Mahlke: Bericht über die Bestimmung der Länge des einfachen Sekundenpendels, 127
in Kerguelen und .auf den Aucklands-Inseln und auf Süd-Georgien‘) beobachtet
wurde. Dieses Stativ war aufgestellt auf einem besonders für diesen Zweck gemauerten
Unterbau von ca 1m Breite und 3m Länge, der unmittelbar auf dem
Fundament des Gebäudes ruht. Dieser befindet sich in einem Raum”) im Souterrain
der Seewarte, der unterhalb des eigentlichen Kellers dieses Instituts liegt,
und der durch einen Gang mit dem zu magnetischen Beobachtungen hergestellten
unterirdischen Raum in Verbindung steht. Derselbe liegt so tief, dafs die Tagesschwankung
der Temperatur nicht zu demselben dringt und nur die Jahresschwankung
sich dort bemerkbar macht. Der Raum ist dieser nahezu konstanten
Temperatur und seiner vor Erschütterungen. gesicherten Lage wegen besonders
geeignet zu Pendelbeobachtungen. Die geographische Lage desselben ergab
sich zu
53° 32‘ 48,8“ N-Br
9° 58' 17,1” O-Lg v. Greenwich®)
und das Azimut der Schwingungsebene des Pendels zu
N 42° 28‘ W — S 42° 28’ 0.
Um einen Fehler zu vermeiden, der die bei Pendelbeobachtungen erhaltenen
Resultate vielfach beeinträchtigt, nämlich das Mitschwingen des Stativkopfes,
war folgende Vorrichtung angebracht: Das Stativ kann vermittelst eines
dreiarmigen Hebels, der über die Querstangen greift, welche die Beine des
Stative unten verbinden und der in ein im Unterbau befindliches Muttergewinde
eingeschraubt werden kann, fest mit diesem verbunden werden, und gleichzeitig
kann der Kopf des Stativs durch eine Eisenplatte an ein Wandkonsol befestigt
werden, so dafs Eigenbewegungen völlig ausgeschlossen erscheinen. In dieser
Weise war das Stativ während der ganzen Zeit, in der die Beobachtungen
stattfanden, fortdauernd befestigt. .
Die Pendelbeobachtungen wurden nach der Methode der Koinzidenzen
ausgeführt. Hierzu diente eine Pendeluhr, die auf demselben Unterbau mit dem
Stativ des Pendels stand. Die Zeit der Koinzidenzen des Pendels dieser Uhr
mit dem Reversionspendel wurde mittelst eines Schlüssels auf dem Papierstreifen
eines Chronographen markirt, auf dem gleichzeitig die Normaluhr der Seewarte,
Knoblich 2090, ihre Sekunden fortlaufend angab, so dafs man von demselben die
Zeiten der Koinzidenzen, ausgedrückt in der Zeit der Normaluhr, unmittelbar
ablesen konnte. Um hieraus die Schwingungsdauer des Pendels ermitteln zu
können, wurde noch vor Beginn und zu Ende jeder Reihe die Pendeluhr durch
den Chronographen mit der Normaluhr verglichen, wodurch sich die, Zahl der
vom Uhrpendel während der Beobachtungszeit ausgeführten Schwingungen ergab.
Die Normaluhr der Seewarte wird auf chronographischem Wege fortdauernd mit
der auf der Hamburger Sternwarte befindlichen Uhr, Tiede No. 375, verglichen,
die ihrerseits wieder durch die Beobachtungen der Sternwarte unter steter Kontrole
gehalten wird, so dafs es auf diese Weise möglich war, die Schwingungsdauer
des Pendels in absoluter Zeit auszudrücken.
Bei allen Beobachtungsreihen wurde als erste Koinzidenz diejenige gewählt,
welche die erste war, nachdem der auf der hinter dem Pendel befindlichen
Skala abgelesene Schwingungsbogen der Pendelspitze auf 40 mm herabgesunken
war, und als letzte die, bei welcher diese Gröfse 20mm betrug, und so die
Grenzwerthe für die ganze Schwingungsweite sich auf 3° und 1'/° beliefen. Da
der letztere Grenzwerth nun. bedeutend eher eintritt, wenn das leichte Gewicht
des Pendels sich unten befindet als bei entgegengesetzter Lage desselben, so
wurde immer eine Reihe mit „leichtem Gewicht oben“ und zwei mit „leichtem
Gewicht unten“ unmittelbar hinter einander ausgeführt, um die Schwingungsdauer
des Pendels in letzterer Lage mit der gleichen Genauigkeit zu erhalten. In
solcher Weise wurden bei sämmtlichen Beobachtungsreihen nach Möglichkeit diese
Grenzen für die Schwingungsweite innegehalten. Diese letzteren wurden auch
während der Beobachtungen der Koinzidenzen nicht aufser Acht gelassen, sondern
1) Siehe G. Neumayer: Die deutschen Expeditionen und ihre Ergebnisse, I, Anhang,
?) Vgl. Beschreibung des Beobachtungsraumes: Archiv der Deutschen Seewarte, Jahrg, 1884,
Seite 20.
8) Abgeleitet aus den Seitens der hamburgischen Triangulation bestimmten Koordinaten des
Michaelisthurmes zu Hamburg,