Haltermann: Elektrische Erscheinungen an der Südspitze Amerikas. 137
Von den bei schwächeren Winden stattgefundenen Blitzbeobachtungen,
die in 6 Fällen auch von Donner begleitet waren, könnten, den begleiten-
den Umständen nach, vielleicht 10 sogenannten Wärmegewittern angehören.
Die gröfsere Zahl derselben ereignete sich in geringer Entfernung von der
Staaten-Insel. Von allen in der Liste angeführten 66 Fällen des Blitzes und
11 Fällen des Donners fanden 14 der ersteren und 4 der letzteren in dem
die Insel Staaten-Land und das Kap Horn umgebenden, zwischen 54° bis
56° S-Br und 63° bis 68° W-Lg liegenden Meerestheile statt.
Verhältnifsmäfsig sehr gering an Zahl sind, wie gesagt, die Beobachtungen
über das Vorkommen von Donner. In der Tabelle sind nur 11 Fälle desselben
angeführt. Von diesen erfolgten 5 in geringer Entfernung von Staaten-Insel.
Während der Monate Mai bis November kam kein Fall von Donner vor, nur
während der südlichen, Sommermonate beobachtete man solchen.
Ungleich häufiger als Donner ereignete sich dagegen während der be-
treffenden Zeit das Elmsfeuer. In nicht weniger als 24 Fällen finden sich in
den Tagebüchern Angaben über diese Erscheinung. In Anbetracht der Selten-
heit des Elmsfeuers am Lande oder in anderen Meeren, wie auch des yerhältnifs-
mäfsig doch seltenen Auftretens von Blitz und Donner in diesem Meerestheile,
ist die Zahl der beobachteten Elmsfeuer eine überraschend grofse. Es scheint,
als ob die Luft in diesen hohen Breiten nicht selten über verhältnifsmälsig weite
Strecken hin die Vorbedingungen zur Entstehung des Elmsfeuers in sich trägt,
und daß es nur hervorragender Spitzen, wie sie die Masten der Schiffe bieten,
bedarf, um dasselbe hervorzurufen. Die begleitenden Umstände, unter denen
die Erscheinung fast immer auftrat, deuten aber auch auf eine sehr nahe Ver-
bindung zwischen ihr und Niederschlägen und zwar besonders von Hagel und
Schnee hin. Zeigt es sich doch, dafs unter diesen 24 Fällen sich 21 befinden, bei
denen bestimmt angegeben wird, dafs sie gerade dann sichtbar wurden, als
heftige Hagel- und Schneeböen einfielen. Nur dreimal wurden Elmsfeuer in
Böen beobachtet, die weder Hagel noch Schnee mit sich führten. Regen fiel
aber auch in diesen. Nicht unwahrscheinlich mag es danach erscheinen, dafs
nur als Folge der Häufigkeit fester Niederschläge das Vorkommen des Elms-
feuers beim Kap Horn ein so sehr häufiges ist.
Reise S. M. Kr.-Freg. „Leipzig‘“, Kommandant Kapt. z. S.
Rötger, von Valparaiso nach Montevideo. ;
Am 12. Dezember 1891, 4* p. m., verliefs S, M, S, „Leipzig“ im Ge-
schwaderverbande unter Dampf die Rhede von Valparaiso, um nach Montevideo
zu gehen. Während der Fahrt längs der chilenischen Küste herrschte steifer
Südwind, welcher eine bedeutende See verursachte, so dafs zeitweise die Fahrt
gemälsigt werden mulste, weil die Schiffe schwer arbeiteten.
Am 15. Dezember Nachmittags auf der Höhe von Corral angekommen,
wurde auf diesen Hafen abgehalten, um abzuwarten, ob der Wind möglicherweise
abflaue, und bei der Gelegenheit Kohlen von den Korvetten aufzufüllen. Um 7 Uhr
Abends wurde in der Valdivia-Bucht unter San Carlos Point geankert. Nach-
dem am 16. im Laufe des Vormittags 50 Tons Kohlen von den Korvetten über-
genommen, wurde um 1® p. m. die Reise fortgesetzt. Der bis zum 19. anhaltende
steife Südwind verzögerte die Reise sehr, so dafs erst an diesem Tage 8" p, m.
Kap Tres Montes passirt wurde. Während der Nacht wurde mit langsamer
Fahrt bei stillem Wetter auf den Messier-Kanal zugesteuert, um mit Tagesan-
bruch in denselben einzulaufen. Um 3* a. m. am 20, kam der Wager-Berg in
Sicht, und um 4" a. m. lief S. M. S. „Leipzig“ in den Messier-Kanal ein.
Für die Wahl der für die Nächte als Ankerplatz aufzusuchenden Häfen waren die
Geräumigkeit, die Wassertiefe und besonders der Ankergrund ausschlaggebend.
Da S. M. S. „Leipzig“ zu einem so günstigen Zeitpunkt in den Messier-