle and Windward Sailing. Wiih simple methods 
for measuring Courses and Distanges. By Gustave Herrle, C. E. Washington. D. C. 1881.
	        
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