514
Kleine Notizen,
Kirchhoff, durch die vielen Gaslaternen und das elektrische Licht einer Silber-
schmelze, die der Stadt ein grofsartiges Aussehen verleihen, sehr erleichtert.
Das rothe Hafenfeuer ist dagegen wegen der vielen Lichter sehr schwer auszu-
machen,
Der auf dem Bergrücken hinter der Stadt gemalte und als Marke dienende
weiße Anker (South America Pilot Part II, 1886, Seite 350) tritt schlecht gegen
den Hintergrund hervor, so dafs er nur bei günstiger Beleuchtung aufgefunden
werden kann; der Ankerring liegt nach unten.
5. (D. S.) Versetzungen im Agulhas-Strom. Auf einer Reise von
Bangkok nach Bremen beobachtete Kapitän O0. Tack, Führer der deutschen
Bark „Etha Rickmers‘, im August 1889 die auf folgender Seite zusammen-
gestellten Versetzungen im Agulhas-Strom (s. Seite 515).
Die Ortsangaben der nebenstehenden Tabelle beziehen sich auf den Mittag
des vorgesetzten Datums, alle übrigen Angaben derselben auf das diesem vorauf-
gehende Etmal.
„Etha Rickmers“ hatte in der Zeit vom 7. bis zum 16. August, also in
9 Tagen, eine Versetzung von 370 Sm nach SSW!/2W; mithin wurde die Fahrt
durch die Agulhas- Strömung durchschnittlich täglich um ungefähr 41 Sm
efördert.
) 6. (D. S.) Einige Bemerkungen über das Wetter in San Pedro.
Wilmington. Cal., nach Aufzeichnungen in dem meteorologischen Journal des
deutschen Schiffes „Amelia‘“, Kapitän F. Warneke.
Am 30. November 1888 lag „Amelia‘, kurz vor Beendigung ihrer Reise
von Naneimo nach San Pedro, den ganzen Tag bei Windstille unter der Küste
von Kalifornien in Sicht des Feuerthurms der Spitze Fermine. In der Nacht
erhielten wir, so schreibt Kapitän Warneke, einen Lootsen, der das Schiff
am Nachmittag des 1. Dezember mit der leichten Seebriese in den Hafen von
San Pedro hinein und dort zu Anker brachte.
Während unseres Aufenthaltes daselbst bis zum 23. desselben Monats war
das Wetter in den beiden ersten Wochen normal, d. h. in der Nacht und am
Morgen bis 10 Uhr wehte eine leichte Landbriese, worauf meistens, häufig auch
erst nach Mittag, nach einer Windstille von kurzer Dauer ein flauer Seewind
durchkam, der bis gegen Abend anhielt und dann in Mallung überging. Aber
am Nachmittag des 14. Dezember wurde dieser regelmäfsige Verlauf des Windes
durch eine steife Böe aus SE mit heftigem Regen unterbrochen, worauf das
Wetter während der ganzen folgenden Nacht bei flaunem Winde regnerisch war.
Am 15. Dezember klarte das Wetter zwar wieder auf, aber die hohe See
gestattete nicht das Löschen der Steinkohlen. Von diesem Tage bis zum
20. Dezember hatte die Witterung wieder ihren gewöhnlichen Verlauf. Früh
morgens am 21. Dezember fiel leichter Regen, dann war das Wetter bei schaurig
bewölktem Himmel bis 3 Uhr Nachmittags wieder trocken. Das Barometer war
dabei ungefähr 2 mm gefallen, nämlich von 761 auf 759 mm (unred.). Um
3! Uhr fing der Wind an, aus südöstlicher Richtung aufzufrischen, und es begann
zu regnen; nach 5 Uhr wurde der von heftigen Regenschauern begleitete Wind
steif und die See nahm rasch an Höhe zu. Um 7 Uhr Abends sahen wir uns
veranlafst, noch den zweiten Anker fallen zu lassen. In der Nacht wehte ein
von anhaltendem Regen begleiteter Sturm, in dem das Schiff bedeutend arbeitete
und stampfte und zeitweilig schwer in die Kette einruckte, obwohl von der
B-B.-Kette 137 m (75 Fad.) und von der St-B.-Kette 55m (30 Fad.) aus waren.
Gegen Morgen am 22. holte der bis dahin zwischen ESE und SSE veränderte
Wind etwas südlicher, und das Barometer begann zu steigen; allein schon am
Nachmittag holte der Wind wieder zurück, während das Barometer auf 755,4 mm
‘unred.) sank. Am Abend wehte wieder ein voller Sturm aus SE bis SSE mit
heftigem Regen, der nach 10 Uhr in einen mäfsigen unbeständigen östlichen
Wind überging. Auf eine steife Böe von N um 3 Uhr folgten am Morgen
faue umlaufende Winde, bei denen eine hohe südliche Dünung vorhanden war.
Nachdem wir zuvor den zweiten Anker gelichtet hatten, gingen wir um 11 Uhr
vollends Anker auf, und brachten das Schiff eine halbe Stunde später, gerade
mit dem Einsetzen der Seebriese, unter Segel. Unser nächster Bestimmungsort
war Corinto an der Westküste von Nicaragua. Während dieser Reise, welche
meistens bei schwachen Winden aus verschiedenen Richtungen vollführt wurde,