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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Von Australien nach der Westküste von Nordamerika und zurück, 
Steigen, dafs die Südgrenze des Passatgürtels sich dem Schiffe nähert, und hat 
man daran auch einen Anhalt zur Wahl der zweckmäfsigsten Route. Die Orkane, 
welche man auf dieser Strecke anzutreffen Gefahr läuft, bewegen sich in 20° 
und höheren Breiten meistens schon in einer südlichen oder östlich von Süd 
liegenden Richtung. Mit dem Winde aus Südost befindet man sich deshalb 
schon auf der rechten Seite der Bahn und kann ohne Gefahr, ja selbst als 
sicherste Mafsregel, den. westlichen .Kurs weiter verfolgen. Bei Nordostwind 
dürfte es dagegen rathsamer sein, wenn die Anzeichen das Herannahen eines 
Orkans erkennen lassen, das Schiff auf Backbordhalsen heizulegen. Am schwierigsten 
ist die Lage bei der Windrichtung Ost; das Beste dürfte auch in diesem Falle 
sein, zu segeln, und zwar auf einem Kurse südlich von West, so dafs man den 
Wind einige Striche von Backbord einkommend hält. 
Es kommt mitunter‘ vor, dafs noch in der ersten Hälfte des Mai im 
Norden der Fix-Inseln an Stelle des Passats noch Mallung und westliche Winde 
herrschen, und kann es deshalb fraglich erscheinen, ob nicht auch die Schiffe, 
welche ihre Reise in der ersten Hälfte des April antreten, noch besser die südliche 
Route wählen. Es steht dem nur das Bedenken entgegen, dafs im Mai die Süd- 
grenze des Südostpassats oft schon sehr nördlich gelegen ist und dafs infolge- 
dessen die Schiffe auf der südlichen Route leicht aus dem Passat hinausgerathen 
und durch westliche Winde aufgehalten werden. Wir möchten anrathen, bei 
einem solchen Reiseantritt die Wahl der Route von dem früheren Verlauf der 
Reise und den südlich der Linie angetroffenen Verhältnissen abhängig zu machen. 
Wird die Linie noch vor dem 20. April erreicht, oder trifft man in südlicher 
Breite den Passat gestört, so schlage man die Route südlich der Tonga-Inseln 
ein; im anderen Falle setze man den Kurs nördlich von den /%%-Inseln. 
Die südliche Route, die soeben besprochen worden ist, hat immer den 
Nachtheil, dals sie auf einer sehr langen Strecke durch das Gebiet des in der 
fraglichen Jahreszeit sehr unzuverlässigen Südostpassats führt, während der frisch 
wehende Nordostpassat nur auf einer verhältnifsmäflsig kurzen Strecke benutzt 
wird. Wir wollen deshalb nicht unterlassen, noch auf eine andere Route auf- 
merksam zu machen, welche diese Uebelstände vermeidet und, wenn man die 
durchschnittlichen Windverhältnisse in Betracht zieht, in Bezug auf Reisedauer 
bessere Erfolge versprechen dürfte, als die südliche Route. Wir müssen indessen 
bemerken, dals thatsächliche Erfahrungen von derselben bis jetzt nicht vorliegen. 
Auf dieser Route, welche von Schiffen genommen werden sollte, welche 
ihre Reise von Mitte November bis Mitte Februar antreten, steuere man 
von der Nordgrenze des Nordostpassats nahezu geraden Weges zwischen den 
Marschall- und Gilbert-Inseln hindurch nach einem Schnittpunkt der Linie in 
ungefähr 169° O-Lg, dann südlich durch das Fahrwasser zwischen den Salomon- 
und Santa Cruz-Inseln nach dem Ende des D’Entrecasteaux-Riffes im Nordwesten 
von Neu-Caledonien und von hier nach dem Bestimmungsorte.!): Sie hat gegen 
die südliche Route den Vortheil, dafs der allergrößste Theil des Weges mit dem 
im nördlichen Winter bekanntlich sehr frisch wehenden Passat zurückgelegt 
wird, und auch für den Weg südlich der Linie dürfte die Gelegenheit in dem 
Meeresstriche, wo die Schiffe passiren, vielleicht noch günstiger sein, wie weiter 
ostwärts. Die Schiffe gelangen dorthin zur Zeit der gröfsten Entwickelung des 
Nordwestmonsuns, und wenn derselbe zwischen der Linie und 10° S-Br auch 
nicht regelmäfsig durchsteht, so herrschen hier doch vielfach nördliche Winde, 
mit denen die Reise ebenso gut zu befördern ist. KEin weiterer Vortheil der 
Route ist, dafs sie weniger von Orkanen heimgesucht wird.‘ Die zurückzulegende 
Distanz ist nicht größer wie auf der südlichen Route. 
Sollte man südlich der Linie den Wind so schral aus West oder Südwest 
antreffen, dafs man die Westseite der Santa Cruz-Gruppe nicht anholen kann, 
so darf man auch gern östlich von diesen Inseln passiren, und hätte dies viel- 
leicht noch den Vortheil, dafs man dann später mit dem Südostpassat, der in 
ungefähr 14° S-Br zu erwarten ist, die vorgezeichnete Route noch leichter ein- 
halten könnte. Im Hinblick auf letzteren Punkt empfiehlt es sich überhaupt, 
nachdem die Santa Cruz-Inseln passirt sind, nicht zu viel Ost zu vergeben. 
Meistens ist der Passat indessen raum genug für die vorgeschriebenen Kurse. 
1) Siehe die Karte, in welcher diese Route punktirt verzeichnet ist.
	        
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