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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Haltermann: Wind- und Wetterverhältnisse an der Südspitze Amerikas. 167 
Witterungsverhältnisse genauer bekannt zu machen. Ungewöhnliche Wind- und 
Luftdruckverhältnisse, die bei der Prüfung der Tagebücher auffelen und da- 
her im Prüfungsbuche angemerkt wurden, sind es, die in der folgenden Arbeit 
besprochen werden sollen, -das mufs, um kein falsches Bild der allgemeinen Ver- 
hältnisse hervorzurufen, ausdrücklich betont werden. Damit soll aber doch nicht 
ausgeschlossen sein, durch das Mitgetheilte zu beweisen, daß beim Kap Horn 
der Luftdruck z. B. zwar durchweg ein geringer ist, dal aber auch dort sich 
nicht selten Barometerstände bilden, die in Meeren niedrigerer Breiten ebenfalls 
als hohe angesehen werden, und dafs besonders auch das Vorkommen östlicher 
Winde wenigstens ein häufigeres ist, als viele Schiffsführer geneigt sind, zu 
lauben. 
6 Hochdruckgebiet und lange anhaltender Ostwind im Südost- 
Pacifik. April bis Mai 1882. Bei dem von Kapitän List geführten Schiffe 
„Undine“, welches Ende April 1882 auf der Heimreise von Australien begriffen 
war, veränderte sich am 23. April, in der Nähe von 51° S-Br und 112° W-Lg, 
der schwache Wind von SW nach Süd. Während der fünf vorhergehenden 
Tage hatte bei stetig abnehmendem Luftdrucke stürmischer Südwestwind geweht, 
der erst kurze Zeit vor der Windveränderung abgeflaut hatte. Als das Baro- 
meter auf 749 mm gesunken war, drehte der Wind dann durch Süd nach SSE. 
Kurze Zeit nach diesem Vorgange frischte der Wind wieder auf, und es erfolgte 
ein anhaltendes Steigen des Barometers bis zu einem am 26. April unweit 
50° S-Br in 99° W-Lg beobachteten höchsten Stande von 774 mm. Als hierauf 
nach. zwei Tagen der Luftdruck aufs Neue abzunehmen begann, erst lang- 
sam, dann rascher, wurde der gleichzeitig nach Ost drehende Wind allmählich 
stürmisch. Und als die bei den herrschenden Verhältnissen natürlicherweise nur 
langsam vorrückende „Undine“ am 2. Mai 54° S-Br in 94° W-Lg erreicht hatte, 
wehte dort, bei einem niedrigsten Barometerstande von 740 mm, ein heftiger 
Sturm aus Ost. Der auch später noch stürmisch wehende Wind hielt sich bis 
zum 6. Mai im nordöstlichen Viertel. Erst als „Undine“ an diesem Tage nach 
57° S-Br in 87° W-Lg gelangt war, endete der bis dahin 13 Tage lang ungestört 
herrschende Ostwind, | 
Nach diesen Veränderungen des Windes und des Luftdrucks zu schliefsen, 
hatte sich das Schiff zuerst im nordwestlichen Viertel eines Tiefdruckgebietes 
befunden, welches, da das bei dem stürmischen Südwestwinde rasch nach Osten 
segelnde Schiff im Stande war, sich dessen Mittelpunkte zu nähern, sich nur 
langsam fortbewegt zu haben scheint. Am 23. April ist „Undine“ wahrscheinlich 
in das südwestliche Viertel dieser Erscheinung gelangt, worauf dann in nächster 
Zeit unmerklich der Uebergang des Schiffes in die nördliche Hälfte eines Hoch- 
druckgebietes erfolgt zu sein scheint, und später wieder in ein ebensolches 
Uebergehen in die südliche Hälfte eines zweiten Tiefdruckgebietes. Die sich 
während der ganzen Zeit wenig verändernde Wetterlage scheint aus einem sich 
in hohe Breiten ausdehnenden Hochdruckgebiete, welches an seiner West- wie 
Ostseite durch nahezu festliegende flache Tiefdruckgebiete begrenzt war, gebildet 
worden zu sein. Aus den Beobachtungen der „Undine“ läfst sich nicht genau 
erkennen, wann das Gebiet des einen erreicht, oder das des anderen ver- 
lassen wurde. 
Zwei Wochen früher als „Undine“ hatte der auf ähnlicher Reise begriffene 
„Frank Wilson“, Kapitän Meyer, im Südostpacifik ebenfalls ein Hochdruck- 
gebiet angetroffen. Bei diesem Schiffe zeigte das Barometer vom 8. bis zum 
13. April, auf der zwischen 46° S-Br in 115° W-Lg und 50° S-Br in 101° W-Lg 
liegenden Strecke, auf mehr als 770 mm. Ein höchster Stand von 772,5 mm 
wurde unweit 48° S-Br in 107° W-Lg abgelesen. Der das Schiff während dieser 
ganzen Zeit begünstigende, beständige und frische Westwind bewies, daß sich 
dasselbe in der südlichen Hälfte des Hochädruckgebietes befand. Und der Um- 
stand, dafs „Undine“ dasselbe am 26. April, 13 Tage später als „Frank Wilson“, 
jenes Gebiet bei Westwind in 49° S-Br und 101° W-Lg verlassen hatte, in etwa 
50° S-Br und 99° W-Lg bei Ostwind erreichte, läfßst es als nicht unmöglich er- 
scheinen, dafs beide Schiffe es in diesem Falle mit demselben sich langsam nach 
Süden verschiebenden Hochdruckgebiete zu thun hatten. _ 
Hochdruckgebiet und sehr tiefe Depression im September 1883. 
Ein nicht sehr ausgeprägtes, in geringer Entfernung von der Küste Feuerlands
	        
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