Reise d. Schiffe „Adolph“ u. „Gustav & Oscar“ von Hongkong nach d. Sunda-Strafse, 145
von Pulo Leat, da sie wahrscheinlich nicht die enge Passage zu durchkreuzen
wagten. ;
6 Um 8 Uhr am Morgen des 28. November begann der Strom wieder südlich
zu setzen; wir lichteten. daher den Anker und kreuzten gegen einen südwestlichen
Wind aus, wenig unterstützt durch einen schwachen Strom, bis um 12 Uhr
in der folgenden Nacht, auf einer Wassertiefe von 28 m (15 Fad.) wieder geankert
werden mußte, an einem Orte, von dem aus die Shoalwater-Insel SO01'/40
peilte. Am Morgen des 29. November gingen wir wieder unter Segel, konnten
aber während des ganzen Tages nur 12 Sm in südlicher Richtung gut machen
und mußten am Abend wieder zu Anker gehen. Am folgenden Tage war das
Resultat unserer Arbeit die Zurücklegung einer Strecke von nur 20 Sm nach
WSW. Erst am 3. ‚Dezember um 10 Uhr Abends sichteten wir das Feuer von
North Watcher. Nachdem wir in dieser Nacht und am folgenden Tage gegen
einen schlanken SW-Wind aufgekreuzt hatten, peilten wir 6 Uhr Abends die
Two brothers NzO und den Berg Imbong WzN. Am 5. Dezember ankerten
wir um 2 Uhr Nachmittags bei den Sisters auf einer Wassertiefe von 18 m
10 Fad.). ;
\ Um 6 Uhr Morgens am 5. Dezember setzte der Strom wieder nach SW;
wir lichteten daher den Anker und kreuzten gegen einen beständigen Wind nach
der Sunda-Strafse, worauf um 12 Uhr Mittags der Feuerthurm von Anjer, 1 Sm
entfernt, OzS peilte. Um 5 Uhr Nachmittags verloren wir denselben in der
Peilung NOz0!/20 aus Sicht. Am 7. Dezember kreuzten wir bei einer flauen,
züdwestlichen Briese in der Sunda-Strafse, ohne besonderen Fortschritt zu machen.
Als um 10 Uhr Abends Krakatoa NO!/20 und das Nordostende von Prinzen-Insel
SO peilte, erhielten wir steife nordwestliche Böen, mit denen wir, da es
beständig dick von Regen war, ohne etwas gesehen zu haben, nach einer Reise von
22 Tagen aus der Straße gelangten.
Wir haben die ganze Strecke von etwa 7° N-Br bis zur Sunda-Straße und
durch dieselbe fast ausschliefslich gegen Winde aus südwestlicher Richtung zurücklegen
müssen; trotzdem war das Resultat ein ziemlich gutes. In der Gaspar
Straße setzte der Strom am Tage mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 1! Knoten
südlich, in der Nacht mit einer solchen von 2 bis 3 Knoten nördlich. Die nördliche
Strömung überwog also an Geschwindigkeit die südliche ziemlich bedeutend.
In der Sunda-Straße lief am Tage ein südwestlicher Strom, der Gegenstrom in
der Nacht war gering. Vier Tage vor unserer Ankunft hatte hier schon, wie
ich in Anjer erfuhr, der Strom unausgesetzt eine nordöstliche Richtung gehabt.
Schiffe, welche in der Zeit, in der wir uns in der Sunda-See befanden, die
Sunda-Strafse in nördlicher Richtung passirt hätten, würden demnach noch eine günstige
Gelegenheit vorgefunden haben, um rasch durch die Gaspar-Strafse nach Norden
zu kommen, was der allgemeinen Annahme, dass die Gaspar-Strafßse schon von Ende
September an in nördlicher Richtung schwer zu passiren ist, widerspricht. In diesem
Jahre wichen indessen die Windverhältnisse überhaupt aufserordentlich von den
sonst gewöhnlichen ab. Im August war in der Sunda-See kein Monsun vorhanden,
und in der China-See wehten bis etwa 14° NBr in den Monaten September
und Oktober fast beständig frische südwestliche Winde. Schiffe, welche
Anjer im September passirten, konnten daher auch von hier aus Hongkong iu
L8 bis 20 Tagen erreichen.
Unter noch ungünstigeren als den eben beschriebenen Verhältnissen hatte
das deutsche Schiff „Gustav & Oscar“ seine Reise auszuführen. Dieses Schiff verließ
Hongkong am 5. Oktober 1889, also 41 Tage vor „Adolph“, ebenfalls bei
einem frischen östlichen Winde, der aber nur einen Bestand von 3 Tagen hatte.
Nachdem am 8. Oktober in 14,3° N-Br und 119,6° O-Lg der Wind auf NW geholt
hatte, kam indessen in der Nacht vom 10./11. Oktober, in etwa 12,6° N-Br
and 111,9° O-Lg nochmals der Nordost-Monsun durch. Dieses Mal hielt er nur
48 Stunden an; dann ging der Wind in 10,4° N-Br und 110,0° O-Lg wieder auf NW
zurück. Vom letzteren Orte an war die Reise fast ausschliefslich bei veränderlichen
Winden aus dem westlichen Halbkreise auszuführen, so dafs es erst vom
7. bis 8. November möglich war, den Stolze-Kanal zu durchsegeln. ‘Die Reise
hatte mithin bis hierher 34 Tage gedauert.
In der Sunda-See gestatteten in den beiden folgenden Tagen südöstliche
Winde einen verhältnismäßig guten Fortschritt, denn um 6 Uhr Morgens den