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Vierteljahrs- Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1887,
„Moltke“, „Columbus“, „Oberon“ und „Theodor Rüger“, die in der Liste
folgenden vier Schiffe, überschritten den Aequator während der zweiten April-
woche. Von ihnen scheint „Moltke‘““ als eisernes, auf der Heimreise begriffenes
Schiff durchfunreinen Boden derart in seiner Segelfähigkeit beeinträchtigt ge-
wesen zu sein, dals dessen längere Reise im Vergleich zu den übrigen dadurch
augenscheinlich bewirkt worden ist, Nachdem die Schiffe den Stillengürtel in
etwa zwei Tagen überschritten und bis nach 12° Nordbreite hin von einigermafsen
frischem Passat begünstigt worden waren, nahm der letztere bis zur flauen öst-
lichen Briese ab. Bei dieser rückten die drei zuletzt erwähnten Schiffe bis zum
25. April nach etwa 22° N in 36° W vor. Hier veränderte sich der Wind, wohl
als Folge des grofsen Hochdruckgebietes der Karte XVI nach Nord und Nord-
nordwest, und als nach einiger Zeit dies Hochdruckgebiet die auf Karte XVII
eingezeichnete Gestalt angenommen hatte, wieder nach Nordost. Westwinde von
nennenswerther Dauer wurden später von allen Mitseglern kaum angetroffen.
Schuld daran scheint vor Allem die Lage des in Karte XIX niedergelegten
Hochdruckgebietes gewesen zu sein. Es erreichten den Kanal: „Moltke‘“ am 24.,
„Columbus“ wie „Oberon‘“ am 19. und „Theodor Rüger‘ am 20. Mai.
Die noch übrigen Schiffe der Liste, neun an der Zahl, gingen alle im Mai
von südlicher in nördliche Breite über. Es waren dies: „Madeleine Rickmers‘,
„Triton“, „Humboldt‘“, „Richard Wagner“, „Ellen Rickmers“, „Plus“, „Okeia“,
„Rohilla“ und „Luna“. Unter ihnen ist das zuletzt erwähnte Schiff dasjenige,
welches nach einer Reise von 25 Tagen in kürzester Zeit von allen Schiffen der
Liste, die Strecke Linie—Kanal zurücklegte. Von diesen Mitseglern hatten die
ersten sieben, und unter ihnen besonders die westlicher stehenden, den Stillen-
gürtel und leichte südwestliche Briese schon südlich der Linie angetroffen. Da-
gegen fanden „Rokhilla“ und „Luna“ vom Stillengürtel weder in südlicher noch
in nördlicher Breite eine Spur. Der als Folge der günstigen Lage des Hoch-
druckgebietes, wie sie die Karten XVIII und XIX zeigen, bei allen Schiffen
sehr kräftig wehende Passat dehnte sein Gebiet sehr weit nördlich aus und
andete schliefslich, indem der noch immer frische Wind sich, in für die Schiffe
aufserordentlich günstiger Weise, von Ost durch Süd nach West veränderte.
Dieser, sonst ja für den westlichen Theil eines Hochdruckgebietes oder auch
des Nordatlantik normale Vorgang zeichnete sich hier nur dadurch aus, daß er
bei 8o sehr kräftigen Winden vor sich ging und dafs diese auch inmitten des
Hochdruckgebietes angetroffen wurden, Die frischen Westwinde, von denen
die Schiffe später begünstigt wurden, hingen indessen mit diesem Hochdruck-
gebiete nicht zusammen, sondern traten in Begleitung jener Tiefdruckgebiete der
Karte XX auf, welche sich in der breiten, die beiden Hochdruckgebiete dieser
Karte trennenden Furche bewegten. Als jene sich aber nach Südosten ver-
schoben hatten und dieselben in einiger Entfernung von Nordwest-Spanien an
mehreren Tagen eine merkwürdig verschlungene Bahn beschrieben, stellten sich
bei den meisten der nun in die nördliche Hälfte der Tiefdruckgebiete gerathenen
Mitsegler nordöstliche Winde ein. Nur die aus Rücksicht auf die Lage ihres
Bestimmungshafens einen ungewöhnlich südlichen Kurs steuernde „Luna“ blieb
im südlichen Theile jenes Gebietes, und wurden daher bei ihr die westlichen
Winde auch kaum unterbrochen. Diesem Umstande verdankte sie zum Theil
ihre so sehr kurze Reise. Am 29. Mai, an welchem Tage Mittags sich „Luna‘‘
bei 388° N in 26° W befand, legte dies Schiff bei mäfsigem Nordwestwinde
124 Sm zurück, während die zur Zeit in 45,3° N und 20,2° W stehende „Ellen
Rickmers‘‘ gegen schwache Ostwinde fast gar keine Länge gut machen konnte.
Lizard wurde erreicht von: „Madeleine Rickmers‘“ am 5., von „Humboldt“ am 15.,
von „Ellen Rickmers‘“ am 6., von „Plus“ am 4., von „Okeia‘ wie von „Rokilla““
und „Luna“ am 6. Juni. „Zriton‘“ war nach Queenstown und „Richard Wagner“
zum Eingange des St. Georgs-Kanals am 4. Juni’ gelangt,