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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Veber die Prüfung von Schiffspositionslaternen. 
kommende Gesetz der Intensitätsabnahme gebührende Rücksicht zu nehmen ist. 
Derartige Untersuchungen lassen sich aber nicht in der kurzen Zeit machen, die 
bei den üblichen Laternenprüfungen gewöhnlich zur Disposition steht. Anderer- 
geits mußte es in Anbetracht des gegenwärtigen Zustandes der Laternenprüfungs- 
methoden als zulässig erscheinen, die Abweichungen vom quadratischen Gesetz 
vor der Hand zu vernachlässigen, falls die Intensitätsmessungen überhaupt nicht 
in zu grofser Nähe der Laterne angestellt würden. Aus einer Messung in 10 m 
Abstand sollte also gefolgert werden, dafs die Laterne in 20 m Abstand auf 
den vierten Theil der Helligkeit, in 100 m Abstand auf den 10>X<10=100. Theil 
der Helligkeit abnehme. 
Wenn wir sonach in der Helligkeitsmessung in einem bestimmten Abstande 
einen Maßstab für die in beliebige andere Entfernungen gesandten Lichtmengen 
besitzen, so bleibt nur noch die Frage offen: In welcher Weise hängt die Sicht- 
barkeit der Laterne von der emittirten Lichtmenge ab. Oder anders gefafst: 
Wenn zwei Laternen verschiedener Konstruktion, deren Lichtemission. dem 
quadratischen Gesetz gehorcht, auf 10 m Distanz gleiche Helligkeit im 
Photometer zeigen, werden sie dann beide gleich weit sichtbar sein? Es wäre 
ja möglich, dafs die Sichtbarkeit von der wirklichen oder scheinbaren Gröfse 
der Flamme mit abhängig wäre. Hierüber sind indessen meines Wissens nach 
keine Untersuchungen gemacht. Man wird aber voraussichtlich keinen zu grofßen 
Fehler begehen, wenn man die zuletzt aufgeworfene Frage einfach bejaht. Es 
wird dies um so eher erlaubt sein, als thatsächlich die Gröfse der üblichen 
Laternen und ihrer Gläser nur innerhalb kleiner Grenzen schwankt. 
Auf Grund dieser Erwägungen habe ich geglaubt, vor der Hand die 
Helligkeitsmessungen auf 10m Distanz als alleinigen Mafsstab für die 
Sichtweite benutzen zu dürfen. Es handelte sich nur um die Frage: Wie 
hell muß dann eine Topplaterne oder eine grüne oder rothe Laterne sein, um noch 
in bezw. 5 oder 2 Sm Distanz gesehen zu werden? Die Antwort kann 
nur ein Versuch im Freien geben. Es hängt diese Beziehung offenbar sehr eng 
mit dem Durchsichtigkeitsgrade der Luft zusammen und eine einigermafsen exakte 
Antwort müßte diesen Umstand berücksichtigen. Leider giebt es zur Zeit keine 
für die vorliegenden Zwecke brauchbare Methode, um die Transparenz der Luft 
ziffernmäfsig ausdrücken zu können. Es ist deswegen vorläufig kein anderer 
Weg offen, als die Transparenz der Luft durch blofse Abschätzung festzustellen 
und alsdann bei „nach Schätzung sichtiger Luft“ die Relation zwischen Sicht- 
weite und Helligkeit zu suchen. Einen solchen Versuch habe ich am Abend des 
16. April auf dem Kieler Hafen unternommen. Auf einem Dampfer der Herren 
Sartori & Berger begleiteten mich eine Anzahl erfahrener und vorzüglich 
scharfsichtiger Schiffskapitäne. Herr J. N. Höpfner hatte die zu prüfenden 
Laternen geliefert. Die letzteren wurden auf der Landungsbrücke bei Bellevue 
und die Topplaterne auf der halben Höhe von Bellevue aufgestellt und nach ge- 
nauer Verabredung von 5 zu 5 Minuten gewechselt, während dessen der Dampfer 
sich mehr und mehr entfernte. Die Luft war sichtig, der Himmel bedeckt. Hin 
und wieder fielen einige Regentropfen. Die Beobachtungen dauerten von 830 
bis 11*. Die Resultate waren: 
Bezeichnung 
der 
Laterne 
Grüne (glattes Glas’ 
S 2. Grün (Fresne!. 
S 1. Roth (Fresnel) 
S 23. Topp (Fresnel 
Grenze der Sichtbarkeit 
für 
normale Augen 
für 
sehr gute Augen 
+ Sm 1,88 Sm 
25 | 3,5 » 
2,5 » } 3,5 ” 
43 5 a 
Kerzenstärke 
der 
Laternen 
41,3 
; 71,8 
25,5 
17,0 
Diese Angaben bedürfen zunächst einiger Erläuterungen. Es war die grüne 
Laterne mit glattem Glas absichtlich ihres Reflektors beraubt, um die Helligkeit 
nach allen Richtungen möglichst gleich zu machen. Die Laterne S2 besafs ein 
gut geschliffenes Fresnel’sches Glas und war auf der Seewarte als völlig ge- 
nügend attestirt. Das Gleiche gilt von S 1 und.S23. Es wurde die Grenze
	        
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