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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

50 Von Australien nach der Westküste von Nordamerika und zurück, 
von einer ungenügend östlichen Stellung an der Passatgrenze leicht in das Gebiet 
des gestörten Passats gedrängt werden, so empfiehlt es sich, den Parallel von 
30° Süd nicht viel westlicher, als wie angegeben, in 123° W-Lg zu schneiden. Es 
ist dies nahezu die Länge von San Francisco. Abgesehen von den bereits an- 
gegebenen nachtheiligen Folgen eines westlicheren Eintritts in den Passat würde 
durch denselben der Weg in gleichem Mafse, wie hier verkürzt, auf der Strecke 
vom Nordostpassatgebiet zum Bestimmungsort verlängert werden, und jedenfalls ist 
die Gelegenheit, Ostlänge gut zu machen, im Süden reichlich so günstig wie im 
Norden. Nachdem man den Passat erfafst hat, suche man immer nur gute Fahrt 
nach Norden zu machen, unbekümmert darum, ob man dabei noch etwas Ostlänge 
anholen kann, oder auch etwas Länge zusetzen mul. Auf der letzten, nördlich 
vom Nordostpassatgebiet gelegenen Strecke kann man im Winterhalbjahre des 
Nordens eine mehr direkte Route verfolgen; indessen ist es bei einer Bestimmung 
nach San Francisco oder einem der südlicheren Häfen auch zu dieser Zeit wegen 
des Vorherrschens nördlicher Winde an der Küste rathsam, sich schon in ungefähr 
300 Sm Abstand vom Lande nahezu in die Breite des Bestimmungsplatzes zu 
bringen, Dies gilt insbesondere für Reisen nach San Diego oder San Pedro und 
wenn die Jahreszeit schon vorgeschritten ist, die Schiffe also erst im April, Mai 
oder selbst Juni an die Küste gelangen. In diesem Falle sollte man nicht unter- 
Jassen, aufserhalb des Passatgebietes, bevor der Kurs nach Osten geändert wird, 
zunächst hauptsächlich Breite anzusegeln. Die Umstände liegen hier ähnlich wie 
im Atlantischen Ocean auf dem Wege vom Aequator nach der Straße von 
Gibraltar oder Lissabon und erfordern ein ähnliches Verfahren. 
Es kann fraglich erscheinen, ob nicht auch schon bei einem Reiseantritt 
im Oktober die östliche Route gewählt werden sollte, da die Störungen des Süd- 
ostpassats, welche die Reisen auf der westlichen Route so sehr verlängern, auch 
schon im November auftreten. Indessen ist ihr Vorkommen in diesem Monate 
ein so seltenes, dafs es kaum berechtigt erscheint, deshalb den grofsen Umweg 
der östlichen Route zu machen. Wenigstens sollte bei einem Reiseantritt in der 
ersten Hälfte des Oktober immer die westliche Route gewählt werden, und auch in 
der zweiten Hälfte des Monats sollte man nur, wenn zu Anfang der Reise öst- 
liche Winde angetroffen werden, die auf dem Wege nördlich von Neu- Seeland 
langen Aufenthalt befürchten lassen, nach der Südseite der Inseln abhalten und 
die östliche Route nehmen. 
2. Von der Ostküste Australiens nach Honolulu. Nach Honolulu 
bestimmt, nehme man immer die westliche Route. Wird die Reise in den 
Monaten April bis Oktober angetreten, so folge man bis zur Südgrenze des 
Nordostpassats den für die Reise nach Californien gegebenen Anweisungen. Bei 
einem Reiseantritt von November bis März sollte man es auf dem Wege 
nach Osten möglichst zu vermeiden suchen, dafs man zu früh in den Passat ge- 
drängt wird, und, wenn angängig, 30° S-Br östlich von 155° W-Lg schneiden. 
Wird man durch anhaltende Ost- und Südostwinde zu einem westlicheren Schneiden 
genöthigt, so benutze man die nördlichen und westlichen Winde der Passat- 
störung, um Ost zu machen. Da der Nordostpassat in dieser Jahreszeit, dem 
Winter des Nordens, weit nach Süden reicht, in nördlicher Breite also wenig 
oder kein Ost mehr angeholt werden kann, sollte man den Aequator gut östlich, 
in 145° W-Lg oder östlich davon schneiden und, um diesen Schnittpunkt an- 
segeln zu können, schon in 10° S-Br die angegebene Länge zu erreichen suchen. 
Dies gilt besonders für die Monate Februar, März und April, wenn die äquatoriale 
Grenze des Nordostpassatgebietes am südlichsten liegt. Bei der Ansegelung von 
Honolulu nehme man, um den oft langen Aufenthalt durch Windstillen im Lee 
der hohen Inseln zu vermeiden, den Weg nördlich von Hawaii, Maui und Molokat. 
Ist es infolge vorher angetroffener ungünstiger Umstände nicht möglich, Honolulu 
anzuüholen, so bleibt nichts übrig, als nördlich vom Nordostpassatgebiet genügend 
Ost zu machen. 
3. Von der Ostküste Australiens nach Mazatlan und den nörd- 
lichen Häfen Mexikos ist stets die östliche Route einzuschlagen. Von Mitte 
April bis Mitte September die Reise antretend, nehme man den Weg nördlich 
von Neu-Seeland, hole aber, nachdem man das Nord-Kap der Inseln passirt hat, 
der beständigeren westlichen Winde halber noch etwas Süd mit an und halte 
sich bis nach ungefähr 145° W-Le südlich von 35° S-Br. Da der Südostpassat
	        
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