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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1892. 
Das Einlaufen in die Concepcion-Bai gegen südlichen Wind ist mit grofsen 
Schwierigkeiten, wie es einem Neuling auf den ersten Blick erscheinen möchte, 
nicht verknüpft. Vor allen Dingen ist es dabei aber erforderlich, dafs man 
genau über die Deviation seines Kompasses unterrichtet ist, um sichere Peilungen 
machen, sich ruhig der Küste nähern zu können, und nicht nöthig hat, allzukurze 
Gänge zu machen. Eine der gefährlichsten Stellen ist die Rundle-Bank an der 
Ostseite der Bai, bei der Spitze Parra, auf der ein Stein liegt, welcher bis zu 
einer Höhe von nur 3,7 m — 12 Fuß -— unter der Meeresoberfläche hinauf- 
reicht,'!) und in den Karten nicht angegeben ist. Ferner hat man bei der 
Annäherung an die Bank am Südende der Bai mit Vorsicht zu verfahren, weil 
dieselbe sich weiter in die Bai hinein erstreckt, als es nach der Karte den 
Anschein hat. Die Ursache hiervon ist ein stetiges Anwachsen derselben, hervor- 
gerufen durch den Flugsand, der fortwährend durch südlichen Wind vom Lande 
her in die Bai geführt wird. Seezeichen sind nur sehr wenige ausgelegt, und die 
vorhandenen in so schlechter Farbe und von solcher Kleinheit — wie zum 
Beispiel die Boje auf der Untiefe Belem —, dafs sie selbst am Tage kaum zu 
erkennen sind. 
Am 12. Dezember Morgens 5 Uhr verliefsen wir Talcahuano, um in 
Ballast nach Iquique zu versegeln. In den ersten fünf Tagen dieser Reise 
wurden wir von einem frischen Süd- bis SSW-Winde, Stärke 5 bis 6, nach der 
Breite von Antofagasto gebracht. Von nun an aber nahm die Windstärke 
derartig ab, dafs Iquique erst am zehnten Tage nach unserem Reiseantritt, also 
am 22. Dezember, erreicht werden konnte. Wir segelten der Küste in einem 
mittleren Abstande von 80 Sm entlang und näherten uns derselben bis auf 
Sichtweite erst wieder etwas nördlich von dem Berge Morena. 
II. Anwendung von Oel zur Beruhigung der See. 
Am 11. Februar 1890 befanden wir uns auf unserer Reise von Iquique 
nach Hamburg westlich von Kap Horn, als um 12 Uhr Mittags auf 57° 11‘ S-Br 
and 68° 15‘ W-Lg der bis dahin mäßige NNW-Wind auf Nord holte und auf- 
frischte, wobei die Luft ein graues, finsteres Aussehen annahm. Es begann zu 
regnen, und die westsüdwestliche Dünung wurde höher und höher, womit alle 
Anzeichen eines kommenden West- bis SW-Sturmes gegeben waren. Während 
des Nachmittags regnete es heftig bei steifem Nordwinde, worauf dieser um 5 Uhr 
noch an Stärke zunahm und auf WzS sprang, um aber bald wieder auf WzN 
zurückzuholen. Um 9 Uhr Abends wehte ein voller Sturm mit Windstölsen von 
der Stärke 11, bei welchem wir mit beiden Untermarssegeln und der vollen 
Fock lenzten. Eine ungeheuer hohe, aber regelmäfsige See begann zu laufen. 
Um 11 Uhr blinkten einige Sterne durch, das Barometer begann langsam zu 
steigen, und der Wind holte zu gleicher Zeit auf WSW. Von 1 Uhr Morgens 
den 12. Februar an liefs die Heftigkeit des Sturmes nach, und er wehte bis 
8 Uhr Morgens nur noch als ein stürmischer Wind. 
Zur Beruhigung der Wellen wurde von uns Oel angewandt, welches einen 
derartig ausgezeichneten Dienst leistete, dafs das Schiff trotz des hohen See- 
yanges nur sehr wenig Wasser an Deck nahm. Man hört noch manchmal abfällige 
Urtheile über das Oelen der See. Nach meiner Meinung ist die günstige Wirkung 
äber jeden Zweifel erhaben; die Frage ist nur, wie man dasselbe der Meeres- 
oberfläche am zweckmälsigsten zuführt, denn von der Art und Weise, wie dieses 
geschieht, hängt der ganze Erfolg für das Schiff ab. Dort, wo das Oel die 
Meeresoberfläche bedeckt, glätten sich die Seen. Ich habe die sogenannten 
Patent-Oelbeutel und andere Vorrichtungen in Anwendung gebracht, aber nichts 
fiel zu meiner Zufriedenheit aus, bis ich auf den Gedanken kam, die vorderen 
Klosets dazu zu benutzen. Zu diesem Zweck wurden die Klosetröhren mit Werg 
verstopft und die Trichter mit Oel gefüllt, welches dann langsam durch das Werg 
hindurch sickerte und so auf die Meeresoberfläche gelangte. Die Wirkung, die 
dadurch hervorgerufen wurde, war wunderbar. 
1) In „The West Coast of South America‘, Washington 1890, Seite 180, ist die geringste 
Wassertiefe auf dieser Bank zu 11/2 Faden angegeben.
	        
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