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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Zwei merkwürdige Nachtgewitter im Sommer 1890. 
Sonnenstrahlung einerseits und die Aufspeicherung der Sonnenwärme vom Sommer 
her andererseits dürften bei diesen Kigenthümlichkeiten des Novembers eine 
wesentliche Rolle spielen, allein in welcher Weise, darauf kann wohl erst eine 
viel eingehendere Diskussion aller einschläglichen Verhältnisse eine sichere 
Antwort geben. 
Zwei merkwürdige Nachtgewitter im Sommer 1890. 
Von W, Köppen. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) 
Hierzu Tafel 2. 
Gute photographische Aufnahmen des Blitzes gehören noch immer zu den 
Seltenheiten und bis jetzt haben nur wenige Zeitschriften ihren Lesern solche 
darbieten können. Der Anblick einer solchen Photographie lehrt einen aber 
sofort eine Reihe von Zügen kennen, welche die wenigsten Menschen aus der 
direkten Beobachtung dieses grofsartigen Phänomens erkannt haben, weil die 
Kürze und blendende Wirkung des Eindrucks seine richtige Auffassung sehr 
schwierig macht. Beweis dafür ist die traditionelle Darstellung des Blitzes als 
Zickzack in langen geraden Linien auf Bildern. Da durch eine Reihe von 
günstigen Zufällen von: zwei sehr merkwürdigen, an zerstörenden Blitzschlägen 
reichen Gewittern dieses Sommers nicht allein schöne Blitzphotographien, sondern 
auch eine Reihe sonstiger interessanter Daten in meine Hände gelangt sind, so 
halte ich eine Mittheilung derselben für meine Pflicht. Ich werde dabei das 
Gewitter vom 15. Juli eingehender, jenes vom 18. bis 19. August hingegen 
yanz kurz besprechen. Von einer Aufzählung und Besprechung der zahlreichen 
Blitzschläge bei diesen Gewittern nehme ich Abstand, weil eine eingehendere 
Bearbeitung derselben von Herrn W. Krebs in Altona bereits in Angriff ge- 
nommen ist. Erwähnt möge nur sein, daß bedeutende Blitzschäden bei beiden 
Gewittern mindestens von der unteren Weser bis zur Ostsee (Ostholstein, west- 
liches Mecklenburg) vorgekommen sind und mehrere Menschenleben sowie, durch 
die entstandenen Brände, viel lebenden und todten Besitz vernichtet haben. 
Unter den Wolkenformen, welche der bekannte englische Meteorologe 
Cl. Ley beschreibt, befindet sich eine, die er als seinen speciellen Liebling 
bezeichnet und welche doch von keinem Anderen beachtet zu sein scheint; 
wenigstens scheinen sich keinerlei Aeufserungen über entsprechende Beobachtungen 
in der Litteratur vorzufinden. Und doch sagt Cl. Ley von dieser Wolkenform 
(„Modern Meteorology“, p. 131): „Von allen Wolken, welche je den Himmel 
Englands schmücken, giebt es wenige, welche ich für eleganter, und keine, 
welche ich für so kennzeichnend für einen speciellen, wenn auch ziemlich un- 
gewöhnlichen Witterungstypus halte.‘ In der Zeichnung, welche er an derselben 
Stelle giebt, stellt er sie als kleine gethürmte Haufenwölkchen dar, welche auf 
parallelen dünnen Wolkenstreifen aufgereiht sind — ähnlich unserer untenstehen- 
den Zeichnung. In der Beschreibung sagt er, sie seien „sehr hohe Schichtwolken, 
auf deren oberer Fläche zahlreiche Thürmchen oder Protuberanzen aufsitzen. Sie 
würden von Vielen als Cirro-cumuli bezeichnet werden. . .. Nach Beobachtungen 
am Schatten dieser Wolken habe ich deren Höhe selten unter 4200 m gefunden. 
‚ « + Ihre Bewegungsrichtung steht in der Mitte zwischen dem Cirruszuge und 
dem Unterwind, jedoch dem ersteren weit näher. ... Sie kommen auf den briti- 
schen Inseln fast ausschliefslich im Sommer vor und auch dann selten, ohne dafs 
die Lufttemperatur über dem Mittel läge. Sie sind etwas häufiger in den Binnen- 
land-Distrikten, ... und besonders selten an der Westküste von Irland. Ge- 
wöhnlich treten sie am W- und SW-Rande einer Anticyklone auf, wenn zugleich 
eine oder mehrere flache Depressionen weiter südlich, über dem Kanal, Frank- 
reich oder dem Golf von Biscaya liegen. Sie scheinen mit ausgedehnten elektri- 
schen Störungen in den oberen Regionen der Atmosphäre in Verbindung zu
	        
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