32 Mittlere Luftdruck -Vertheilung zwischen Kanal und Kapverden im November.
gänge sind zwar theilweise in den letzten Bänden der Eingangs genannten
Publikation der Seewarte ebenfalls verwendet worden, jedoch in der Verbindung
mit vielen älteren. Aus diesen Karten haben wir ebenfalls die (fünfjährigen)
mittleren Werthe für die Mitte jedes Fünf-Grad-Feldes abgeleitet und sie mit
den drei anderen Bestimmungen zu Generalmitteln vereinigt, welche, nach An-
bringung der Schwerekorrektion, auf der diesem Aufsatz beigegebenen Isobaren-
karte (Tafel 3) angegeben sind.
Als fünfte Quelle wären noch die Luftdruck-Tabellen aufzuführen, welche
allmonatlich in den „Pilot-Charts of the North Atlantic Ocean‘“ erscheinen, die
das Washingtoner hydrographische Amt herausgiebt. Dieselben sind aus neun
Jahrgängen der früher vom „U. S. Signal Service“ herausgegebenen internationalen
Simultan-Beobachtungen vom Ocean abgeleitet. Da ein Theil der Jahrgänge in
unserer vierten Quelle schon verwendet war, so haben wir diese Werthe zwar
ebenfalls kartographisch niedergelegt, jedoch nicht bei der Mittelberechnung
benutzt. Wie die merkwürdigen Depressionen bei Madeira, so sind auch die
sogleich zu besprechenden Unregelmäfsigkeiten in der Druckvertheilung nördlich
davon in diesen neueren Jahrgängen wenig zu bemerken gewesen. Nach beiden
Quellen (4 und 5) ergiebt sich für die Azoren ein Barometerstand von 765 mm,
für 45° N, 15° W ein solcher von 762'/z mm, also erheblich höhere Werthe, als
nach den anderen, vieljährigen Quellen.
Betrachten wir die oben gegebenen Zahlentabellen oder deren karto-
graphische Darstellungen, so wird es zunächst sehr wahrscheinlich, dafs ein Theil
der Unregelmäfsigkeiten von Zufälligkeiten herrührt, d. h. bei einer gröfseren
and besser vertheilten Anzahl von Beobachtungen verschwinden würde. So finden
wir zwischen den beiden grofsen Schiffswegen (der Aus- und Heimreise) bei den
Azoren den mittleren Barometerstand nach der englischen Tabelle erheblich
niedriger, nach der deutschen etwas höher, als auf diesen Seewegen selbst. Es
scheint hiernach, dafs die Beobachtungszahl auf der, natürlich weit seltener
besuchten, Strecke zwischen denselben nicht ausreicht, um das Mittel auf 1 mm
genau festzustellen. Die Schiffe kommen nur bei gewissen Wetterlagen auf diese
Strecke; dennoch sind wir des Spekulirens darüber, ob dabei nicht nothwendig
ein niedrigerer Mitteldruck gefunden wird, überhoben durch die ""’hatsache, dals
nach dem deutschen Material der Druck daselbst größer sich ergiebt, als auf
den Seewegen.
Dagegen stellen sich auch beim Vergleich der Zahlen der am besten be-
setzten Felder unter einander Abweichungen von der allgemeinen Druckabnahme
von den „Rofsbreiten‘“ nach der isländischen Depression heraus, welche unver-
kennbar ein Ausdruck für wirklich normale Verhältnisse sind. Ein sekundäres
Centrum niedrigeren Druckes zeigt sich zwischen dem Kanal und den Kapverden,
welches nach dem deutschen Material etwa auf 44° N, 14° W fällt, nach dem
englischen etwa auf 48° N, 14° W und nach dem holländischen etwa auf 40° N,
L6° W, dessen mittlere Lage also ungefähr bei 44“ N, 15° W sich findet.
Aus den Werthen der vier ersten Quellen haben wir nun, wie gesagt,
Generalmittel gebildet und nach diesen normale Isobaren für einen Theil des
Nordatlantischen Oceans entworfen, welche wir, verknüpft mit den von Hann
in seinem Werke „Die Vertheilung des Luftdruckes über Mittel- und Südeuropa“
gegebenen auf Tafel 3 vorlegen. Sie beziehen sich, wie auch die eingeschriebenen
Mittelwerthe selbst, auf Barometerstände, die auf gleiche Schwere (jene des
45. Parallels) reducirt sind, während in den oben gegebenen Tabellen die Werthe
ohne diese Reduktion enthalten sind. Für die Iberische Halbinsel, die in Hann’s
Karten nur zum Theil enthalten ist, habe ich die in seinen Tabellen enthaltenen
in diesem Falle freilich wenig Uebereinstimmung zeigenden) Stationen best-
möglich verwendet. Von den Azoren differiren die beiden Stationen Angra del
Heroismo wit 762,1 und Punta Delgada mit 763,5 noch mehr, ihr Mittel, 762,8,
stimmt jedoch mit unserer Karte. Für die Britischen Inseln wurde Buchan’s
Arbeit im „Scottish Meteor. Journal“, Vol. VI, pag. 4 (1882), hinzugezogen.!)
1) Bei Entwerfung der Isobaren wurde auch thunlichst darauf Rücksicht genommen, dafs der
Schwerpunkt der Beobachtungsmasse bei den ersten drei Quellen nicht immer auf die Mitte des
Fünfgradfeldes fällt. In dem Quadrat 149, wo diese Asymmetrie am gröfsten ist, gelten die in
anserer Karte eingeschriebenen Zahlenwerthe etwa für 43° N und für 461,2°—47° N.