Green: Callao, Corinto, La Union.
kosteten das Stück 50 Cents; der Preis der Eier schwankte je nach dem vor-
handenen Vorrath. Fische habe ich im frischen Zustande auf dem Markte nicht
vorgefunden, wenngleich der Reichthum an solchen in der Bai ein grofser ist.
Austern von vorzüglicher Güte, ganz besonders in der trockenen Jahreszeit, sind
in Mengen vorhanden; ein ziemlich grofser Korb voll kostete 12'/z Cents. Ge-
müse ist fast gar nicht vorhanden; ich habe nur ein einziges Mal Yams in einer
größeren Menge auftreiben können, und zwar zum Preise von 3 Dollar für 50 kg.
Sülse Kartoffeln werden ebenfalls nur in geringen Mengen gebaut und kosten
ebensoviel als die eingeführten echten Kartoffeln, von denen während meiner
Anwesenheit eine Sendung mit einem Dampfer von San Francisco‘ anlangte,
welche zum Preise von 6 Dollar für 50 kg willige Käufer fand. Der Dampfer
brachte gleichfalls einige für den Verkauf bestimmte Säcke Zwiebeln mit. Kür-
bisse sind schlecht und theuer. Der Preis der Früchte ist ein wechselnder und
richtet sich nach dem jedesmaligen Vorrath.
Das Wetter war bis Mitte März ganz trocken; am Morgen des 13. dieses
Monats hatten wir ein ziemlich schweres Gewitter mit etwas Regen, welches von
SW heraufgezogen kam und als ein ganz besonderes Ereignifß für diese Jahres-
zeit betrachtet wurde. Späterhin wurden Gewitterluft und Wetterleuchten im
ersten Theile der Nacht zwischen NE und Nord beobachtet. In der letzten Zeit
unseres Aufenthaltes in La Union hatten wir öfters des Nachts Gewitter mit
Regenböen, besonders seit Ende April, doch waren dieselben stets von nur kurzer
Dauer. Sie kamen alle aus einer Richtung zwischen Ost und Nord. Des Morgens
war es gewöhnlich wieder still, gegen Mittag kam die Seebriese durch, die an-
fangs mäfsig aus ESE, später am Tage, besonders kurz vor Sonnenuntergang,
manchmal heftig aus SW wehte. Der Barometerstand hielt sich bis Ende März
zwischen 755 und 758 mm (unred.). Die Hitze war sehr grofs, sie erreichte um
die Mitte des Tages am Lande im Schatten 31° C. Am Bord war die Tempe-
ratur eine bedeutend mildere; die Nächte waren ganz angenehm und die Morgen-
stunden selbst kühl. Gegen das Ende unserer Anwesenbeit war die Luft sehr
schwül und beklommen und der Himmel fast immer mit einem Cirrusschleier
überzogen.
Wenngleich das Klima von La Union ‚seitens der Eingeborenen als das
gesundeste an der ganzen centralamerikanischen Küste gepriesen wird und weder
in der trocknen noch in der feuchten Jahreszeit epidemische Krankheiten vor-
kommen sollen, so mufste ich doch vier erkrankte Leute ins Hospital schicken,
von denen drei vor dem Abgange des Schiffes wieder hergestellt waren, während
der. vierte im Hospital zurückbleibhen mufste. Letzteres ist nur schlecht, und
auch die Aerzte sollen nicht besonders geschickt sein. Unter den vier krank
gewordenen Leuten befand sich auch der Koch, die übrigen drei waren im Raum
beim Stauen beschäftigt gewesen, während von den an Deck arbeitenden Leuten,
trotzdem sie beim Laden ohne Schutz von Sonnensegeln in der brennenden Sonne ar-
beiten mufsten, kein einziger von Unwohlsein befallen wurde. Da wegen des geringen
Schiffsverkehrs von La Union keine beschäftigungslosen Seeleute anwesend waren,
so ließ sich die entstandene Lücke in unserer Besatzung nicht wieder ausfüllen.
Sehr beschwerlich für die Leute war die Beschaffung der Wasservorraths, da
die meisten Brunnen, weil der Regen noch nicht eingesetzt hatte, nahezu
trocken waren.
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) Vgl. „Aus dem Reisebericht des Kapitän J. G. Nichelson, Führer der deutschen Bark
„Theodore“