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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarie, Frühling 1887, 509 
West die nördliche Halbkugel. Die letzten vier Schiffe dieser Gruppe wurden 
auf der zwischen Kanal und polarer Passatgrenze liegenden Strecke, zwar auch 
vorherrschend von östlichen Winden begünstigt, doch wurden dieselben bei ihnen 
wiederholt von Westwinden unterbrochen. Das eigentliche Passatgebiet erreichte 
„Helene“ in 26,8° Nord und 22° West am 27. Mai, „Marie‘‘ in 28,5° Nord und 
19,7° West am 26. Mai, „Weser“ anscheinend schon in 37° Nord und 16° West 
am 21. Mai und „Fürst Bismarck“ dagegen erst in 23,8° Nord und 23° West am 
30. Mai. Ungewöhnlich schwierig, besonders im Verhältnils zur herrschenden 
Jahreszeit, erwies sich für diese Schiffe später der Uebergang vom Gebiete des 
Nordost- in das des Südostpassats. . Für „Helene‘“ verlief derselbe noch einiger- 
mafsen günstig, denn sie verbrachte nur 2! Tage in dem am 5. Juni in 7,8° 
Nord und 25,4° West betretenen Stillengürtel. Für „Marie“ hingegen, welche 
den Passat am 8. Juni unweit von 9° Nord in 25,3° West verlor, waren länger 
als 6 Tage erforderlich, ehe es gelang, bei 5,5° Nord in 22,2° West den Südost- 
passat wieder anzutreffen. ‚Weser‘ benöthigte gar 10,5 Tage, um den zwischen 
{3° Nord in 21° West und. 5° Nord in 175° West liegenden Stillengürtel zu 
durchschneiden. „Fürst Bismarck“ endlich, mit welchem ‚Weser‘ am 13. Juni 
wenige Stunden später, als bei diesem Schiffe der Südostpassat durchgekommen 
war, Signale wechselte, hielt sich 5 Tage im Stillengürtel auf, Die in ihm von 
diesen vier Schiffen beobachtete Mallung war vorherrschend eine westliche ge- 
wesen; „Fürst Bismarck“ hatte sogar .schon ziemlich beständige, mäfsige, süd- 
westliche Briese gefunden. 
4. Reisen von Süd nach Nord. 
Während der Frühlingsmonate des Jahres 1887 legten 32 von den mit der 
Seewarte in Verbindung stehenden Schiffen die Fahrt über den Atlantik nach 
nördlicher Richtung hin zurück. Von diesen war nur eins nach Lissabon, die 
übrigen 31 aber alle nach dem nördlichen Europa bestimmt. Die mittlere Reise- 
dauer dieser letzteren Schiffe betrug 39 Tage. Die kürzeste Reise wurde von 
„Luna“ ‚in 25 Tagen vollendet, während „ÄAequator“ mit 61 Tagen die längste 
Zeit für dieselbe Strecke benöthigte. 
„Atalanta‘“ und „Adolph“, die beiden ersten von den.in der betreffenden 
Liste aufgeführten Schiffen, schnitten den Aequator schon am 15. und am 
17. Februar. Dieselben wurden vom Südostpassat nicht über 1° N-Br hinaus begleite 
und gebrauchten später beide drei Tage, bevor das Gebiet des Nordostpassats 
wieder erreicht werden konnte. „Atalanta“ that dasselbe in 8,5° Nord und 34,5° 
West am 19. und „Adolph“ in 1,6° Nord und 33° West am 20. Februar, Der 
zwischen 5°%und 20° Nord am frischesten wehende Passat endete, nachdem das 
erstere Schiff von ihm bis zum 2. März nach 26° Nord in 46,7° West und das 
letztere bis zum 3. März nach 22,7° Nord in 43,8° West geführt worden war. 
Es geschah dies theils, weil, wie Karte XI zeigt, ein für dessen Auftreten gün- 
stiges Hochdruckgebiet nicht vorhanden war, hauptsächlich aber infolge des 
sich am 3. und 4, März innerhalb der Tropen auffälligerweise nach Süden be- 
wegenden flachen Tiefdruckgebietes. Durch dasselbe wurde eine jener bis vor 
kurzer Zeit noch ganz unbekannten Passatstörungen verursacht, während welcher 
in diesem Falle, obgleich der vorher hoch südlich gelaufene Wind einen vollen 
Rundlauf nach rechts beschrieb, derselbe die westlichen Striche doch kaum be- 
rührte, um dann wieder kräftig und beständig aus nordöstlicher Richtung zu 
wehen. Verursacht wurde ‘dies, weil, wie die betreffende Karte zeigt, das kleine 
Tiefdruckgebiet ein ganz schmales, sich fast nur in der Nord—Süd-Richtung er- 
streckendes war, Die diesen Vorgang begleitenden Schwankungen des Luftdrucks 
waren verhältnilsmäfsig bedeutend. Als die beiden Mitsegler in der zweiten 
Woche des März in den Bereich jenes Tiefdruckgebietes der Karte XII gekommen 
waren, dessen Mittelpunkt am 9. März in geringer Entfernung von‘ 35° N und 
50° W lag, wurden. sie von stürmischen Westwinden begünstigt, bei denen bis 
nach 30° W vorgerückt werden konnte. Oestlich von dieser Länge wurden sie 
wieder längere Zeit von südöstlichen Winden zurückgehalten, die theils geschaffen 
wurden durch das kleine, vom 15. bis zum 19. März über Irland lagernde Hoch- 
druckgebiet, theils aber eine Folge von sich gleichzeitig nach Südspanien bewe- 
genden Tiefdruckgebieten waren. (Siehe Karte XII.) Bei Westwinden, welche 
an mehreren Tagen heftig stürmten und die in Begleitung von auf vorerwähnter
	        
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