162 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1892,
wenn man die Beobachtungen weiter nach dem Innern ausdehnt, um den Verlauf
der isomagnetischen Linien in Wirklichkeit verfolgen zu können: bei einer Be-
schränkung auf die Küstenlinie wäre dies, und damit die Untersuchung der
Störungen im Einzelnen, unmöglich.
Es darf vielleicht hier noch einmal wiederholt werden, was an anderer
Stelle schon genügend betont worden ist, daß es zur Untersuchung der höchst
merkwürdigen Unregelmäfsigkeit in der Vertheilung der erdmagnetischen Kraft
im Ostseegebiete nothwendig erscheint, Beobachtungen auf offener See und
genügend weit vom Lande entfernt auf vollständig oder doch nahezu vollständig
eisenfreien Schiffen zu erhalten. Dabei mufs es abermals als unerläfslich bezeichnet
werden, die erdmagnetische Kraftäufßserung in einem jeden einzelnen Falle nach
den drei Elementen festzustellen, Man wird dadurch endlich ein Bild gewinnen
können über den Zusammenhang der Störungen des Verlaufes der isomagnetischen
Linien in Südschweden, im finnischen Meerbusen, im Gebiete des dänischen
Inselreiches und an den deutschen Küsten der Ostsee. Dafs eine solche Unter-
suchung als von der höchsten Bedeutung sich erweisen müfte für die Weiter-
entwickelung unserer Anschauungen über das Wesen der Vertheilung der erd-
magnetischen Kraft, kann für Niemand einem Zweifel unterliegen, der sich
überhaupt mit diesem wichtigen Gegenstande eingehend befaflst hat. Während
Beobachtungen über ein oder das andere der erdmagnetischen Elemente an
einzelnen Punkten der Küste nur Geringes zur Förderung unseres Wissens
über diesen Gegenstand zu erzielen vermöchten, wird eine Untersuchung
wie sie im Vorstehenden nur andeutungsweise erwähnt wurde, nicht nur sich
als von grofßsem Werthe für die Ermittelung der Lokalstörungen in dem deutschen
Küstengebiete, sondern auch für die Ermittelung der Natur solcher Störungen
überhaupt erweisen müssen. Es wäre dies eine Aufgabe wissenschaftlicher und
zugleich praktischer Natur, welche, in sich zwar begrenzt, unzweifelhaft — wenn
von wissenschaftlich ausgestatteten Fahrzeugen der Kaiserlichen Marine auf-
genommen — sich im Interesse der allgemeinen erdmagnetischen Forschung sehr
ohnend erweisen wird. Dr. N.
Magnetische Beobachtungen an den Küsten der Adria in den
Jahren 1889 und 1890 auf Anordnung des k. u. k. Reichs-Kriegs-
Ministeriums (Marine-Sektion).
Ausgeführt und berechnet von FRANZ LASCHOBER, Kk., u. k. Fregatten-Kapitän, zugetheilt WILHELM
KESSLITZ, k. u. k. Linienschiffs-Lieutenant. Pola 1892.
Unter diesem Titel ist als Beilage zu den „Mittheilungen aus dem Gebiete
des Seewesens“ eine Arbeit erschienen, welche die augenblicklich im Gange
befindlichen magnetischen Aufnahmen in Cisleithanien ergänzen soll, aber an und
{ür sich schon in der Wissenschaft des Erdmagnetismus volle Beachtung verdient.
An 22 Haupt- und 17 Nebenstationen, die sich unter einander nur dadurch
unterscheiden, dafs an ersteren jedes einzelne Element doppelt beobachtet wurde,
sind an der Küste des Adriatischen Meeres volle magnetische Bestimmungen
der Deklination, Inklination und Horizontal-Intensität vorgenommen worden,
Davon entfallen acht auf die italienische, die übrigen Stationen auf die öster-
reichische Küste (rund 900 km) zwischen Triest und Korfu.
Die Zeit- und Azimut-Bestimmungen wurden mit einem besonderen astro-
nomischen Theodolit ausgeführt, zu den magnetischen Messungen diente ein
Theodolit von Jones und ein Inklinatorium von Barrow. Bei dem magnetischen
Theodolit hängen die Magnete an 60 bezw. 50 cm langen Fäden, die Kreisablesung
ist durch die Nonien auf 30” gegeben, durch Schätzung auf 15“ möglich. Zu
den Intensitätsmessungen wurden zwei Röhrenmagnete aus glashartem Stahl mit
Kollimatoren verwendet. Die Konstanten dieser Magnete sind sorgfältig bestimmt