124 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1892.
hältnissen bei der Fortpflanzung des Schalles Veranlassung geben können. Ist
der obere Wind von derselben Richtung, aber schwächer als der untere, wird
4w negativ, und k behält in Lee seinen gröfßsten Werth, das ist, die Hörweite
wird am kleinsten in Lee, am gröfsten zu Luvart. Ist der obere Wind dem
unteren entgegengesetzt in Richtung, wird dieser Gegensatz sich noch stärker
geltend machen, und man wird auch dann erfahren können, dafs man den Schall
am besten zu Luvart hört, wenn er dem an der Erde wehenden Wind ent-
yegenkommt.
So lange die atmosphärischen Verhältnisse unverändert bleiben, bleibt die
Hörweite unverändert in demselben Azimut. Aber eine solche Bedingung ist
nicht übereinstimmend mit der Natur der meteorologischen Verhältnisse, viel-
mehr ist diese charakterisirt durch ihre sowohl periodischen als unperiodischen
Aenderungen, welche sehr leicht die kleinen Aenderungen in der Vertheilung
der Elemente mit der Höhe bewirken, die hinlänglich sind, um die Hörweite be-
deutende Schwankungen erleiden zu lassen. Es kann also infolge der Weise,
nach welcher wir hier die Schallerscheinungen zu betrachten veranlafst wurden,
ans nicht Wunder nehmen, wenn die Hörweite in einem und demselben Azimut,
am selben Tage, ja in derselben Stunde, sehr verschieden gefunden wird, und es
bleibt auch nicht unerklärlich, dafs man, wie es der Fall in der That gewesen
ist, mit einem Dampfer gegen die Schallquelle fahrend, in einem Augenblick den
Schall hört, um später in einem kürzeren Abstand den Schall zu verlieren und
in einem noch kürzeren das Signal wieder zu hören. Unter solchen Umständen
hätte man eine grofse Anzahl von Beobachtern resp. Schiffen nöthig, um die
Schallgrenze zu jeder Zeit bestimmen zu können,
Bei unseren Beobachtungen auf Store Färder am 14. Oktober zeigte es
sich, dafs der Schall von den Sirenen auf Lille Färder weit besser in der Höhe
als unten am Meere zu hören war. Dieselbe Beobachtung wurde bei den von
der Korvette „Nornen“ am 28. August 1890 bei Färder angestellten Schallver-
suchen gemacht. Im Mittel aus 17 Fällen, in welchen die Signale sowohl vom
Deck als von der Sahling gehört wurden, war die Schallstärke bezw. 1,8 und
2,4. Zweimal wurde der Schall von der Sahling gehört, aber nicht auf dem
Deck, Dasselbe war der Fall bei den zwei ersten Beobachtungen am 20. Mai 1889.
Diese Erscheinung spricht augenscheinlich für das Dasein eines Schallschattens
und scheint also in voller Uebereinstimmung mit unserer Theorie zu sein.
Uebrigens ist die Hörweite um so gröfser, je höher die Schallquelle steht.
Aber man gewinnt verhältnifsmäfsig wenig durch gröfsere Höhen, indem die
Hörweite am Meere der Quadratwurzel aus der Höhe proportional ist. Erst die
vierdoppelte Höhe giebt die doppelte Hörweite.
Der Gang der Lichtstrahlen durch die Atmosphäre bietet ein Analogon
zu dem der Schallstrahlen dar, aber mit dem Unterschied, dafs das Normale für
die Lichtstrahlen ist, dafs sie in den höheren Luftlagen sich schneller fortpflanzen
als in den unteren. Die Lichtstrahlen sind daher in der Regel konkav zur Erd-
oberfläche. Man kennt aber Umstände, unter welchen das Licht sich schneller
in den unteren als in den oberen Luftschichten fortpflanzt, und dann werden die
Lichtstrahlen konvex zur Erdoberfläche. Man nennt die Erscheinung Luft-
spiegelung, und sie ist aus den heißen Wüsten bekannt, wenn die untersten
Luftlagen durch die Wirkung der Sonne auf den Erdboden so stark erwärmt und
ausgedehnt werden, dafs ihr Brechungsexponent kleiner wird als derjenige der
darüber liegenden Lagen. Das Auge sieht den nächsten Theil der Erdoberfläche,
während die konvexen Strahlen, welche höher, frei in der Luft, gehen, oberhalb
des Strahles, welcher die Erde tangirend nach dem Auge kommt. nur den blauen
Himmel gleichsam gespiegelt zeigen.
Tyndall erklärt die kurzen Hörweiten durch die Zurückwerfung des
Schalles von Grenzflächen zwischen nicht homogenen vertikalen Schichten in der
Atmosphäre. Solche fanden sich nach seiner Meinung während seiner Versuche
an Tagen, an denen die Luft optisch ganz durchsichtig war, aber durchsetzt von
vertikalen Streifen mit verschiedener Temperatur und Feuchtigkeit. Es war an
ruhigen, sonnigen, sehr warmen Tagen, an welchen die Wirkung der Sonnen-
strahlen stark, aber ungleichmäßig war, je nach der verschiedenen Beschaffenheit
der getroffenen Theile der Meeresoberfläche oder der von den Sonnenstrahlen
durehstrahlten Theile der Luft. Da Tyndall vom Strande aus das Echo der