accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Mittlere Luftdruck -Vertheilung zwischen Kanal und Kapverden im November. 83 
Bei Betrachtung der Karte fällt außer den beiden grofsen Druckmaxima 
des Winters: dem asiatischeh resp. südrussischen und dem atlantischen, noch ein 
drittes und viertes dazwischen, über Spanien und NW-Afrika, in die Augen, und 
ebenso außer den bekannten Gebieten niederen Druckes: jenes im Norden des 
Oceans und jenes bei Korsika, noch ein drittes in der Mitte zwischen Brest und 
den Azoren.“ Mit den Eingangs erwähnten Phänomenen bei Madeira hat an- 
scheinend diese neue Depression nichts zu thun. Würden die stärksten Gradienten 
in der Nähe der Maxima vorkommen, so könnte man sich die Entstehung eines 
niedrigen mittleren Druckes in dieser Gegend aus der abwechselnden Lage eines 
Minimums und eines Maximums West von Irland einerseits, bei Madeira anderer- 
seits denken, allein bekanntlich finden sich die stärkeren Gradienten näher von 
den Orten niedrigsten, als von den Orten höchsten Druckes; daher müssen die 
Depressionen bei der Mittelbildung ihren Ort zu behalten streben, Es scheint 
also, dafs für die Lage des niedrigsten Druckes bei 44° N, 15° W ein besonders 
häufiges Auftreten von Depressionen in gröfserer Nähe vom westlichen Eingange 
des Kanals gerade im November mafsgebend ist. Intensive Beispiele von solchen 
finden wir in den Karten der Vierteljahrs-Wetter-Rundschau mehrfach, z. B. am 
23.—24. Januar 1886; auf der Karte vom 9.—18. November 1885 finden wir 
sogar beide Phänomene vereinigt, zuerst am 9.—15, eine der Depressionen bei 
Madeira, dann am 14.—18, eine solche zwischen Azoren und Kanal, von NW 
auf Portugal zuschreitend. In der That nehmen auch die weiter nach Süden 
gelangenden Depressionen häufig ihren Ursprung im NW, und geht auch ihre 
Bahn dann durch das auf Tafel 3 sich zeigende Gebiet niedrigen Mitteldruckes, 
sei es nun, dafs sie aus einer „Theilung von Westen gekommener Depressionen 
auf der Mitte des Oceans in einen nordwestlichen und einen südöstlichen Wirbel“ 
entstehen (vgl. Köppen im „Archiv der Deutschen Seewarte“, III, 1880, No. 3, 
Seite 28), sei es, dafs ihre Vorgeschichte eine andere war, 
Ob nun das Centrum der Depression bei Madeira oder ob es so viel 
nördlicher liegt, wie es Tafel 3 zeigt, — und es kommen erfahrungsgemäfs alle 
Uebergänge dazwischen vor — auf alle Fälle finden wir in den letzten Monaten 
des Jahres die starke Tendenz zu einer Aufhebung der zu den übrigen Jahres- 
zeiten herrschenden westlichen Winde vor dem Kanal und zum Ersatz derselben 
durch östliche auf einer mehr oder weniger langen Strecke des grofsen Seewegs 
nach der Linie, sowie zu einer Hinabdrängung des Passats östlich von 25° W-Lg 
bis in sehr niedrige Breiten. Zwei Zahlenreihen aus dem Segelhandbuch der 
Seewarte, Seite 390 und 391, mögen diesen Einflußs der von uns betrachteten 
Erscheinung auf die mittleren Windverhältnisse bekräftigen. Die jährliche Periode 
der E- bis ESE-Winde auf dem Routen-Abschnitt 50°—45° N und jene der 
S bis SSW auf dem Abschnitt der Ausreise zwischen 35° und 30° stellt sich 
wie folgt (%o aller Winde): 
Winde Breite Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt.. Nov. Dez. 
E—SSE 50°—45° 16 23 20 27 22 12 9 21 18 15 25 20 
Su WSW 38359°—.30° 23 28 8 38 8 8 2 7 133 15 23 20 
In beiden Reihen fällt eines der beiden Maxima auf November. Umgekehrt 
nimmt die Zahl der Winde aus N bis ENE in 35°—30° von 80 °/o im Juli auf 
30 % im November ab; nur der Februar hat eine noch geringere Zahl. 
Auch in Europa, bis weit nach Osten hin, nimmt der November in seinen 
Wind- und Regenverhältnissen vielfach eine Ausnahmestellung ein. So tritt z. B. 
in der Krim zwischen die anhaltenden trockenen Ostwinde des Oktobers und 
des Dezembers resp. Januars im November eine Periode, wo südliche Winde und 
Niederschläge merklich häufiger sind (vgl. Köppen in Repertorium f. Meteorol., 
Bd. I, Regen- und Windverhältnisse Tauriens, Seite 12). Auch in vielen anderen 
Theilen unseres Kontinents ist der November durch starke Bewölkung und Nieder- 
schläge vor seinen Nachbarn oder, gemeinsam mit dem Dezember, vor dem Januar 
ausgezeichnet. In einem grofsen Theile von Europa liefert der November auch 
ein, wenigstens sekundäres, Minimum des Luftdrucks, In seiner Untersuchung 
über die Bewölkungsverhältnisse der Erde hat Teisserenc de Bort den November 
als den, die ganze Nordhalbkugel zusammengenommen, trübsten Monat befunden 
and die wahrscheinlichen Ursachen ‚dieses Verhaltens diskutirt. Die Kürze der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.