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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1892.
An der Nordküste Brasiliens hielt ich mich für die Weiterreise an die in
den „Annalen der Hydrographie etc.“ 1891, Heft IX, Seite 350 gegebene
Route, indem ich zwischen Las Rocas und Kap St. Roque passirte und auf den
bezeichneten Punkt, 5° 30' N-Br auf 50° W-Lg abhielt.
Der Südost-Passat, welcher sich zwischen SE und E hielt, begleitete das
Schiff bis auf etwa 1%4° N-Br in 44° W-Lg am 25. November und wehte so
frisch, dals das Schiff einen guten Fortgang erzielte.
Der Uebergang aus dem Gebiet des Südost-Passats in das des Nordost-
Passats machte sich in unangenehmer Weise durch drei Tage anhaltendes Kalmen-
wetter bemerkbar, welches das Schiff hauptsächlich durch einen kräftigen Nord-
strom überwand.
Nach den Angaben des Segelhandbuches für den Atlantischen Ocean hätte
von 3° N-Br ab der Nordost-Passat aus nordöstlicher bis östlicher Richtung
wehen sollen, der Wind wurde jedoch noch nach dem Passiren der Kalmenzone
am 28. November auf ca 4'/4° N-Br auf 46° W-Lg aus ESE, stellenweise sogar
aus Süd wehend, angetroffen. Die östliche bezw. ostnordöstliche Windrichtung
stellte sich erst vom 30. November auf 5!/2° N-Br in 49% ° W-Lg ein. Der Nord-
ost-Passat war häufig sehr böig, mit Regenschauern verbunden, und das Wetter
gestaltete sich erst freundlicher etwa am 3. Dezember auf 7%4° N-Br und
551° W-Lg und hielt von da ab bis zum Schlufs der Reise durch,
Was die an der Nordküste von Südamerika angetroffenen Stromverhältnisse
anbelangt, so ist zu bemerken, dafs eine Uebereinstimmung der angetroffenen
Stromrichtungen mit den in den Segelhandbüchern und Stromkarten gemachten
Angaben nur an der Küste von Brasilien festgestellt werden konnte, wäh-
rend an der Nordküste von Guyana ein richtiger Voranschlag des Stromes
ei der Wahl des einzuschlagenden Kurses nicht erzielt werden konnte. Diese
Thatsache kennzeichnet sich deutlich durch den letzten Theil des auf der bei-
gefügten Wegekarte eingetragenen Kurses, welcher an der Küste von Guyana
ein völlig zickzackförmiges Aussehen erhalten hat infolge des unregelmäfsigen
Stromes, gegenüber dem geraden Verlauf der Linie an der Nordküste von
Brasilien. Während der Strom im Allgemeinen eine westnordwestliche, ins Land
getzende Richtung zeigen soll, wurde am 27. November ein solcher festgestellt
von N 40° 0 645m in 48 Stunden,
am 28. November N 62° 0 24 Sm
29. - N 76° O 18 Sm
1. Dezember N 28,55° W 96 Sm in 48 Stunden
2. ; N 10° O0 18 Sm.
Es zeigt sich, dafs der Strom hier weit mehr die Neigung hatte, vom Lande
abzusetzen als auf dasselbe zu. Erst vom 3. Dezember ab wurde wieder Karten-
atrom vorgefunden.
Die Gesammtstromversetzung vom 4. auf den 5. Dezember wurde zu
S 13° O0 6Sm bestimmt, jedoch fand sich Gelegenheit, durch genaue Beob-
achtungen festzustellen, dafs das Schiff vom Mittag des 4. Dezember bis 6" p. m.
nach rw. OzN 8 Sm, von 6* p. m. bis 6* a. m. am 5. Dezember nach rw. Süd
5 Sm und zwischen diesem Zeitpunkte und Mittag desselben Tages nach Westen
versetzt wurde. Das Schiff scheint demnach in einem vollständigen Wirbelstrom
sich befunden zu haben, welcher möglicherweise durch die von der Insel
Trinidad und dem südamerikanischen Festlande gebildete Ecke in dem herein-
setzenden Aequatorialstrom erzeugt worden ist,
Am 5. Dezember Vormittags 11% 35" nahm ich die Maschine in Gebrauch,
um bis zum Abend noch nördlich der Insel Trinidad bezw. westlich der Insel
Tobago zu gelangen; während der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember hielt ich
von 6% ab mit aufgebänkten Feuern unter Segel auf die Boca de Dragos zu
and ging am 6. Dezember Vormittags 9* 50" auf der Rhede von Port of
Spain zu Anker.
In der Boca de Huero lagen zwei Wracks an den Felsen, von welchen
das eine erst ganz kürzlich gestrandet sein mufste; es scheint demnach für
Segelschiffe rathsamer zu sein, den gröfseren Umweg durch die Boca Grande
zu nehmen, anstatt eine der zwar näher liegenden, aber gefährlicheren engeren
Durchfahrten.