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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1892.
gemacht ist, als in der scharfen Biegung des schmalen Kanals; Begegnet einem
an dieser Stelle ein Fahrzeug, so kommt man in die schwierigste Lage. Es ist
jedenfalls räthlich, wenn irgend möglich, ein Boot vorauszuschicken, das durch
Signal die Passage frei meldet. Während der Sommermonate, zu welcher Zeit
sich grofse Fischerflotten im Chang-Tau-Hafen versammeln sollen, dürfte diese
Vorsichtsmafsregel unter keinen Umständen zu verabsäumen sein.
Auf Lootsenhülfe ist nicht zu rechnen. Auf das längere Zeit wehende
Lootsensignal von S. M. Knbt. „Iltis“ kam kein Boot heraus, und hätte sich
wirklich einer der Ortskundigen als Lootse angeboten, so würde doch die Un-
möglichkeit der sprachlichen Verständigung seine Dienste ziemlich werthlos
gemacht haben.
2. Ankerverhältnisse. Dieselben sind vorzügliche. Bei Niedrigwasser
wurde auf dem Ankerplatz:
Jofs-Haus Chang-Tau Major: 0S0'/.0
West Point - - SWzW'/W
10m gelothet. Grund war: zäher grauer Schlick.
Ein Aufkommen von Seegang ist in dem ringsum eingeschlossenen Kanal
nicht möglich. Der aus NNW mit Stärke 5 bis 6 wehende Wind kam öfters
von den Bergen von Chang-Tau Minor in Böen Stärke 6 herab.
3. Stromverhältnisse. Die Ebbe setzt von N—SW durch den Kanal
und es wurde eine Geschwindigkeit von 2,7 Sm geloggt.
Der Fluthstrom war wenig bemerkbar, Das Schiff lag während der
Zeit fast auf dem Winde. Ebenso war das Steigen des Wassers gering, vielleicht
infolge des starken NNW-Windes. Es hatte den Anschein, als ob das Wasser
bei Fluth durch beide Eingänge in den Kanal ströme. Näheres wurde nicht
festgestellt.
4. Landungsverhältnisse. Es sind lange Steindämme in den Kanal
hinausgebaut, die aber kaum das Anlegen von leichten Booten, wie Jollen und
Gigs, gestatten. Das zwischen den Felsvorsprüngen angeschwemmte Land läuft
sehr flach in Schlickufer aus.
5. SW-Einfahrt. Dieselbe wurde vorher rekognoscirt, da in der Karte
keine Wassertiefe zwischen der Südspitze von Chang-Tau Minor und dem südlich
davon ca 2 Kabilg. entfernten Felsen angegeben war. Es wurden hier 11 bis
15 m gelothet.
Bei der Durchfahrt wurde auf ca 200m an der Südküste von Chang-Tau
Minor entlang gesteuert, bis der oben genannte Felsen reichlich passirt war,
Im Uebrigen bot die Aussegelung keine Schwierigkeiten und liefs erkennen,
dafs der Hafen von dieser Seite bei weitem leichter zugänglich ist als von
Norden. Andererseits ist der Weg von der grofsen Dampferstrafse bis zur Nord-
einfahrt ein ganz klarer, während er nach der Südwesteinfahrt hin eine sehr
behutsame Navigirung erfordert.
Allgemeines. Die Chang-Tau-Inseln sind von grofser landschaftlicher
Schönheit. Hohe Berge, zum Theil mit offenbar gepflanzten Kiefergehölzen
bestanden, umschliefßen den Hafen. Fruchtbare Felder bedecken die Hänge und
das angeschwemmte Land zwischen den Felsvorsprüngen und legen wie die gut
gebauten Häuser der zahlreichen Bevölkerung Zeugnifs ab von einem gewissen
Wohlstand. Vom Fischereibetrieb war in der in Rede stehenden Jahreszeit
(Dezember) wenig oder nichts zu merken.