Magnetische Beobachtungen an den Küsten der Adria in den Jahren 1889 u, 1890. 165
Hier hat Chistoni an der ganzen Küste, mit Ausnahme des südlichsten Theils
(wo 'aber die von österreichischer Seite gezogene Isodyname 0,245 in ihrer Lage
sehr unsicher ist), kleinere Werthe, so dafs die Isodynamen viel steiler verlaufen
müfsten, als sie in der genannten Karte gezogen sind. Für vier Orte liegen
Beobachtungen sowohl von Chistoni als von Laschober und Kefslitz vor,
und sie zeigen dieselbe Abweichung.
Zwar sind die Beobachtungen nicht genau an demselben Orte gemacht,
jedoch sind die Lagenunterschiede so gering, dals daraus .die Differenzen in der
Horizontal-Intensität nicht erklärt werden können; aufserdem stimmen die Dekli-
nationen und Inklinationen hinreichend mit einander. Das gleiche Vorzeichen der
Abweichungen der Horizontal-Intensität an der ganzen Küste deutet darauf hin,
dafs die Ursache eine gleiche und konstante sein mufßs. Im Mittel beträgt die
Differenz 0,00078, d. h.. um so viel sind Chistoni’s Bestimmungen kleiner.
Die von Laschober und Kefslitz ausgeführten Vergleiche zeigen, daß ihr
Instrument (Theod. Jones) 0,00036 mehr ergiebt als ein solches in Rom von
Dover und 0,00039 mehr als der Theodolit Lamont 1 bezw. der Magnetograph
in Wien. Immerhin würden noch 0,00042 Einheiten zu erklären übrig bleiben,
dürfte man diese Zahlen anwenden, wenn man die Instrumente auf einander reducirt.
Chistoni hat bei seinen Beobachtungen ein Instrument von Elliott
benutzt, die Ableitung der Konstanten giebt er, nicht jedoch irgend welche Ver-
gleichs-Beobachtung. Nur von einem in Rom befindlichen englischen 'Theodolit
Dover giebt er an, dal derselbe in Kew verglichen ist und ferner, dafs derselbe
bei einem Vergleich in Wien (Juli und August 1881) um 0,00052 gröfsere
Werthe ergiebt als der Theodolit Schneider daselbst. Diese Angaben finden
sich in: „Misure magnetiche eseguite in Sicilia nel 1881 dal Dott. Ciro Chistoni“.
Wie sind diese Angaben unter einander in Einklang zu bringen? Ist dieser
Theodolit Dover derselbe, mit dem die Herren Laschober und Kefslitz im
Juni 1890 ihr Instrument verglichen haben? Und wenn dies der Fall, wie
kommt es, dafs jetzt dieser Theodolit dieselben Werthe ergiebt als die Instru-
mente in Wien, denn dafs Theodolit Schneider und Theodolit Lamont I in
ihren Angaben durchaus übereinstimmen, wird ausdrücklich angegeben in Bd. XX
N. F, der „Jahrbücher der k. k. Centralanstalt für Meteorologie und KErd-
magnetismus“. Ferner wie verhalten sich die beiden Theodolite Dover und
Elliott in Rom zu einander? Sehr wahrscheinlich zeigen auch diese eine erheb-
liche Differenz, wenigstens deuten dies die Beobachtungen in Sicilien mit Theodolit
Dover und jene in Calabrien mit Theodolit Elliott an. Auf gleiche Jahre
/1886,9) reducir£ haben Messina und Reggio, Syracus und Spartivento Differenzen
von 0,0112 bezw. 0,0076 d. h. um so viel C, G. S.-Einheiten ist die Intensität auf
dem Festlande gröfser. (Messina 1886,9 = 0,2399 [1881,9 == 0,2391], Reggio
=.0,2511; Syracus = 0,2448 [1881,9 = 0,2440], Spartivento = 0,2524.) Das
sind Verschiedenheiten, die, will man nicht aufsergewöhnlich gestörte Verhältnisse
annehmen, durch die Verschiedenheit der Lage allein nicht erklärt werden
können. Diese Unterschiede werden noch etwas gröfser bei Berücksichtigung
des Standes zwischen Theodolit Dover und Theodolit Schneider, wie er von
Chistoni angegeben wird.
Hoffentlich können diese Fragen noch ihre Lösung finden und zwar durch
die einschlägigen Untersuchungen in Rom. Jedenfalls sieht man aus dem ver-
suchten Anschlusse, dafs Vergleichungen der Normal-Instrumente an den ver-
schiedenen Basisstationen für magnetische Landesaufnahmen durchaus nöthig und
womöglich‘ öfter zu wiederholen sind, wenn Systemfehler vermieden werden
sollen. Bisher sind solche Vergleiche, außer den schon erwähnten, ausgeführt
zwischen Kew, Paris, Wilhelmshaven, Utrecht durch Dr. van Rijckevorsel
mitgetheilt in: „An attempt to compare the instruments for absolute magnetic
measurements at different observatories by Dr. van Rijckevorsel“, ferner im
Jahre 1882 zwischen Wien und Pawlowsk (‚„Jahrbücher der k. k. Centralanstalt‘““
N. F. Bd. XX, 1883, Seite 180), und in neuester Zeit durch Dr. Solander
zwischen Potsdam, Wilhelmshaven, Hamburg und Upsala.!) Es ermangelt also
nur noch ein Anschlufs von Nordwesteuropa nach dem Osten und dem Süden hin.
') Nach einer vorläufigen brieflichen Mittheilung an Herrn Prof, Dr. Neumayer giebt das
Instrument Dr. Solanders 0,00057 niedrigere Werthe, als sie in Wilhelmshaven bezw. in Hamburg
beobachtet werden.