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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Ueber die Prüfung von Schiffspositionslaternen.

feststellen und zwar cin der kleineren Sichtweite entsprechend niedrigerer als
für die auf größere Distanz sichtbaren Topplaternen. Es ist also wünschenswerth
eine Vereinbarung der an der Laternenprüfung interessirten Kreise
herbeizuführen zwecks Herstellung und Anerkennung einer normalen
grünen und einer normalen rothen Glassorte, durch welche die Helligkeitsbestimmungen
 der Seitenlichter in gemeinverständlicher Weise mit
Hülfe der Normalkerze ausgedrückt werden können.

HL Farbe der Laternen. Für die Prüfung und Auswahl der richtigen
Farbe der Laternengläser mufß man von einem Satze der meteorologischen Optik
Gebrauch machen, den man seltener formulirt findet, dessen Richtigkeit indessen aufser
Zweifel ist. Es ist der Satz: Die in der Atmosphäre schwebenden festen und
tropfbar flüssigen Körperchen schwächen das dieselbe durchsetzende Licht und
zwar um so mehr, je dichter die absorbirenden Theilchen gedrängt sind und je
brechbarer das Licht ist. Kin grüner und blauer Lichtstrahl wird also verhältniksmässig
 mehr geschwächt als ein rother. Die bekannte Folge dieses Vorganges
ist die Erscheinung, dafs das weile Licht der Sonne um so röther wird, d. h. um
so mehr von seinen brechbaren Theilen verliert, je länger der Weg ist, den es in
der Atmosphäre zu durchlaufen hat. Die untergehende Sonne sieht bereits
blutroth aus, Bezüglich der Laternenfrage ist aus diesem Satze zweierlei zu
folgern. Erstens werden die grünen Laternen einer verhältnifsmässig stärkeren
Absorption des Lichtes ausgesetzt sein, als die rothen. Insbesondere wird dies
bei diesigem Weiter zu erwarten sein. Zweitens sind die grünen Lichter leichter
als die rothen einer Verwechslung mit weiß zugänglich, sofern die benutzten
Gläser nicht absolut monochromatisch sind. Gewöhnlich lälst ein .rothes Glas
auch minimale Spuren der anderen Farben durch; diese verschwinden aber mehr
und mehr, je gröfser die Absorption in der Atmosphäre wird, so dafs ein rothes
Licht in Folge von Absorption nur noch reiner roth wird. Wenn jedoch das
grüne Glas Spuren von roth oder gelb durchlässt, so werden gerade diese Farben
bei zunehmender Absorption mehr und mehr hervortreten und der grünen Farbe
mehr und mehr gelblichen Stich geben.
Es geht hieraus hervor, dafs die rothen Laternengläser kaum einer genaueren
Untersuchung auf ihre Farbe bedürftig sind, dafs dagegen bei grünen Gläsern,
zur Verhütung einer Farbenverwechselung, verlangt werden mufs, dafs sie möglichst
 wenig rothes und gelbes Licht durchlassen. Wenn man indessen diese
letzte Forderung auf die Spitze treiben wollte, so würde man wieder den Übelstand
 haben, da[s die Sichtweite zu sehr verringert wird.. Die beiden Anforderungen
der möglichst grofsen Sichtweite einerseits und der Unmöglichkeit einer Verwechselung
 andererseits, widerstreiten einander zum "heil, Für die exacte Regelung
 dieler Frage würde es erwünscht sein,
Versuche bei Nebelwetter anzustellen, zur Entscheidung darüber, wie
viel rothes oder gelbes Licht einer grünen Laterne noch beigemischt sein
kann, ohne dass die Möglichkeit einer Verwechselung eintritt.

Um einen vorläufigen Mafsstab zu gewinnen, habe ich folgenden Weg
eingeschlagen, Wenn man das durch die üblichen grünen Gläser hindurchgehende
Licht in ein Spektrum auflöst oder durch ein Spektralrohr betrachtet, so erkennt
man bald, dafs aufser den grünen Strahlen der Lampe auch die blauen und
violetten hindurchgelassen werden und eine genaue spektrophotometrische Untersuchung
 zeigt, dafs vom Grün bis zum Violett hin alle Farbentöne fast
genau gleich gut durch das Glas hindurchgelassen werden. Bei Tageslicht, in
dem das Blau verhältnifsmälßig viel stärker enthalten ist, als in dem Lampenlicht,
erscheinen daher auch die Laternengläser blaugrün, Nach dem rothen Ende des
Spektrums hin werden aber die Farben mehr und mehr ausgelöscht. Dieser
Intensitätsabfall innerhalb des Spektrums ist ein ziemlich rapider. Trotzdem
erschien es mir zu unsicher, nur nach Schätzung diejenige Stelle der Spektral-Skala
 anzugeben, bis zu welcher das Spektrum nach der rothen Seite hin reicht,
Ich habe deswegen eine etwas genauere Messung der Intensitätsabnahme vorgenommen
 und denjenigen Punkt des Spektrums aufgesucht, in. welchem die
            
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