[84 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1892,
in Hamburg um 2" p.m. am 9. 22%. Ausgedehnte Waldbrände fanden, begün-
stigt von der grofsen Trockenheit und warmen Witterung, vielfach statt. An
der Nordseeküste kamen in diesen Tagen keine Nachtfröste vor; an den öst-
lichen Küstentheilen traten solche am 5. und 8. bis 10. auf.
Der weitere Verlauf der Witterung zeigte eine wenig beständige Luft-
druckvertheilung; mit Ausnahme des 18. bis 21. lag die Küste meist im Bereiche
eyklonaler Isobaren, unter der Einwirkung von flachen Depressionen, welche den
Kontinent in vielgestalteten Bahnen streiften und durchzogen; eine intensive
Depression war im April nicht zu verzeichnen. Stürmische Winde, die in der
ersten Monatshälfte nur vereinzelt am 1. und 12. aus nordwestlichen Richtungen
in der Ostsee aufgetreten waren, kamen am 23., 24. und 26. aus West—NW an
der Küste von Darsserort bis Brüsterort, am 27. vereinzelt an der Ostseeküste,
in Stärke 8—9 der Beaufort-Skala, zur Entwickelung; die Nordsee hatte an der
deutschen Küste im April keine stürmischen Winde, unter Zugrundelegung der
geschätzten Windstärken, zu verzeichnen. Abgesehen vom 18. bis 21. war
wolkiges und vielfach trübes Wetter vorherrschend, verbunden mit fast täglichen,
meist geringen Niederschlägen seit Mitte des Monats, welche im Osten am 17.,
im Uebrigen meist am 25. ihre gröfsten Beträge erreichten. Die Morgentempe-
raturen sanken zunächst bis gegen Mitte des Monats, wo die niedrigsten Tem-
peraturen erreicht wurden und jene vielfach um 4—6° unter den normalen
Werthen lagen, und stiegen dann wieder bis gegen den 22.—24.; im weiteren
Verlauf brachten der 26. wieder vielfach vorübergehende Abkühlung und im
Osten die letzten "Tage höhere Temperaturen, doch wurden während der letzten
Dekade am Morgen die Normaltemperaturen nur im Osten und in den letzten
Tagen erreicht und um ein Weniges überschritten.
Gewitter fanden statt an der friesischen Küste am 16., an der mittleren
Ostseeküste am 24. und 28., an der Elbmündung und westlichen Ostseeküste am 29.
Im Monatsmittel lagen die Temperaturen etwas unter, der Luftdruck, ab-
gesehen vom Osten, etwas über der Normalen, während die. Windgeschwindigkeit
an der Nordsee meist zu niedrig, an der Ostsee, zumal nach Osten hin, zu grofs
war. Erheblicher war der Mangel an Niederschlägen im Vergleich mit den nor-
malen Monatssummen, abgesehen vom Osten, wo die normale Menge infolge
reichlicherer Niederschläge am 17. überschritten wurde.
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