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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

178 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1892. 
Segel. Gegen 10* a. m. heiterte das Wetter auf. Um 12 Uhr Mütags wurde, 
als der Feuerthurm von Coquito mw. SzW peilte und etwa 1 Sm entfernt war, 
auf einer Wassertiefe von 27'/2 m — 15 Fad. — geankert. Gleich darauf kam 
die Visite an Bord. Die Barre vor der Mündung des Flusses fällt sehr steil ab, 
so dafs wir, nachdem eine gehörige Länge Kette ausgesteckt war, neben dem 
Schiffe eine Wassertiefe von 55 m — 30 Fad. — lotheten. Man liegt stets 
hinter einem Anker, da das Schiff nie schwait. Mit dem Schiffsboot ist das 
Landen nur für kurze Zeit bei Hochwasser möglich, weshalb der Verkehr zwischen 
dem Schiffe und dem Lande durch Kanoes vermittelt wird, Die zum Laden 
dienenden Kanoes sind ziemlich grofs und können 40 bis 60 Säcke Steinnüsse zur 
Zeit tragen. Gestaut wird die Ladung von den eigenen Leuten. Da das Schiff 
mit dem Kopfe auf dem Winde liegt, während die Dünung immer aus NW 
bis Nord, also auf die Steuerbordseite des Schiffes läuft, wird die Ladung stets 
an der B.B.-Seite übergenommen. Den Ballast wirft man einfach auf dem Anker- 
platze über Bord. Die Leute hier riethen mir an, den Anker alle 5 bis 6 Tage zu 
lichten, weil derselbe sonst versanden würde. Ich habe diesen Rath nicht befolgt 
und auch jene Angabe nicht bestätigt gefunden. 
Am 2.März um 6* a. m. traten wir die Weiterreise nach Manta an. Um 
10° a. m. holte der Wind bei dickem, regnerischem Wetter nördlich. Um 12 Uhr 
Mittags peilte die Spitze Coquito in einem Abstande von etwa 7 Sm mw. 080'0. 
Wir beobachteten eine starke südliche Strömung längs der Küste. Am 5. wurde 
diese Reise beendet, indem wir um 5* p. m. auf der Rhede von Manta auf einer 
Wassertiefe von 8'/2 m — 43/4 Fad. — zu Anker kamen. Von unserm Anker- 
platze peilte die Stange, von der das Feuer gezeigt wird, SWzS und das Kap 
St. Matheo mw. WzS. Mit Sonnenuntergang flaute der Wind ganz ab. 
Während unserer Anwesenheit in Manta vom 6. März bis zum 5. April 1887 
war das Wetter meistens beständig, und die Schwankungen des Barometers waren 
äußerst gering. Bei Sonnenuntergang holte der Wind südlich und wurde flau, 
zuweilen trat auch Windstille ein, und am östlichen Horizonte zeigte sich Wetter- 
leuchten. Gewitter haben wir jedoch in der ganzen Zeit nur ein einziges gehabt, 
welches im Norden von uns vorbei zog. Gegen Mitternacht kam eine leichte Land- 
briese durch, während der es manchmal 1 bis 2 Stunden regnete. Kurz vor 
Sonnenaufgang flaute dieser Wind meistens bis zur Windstille ab, welche bei 
bedecktem Himmel bis 8 oder 9 Uhr Vormittags anhielt. Hierauf kam allmählich 
die Seebriese von Nord — NW durch, welche gegen Mittag auf West, zuweilen 
auch auf WSW holte und auffrischte. Im Laufe des Nachmittags wehte die 
Seebriese steif, bei klarem, heiterem Wetter, bis dieselbe, wie schon bemerkt, gegen 
Sonnenuntergang rasch abflaute und südlich holte. 
Die Ladung wird in Leichterfahrzeugen, die im Stande sind, 60 bis 80 Säcke 
Steinnüsse zu befördern, an Bord gebracht. Da der Strand aber sehr flach ist, 
so müssen die Leichter, um beladen zu werden, sehr weit vom Strande abliegen, 
wodurch, wie auch durch die hohe Brechsee, das Beladen derselben sehr er- 
schwert wird. Bis zum 25. März waren 10 Tage vorgekommen, an denen es 
anmöglich war, auch nur einen Sack Ladung an Bord zu bringen. In diese Zeit 
Gel die Vollmond-Springfluth, bei der das Wasser ein Steigen und Fallen von 
3'/2—4'/2 m —- 1 bis 2% Fad. — hatte. Es lief gleichzeitig eine sehr hohe Dünung 
aus SW, so dafs wir uns genöthigt sahen, weiter vom Lande abzuwarpen, bis auf 
eine Tiefe von 9'/2 m — 5'/4 Fad. — bei Niedrigwasser, Von hier aus peilte 
Kap St. Lorenzo SWzW*/A4AW und der Feuerpfahl von Manta mw. SzW. Der 
Ankergrund ist dort sehr gut haltend. Nach dem 27. März gestatieten es die 
Verhältnisse, jeden Tag mindestens etwas Ladung zu bekommen, bis am 4. April 
unser Schiff vollständig beladen war. 
In der letzten Zeit regnete es häufiger, aber die Menge des aufgefangenen 
Regenwassers genügte nicht, unseren Bedarf zu decken. Wir mußten daher unser 
Trinkwasser, welches ziemlich theuer ist, vom Lande holen. Diese Arbeit ist 
noch dazu mit bedeutenden Umständen verknüpft, weil das Landen mit dem 
Schiffsboot durch die vielen, am Strande liegenden Steine behindert wird. 
Am 6. April 1889 verlielsen wir Manta mit der Bestimmung nach Hamburg,
	        
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