Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1887. 511
Im letzten Drittel des April ging wieder eine größere Zahl von Schiffen,
die sich in eine Gruppe zusammenfassen läfst, von südlichen in nördliche Breiten
über. Es waren dies: „Johanna“, „Poncho“, „Banco Mobiliario‘“, „Paficie‘‘, „Undine“
und „Adelaide“, Dieselben legten, obgleich die meisten derselben eiserne Schiffe
waren, die Fahrt zum Kanal in verhältnilsmässig kurzer Zeit zurück,
Auch von ihnen hatten mehrere, wie „Johanna‘ und „Poncho“, schon süd-
lich von der Linie Mallung und leichte Nordostwinde angetroffen. Dagegen
fanden alle in nördlicher Breite beim Ueberschreiten des Stillengürtels keine
sehr grofsen Schwierigkeiten. Nur „Adelaide“ traf es dort etwas ungünstiger.
Der nur für kurze Zeit kräftig wehende Passat hielt an, bis sich „Johanna“ am
1. April in 28° N und 45° W, „Poncho“ in 325° N und 50° W, wie „Banco
Mobiliario“ bei 31,8° N in 51,8° W und „Paeific“ in 32° N und 503° W_ am 8.
April, „Undine“ in 28° N und 464° W am 9. April und „Adelaide“ in 22,4° N
und 43,6° W am 10. April befand. Das fast gleichzeitige Aufhören des Passats
bei diesen, doch zum Theil ziemlich weit von. einander entfernten Mitseglern war
dem Umstande zuzuschreiben, daß, wie aus Karten XIV und XV ersichtlich, in
der zweiten Woche des April eine gänzliche Umformung in der Lage und Ge-
stalt des Hochdruckgebietes erfolgte. Anstatt dafs die Schiffe bisher unter dem
Einflufse des grofsen Hochdruckgebietes der Karte XIV gestanden hatten, machten
sich jetzt sei ihnen plötzlich die Wirkungen jener auf Karte XV. angegebenen
Tiefdruckgebiete bemerkbar. Die durch diese hervorgerufenen frischen, an meh-
reren Tagen selbst stürmisch wehenden Westwinde stellten sich sogar bei der so
südlich wie in 22,5° N stehenden „Adelaide“. ein. Der noch übrige Theil der
Reisen verlief bei den zuerst genannten fünf Schiffen, obgleich auch diese später
noch wieder östliche Winde beobachteten, in befriedigend rascher Weise, Da-
gegen hatten. die beiden letzten Schiffe dieser Gruppe auf ihm noch so lange
gegen Ostwinde zu kämpfen, dafs dadurch die verhältnifsmäfßig lange Dauer ihrer
Reisen erklärt wird. Diese Gegenwinde wurden einerseits verursacht durch das
letzte der in Karte XVI eingezeichneten Hochdruckgebiete, wie andererseits
durch das über dem Atlantik lagernde Hochdruckgebiet der Karte XVII.
Von den beiden Mitseglern „Caura“ und „Erato‘“, welche den Südatlantik
in den ersten Tagen des April verließen, fand das erstere den in seiner Ueber-
schreitung indessen nur geringe Schwierigkeit bietenden Stillengürtel zwischen
2° und 3° nördlicher Breite, während die gleichzeitig 6 Längengrade westlicher
stehende „Erato‘“ denselben nur südlich vom Aequator fand. Sobald der letztere
überschritten worden war, wurde dies Schiff vom Nordostpassat begünstigt. In
seinem Gebiete wurde bis nach 17° N hin recht kräftig wehender Wind beob-
achtet, doch endete der Passat schon, als „Caura“ sich am 11. April in der Nähe
von 19° N und 38,7° W und „Erato‘“ am 12. April bei 17° N in 39,5° W befanden.
Verursacht scheint dieses vorzeitige Aufhören hauptsächlich durch das auf
Karte XV verzeichnete, nur schwach ausgeprägte Hochdruckgebiet zu sein.
Wohl nur, weil dieses der Fall war, konnten sich die Wirkungen jenes Tief-
druckgebietes derselben Karte, welches sich im zweiten Drittel des April auf
sonderbar gekrümmter Bahn südöstlich von Neufundland bewegte, so weit, wie es
wirklich geschah, nach Süden ausdehnen und dadurch das so frühe Ende des
Passats verursachen. Nachdem die beiden Mitsegler den Passat verloren und sie
sich länger als eine Woche mit Stille und leiser Mallung geplagt hatten, kamen
unweit von 25° N frischere Westwinde durch, welche, nördlich von den Schiffen
nach Osten ziehenden, auf Karte XVI angegebenen Tiefdruckgebieten zuzu-
schreiben sind. Bei diesen nahmen die Reisen dann für längere Zeit einen recht
befriedigenden Verlauf. Bis zum 27. April segelte „Caura‘“ nach 41° N in
27,3° W und „Erato“ nach 38,7° N in 32,5° W. Als an diesem Tage das auf
Karte XVII verzeichnete Tiefdruckgebiet, dessen Mittelpunkt am 28. April süd-
östlich nahe der Azoren lag, sich südlich von ihnen nach Osten bewegte, kam
ein stürmischer Nordostwind durch, bei dem sich nur ein sehr geringer Fort-
schritt erzielen liefs. Erst nachdem in der ersten Woche des Mai die Wetter-
lage eine ganz andere geworden war, stellten sich bei beiden Schiffen wieder
westliche Winde ein. Auch diese indessen dauerten nicht bis zum Schlusse der
Reise. Nachdem auf den Aufsengründen noch wieder Ostwinde beobachtet worden
waren, gelangte „Caura“ am 16. Mai in die Nähe von TZuskar und „Erato“ am
12. Mai in die von Lizard,
Ann, d. Hydr. etc., 1891, Heft XI,