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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1892,
Für die Kontrole: und um zuverläfslichere Mittelwerthe zu bekommen, mufßs man
womöglich mehr als zwei Stationen in verschiedenen Höhen haben. Eine gute
Station auf der Thurmgalerie und eine an Bord des Expeditionsschiffes wird man
wohl immer haben können. Aus meinen eigenen Berechnungen geht hervor,
jafs die Beobachtungen auf der Galerie mit denen auf der meteorologischen
Station allein die erforderliche Genauigkeit nicht geben könnten. Um so werth-
voller sind die Beobachtungen an Bord gewesen, und nur durch die Kombination
von allen habe ich gewagt, bestimmte Zahlenwerthe abzuleiten. Es handelt sich
um Unterschiede von Zehnteln der die Temperaturgrade, den Dampfdruck, die
Windgeschwindigkeit ausdrückenden Zahlen, und zwar für einen Zwischenraum
von 100 m, eine Höhe, die kaum von irgend ‚einem Leuchtthurm und von keiner
Takelage erreicht wird.
Bestimmung der Richtung des Windes an der Station und auf dem Meere.
Bestimmung der Höhe der Schallquelle über dem Meere.
Bestimmung der Hörweite der Signale in verschiedenen Azimuten, beson-
ders so nahe als möglich in Lee, dwars und zu Luvart vom Signalgeber, und in
verschiedener Höhe über dem Meere. Versuche mit Signalapparaten in ver-
schiedenen geringeren Höhen aufgestellt.
Versuche im Nebel selbst, Hier wird die Bestimmung des Schiffsorts
schwieriger werden, besonders wenn eine merkliche Strömung herrscht.
Es wäre interessant und wichtig, Untersuchungen über die absolute Ge-
schwindigkeit des Schalles im Nebel anzustellen. Die Nebelbläschen mögen die
Energie der Schallschwingungen beeinträchtigen oder auch einen Einfluß auf die
bei den Schwingungen so bedeutungsvolle Wärmeentwickelung haben. Auch auf
eine physiologische Wirkung des Nebels auf die Hörempfindung mufs man achten.
Bei der Anlage eines Nebelsignalapparates ist es empfehlenswerth, den
tönenden Körper so hoch wie möglich anzubringen. .
Mögen diese vorläufigen Bemerkungen Anlafs zu fortgesetzten Unter-
suchungen über eine Frage geben, welche für den Seefahrer von so grofser
Wichtigkeit ist, damit mit vollkommeneren Apparaten und durch allseitigere Be-
leuchtung die Beantwortung derselben gefördert werde. Ich hoffe selbst, Ge-
jegenheit zu erhalten, in solchen zukünftigen Versuchen als Mitarbeiter mitzuwirken.
Bericht über die in den Räumen und mit den Apparaten der
Seewarte ausgeführte Bestimmung der Länge des einfachen
Sekunden-Pendels und der Schwerkraftskonstanten
in Hamburg.
Von Herrn Alfons Mahlke,
In den Monaten Februar und März des Jahres 1891 wurden unter An-
leitung des Direktors der Deutschen Seewarte, Herrn Dr. G, Neumayer, mit
dem Pendelapparate dieses Instituts von mir Beobachtungen zur absoluten Be-
stimmung der Intensität der Schwere angestellt, Das hierzu benutzte Pendel,
ein Reversionspendel nach Bessel’scher Konstruktion, wurde im Jahre 1883
für die Deutsche Seewarte nach den Angaben des Direktors derselben von dem
Mechaniker G. Hechelmann in Hamburg angefertigt. Eine Beschreibung nebst
Abbildung der Aufstellung desselben befindet sich im Archiv der Deutschen See-
warte, Jahrgang 1884, Nr. 2, Seite 32; das Instrument selbst wurde in der
physikalischen Sektion der Naturforscher-Versammlung in Berlin im Jahre 1886
in allgemeinen Zügen beschrieben.) Als Stativ diente für dasselbe ein in
gleicher Weise konstruirtes, wie jenes, mit welchem auf der „Gazelle“-Expedition ®)
;) Siehe Bericht über diese Versammlung, Seite 188.
7) Forschungsreise S. M. S. „Gazelle“, II, Seite 297 f,