Veber den Einflufs von Windrichtung und Luftdruck auf den Seespiegel. 501
zwischen Land- und Seewind verursachten ist. Wie die aufstauende Wirkung
des Windes nach der Formel von Colding proportional dem Quadrat der Wind-
geschwindigkeit ist, so kann der Einflufs des Barometerstandes sehr schnell an-
wachsen, so daß es der Mühe lohnen würde, vorher berechnete Tidehöhen oder
mittlere Seespiegel in Rücksicht auf den Barometerstand zu korrigiren.
{n Tabelle IV ist hauptsächlich die Eintheilung nach der Windrichtung
erfolgt; auch ist das Jahr wiederum in dieselben drei Gruppen zerlegt unter
Einführung eines Luftdruckes über und unter 760 mm. Aus den heiden letzten
Reihen folgt in erster Linie, dafs die höchsten Halbtiden bei westlichen Winden
(NW, W, SW) vorkommen, ferner dafs Südwinde, obgleich Landwinde, doch durch
ihre aufstauende Kraft in der That Seewinde sind, während Nordwinde, obgleich
Seewinde, einen noch niedrigeren Seespiegel verursachen als Südwinde. In
Bezug zum mittleren Niveau von 23,9cm — AP wirken beide als Seewind,
d. h. aufstauend. In erster Linie mufß dies der Lage von Vlissingen am süd-
lichen Ufer von Walcheren zugeschrieben werden. Südwind ist somit auf das
Ufer gerichtet und mufs also stärker aufstauen als Nordwind. Dafs jedoch, ob-
gleich Nordwind für Vlissingen Landwind ist, ein Niveau über dem mittleren
vorkommt, mul sicherlich der Trichterform des südlichen Nordseebeckens zuge-
schrieben werden. Anhaltender Nordwind mufß in diesem eine Erhöhung des
ganzen Seespiegels verursachen, Wohl kann der Wind auf den äufserst geringen
Abhang der. Fluthwelle nicht einwirken, doch bieten die kleineren Wellen An-
griffspunkte genug dar,
Auffallend ist der plötzliche Uebergang zwischen Nord und NO und zwischen
SO und Süd, während die Halbtiden-Niveaus sowohl für die drei Landwinde als
für die fünf Seewinde unter sich wenig verschieden sind. Nach dieser letzten
Eintheilung ist der Unterschied zwischen Land- und Seewind ein wenig gröfser,
als der bereits angegebene (11,5 cm). Ferner geht aus der Tabelle IV deutlich
hervor, wie bei übrigens gleicher Windrichtung Barometerstände über 760mm
einen niedrigeren Seespiegel verursachen als solche unter 760 mm.
Tabelle IV.
linflufs der Windrichtung bei Barometerständen üher und unter 760 mm auf die Halbtide ir
verschiedenen Theilen des Jahres.
NO
oO
so
Y
Aw
IT
NW
N
Haib-| | | Halb- «Halb-|; — Halb- Halb-
tide |Bar/n| 1 Bardn tide Bar.|n| Tb Bar] tide [Bar/n
A 55,5 d U 55,820
20,2/62,9| 61 20,9! 65,541
Halb-| | Halb-| Halb-|
tide [Bar n| tide Bar./n| tide |Bar n
19,8| 56,8] 6] 20,6 58,0 3
25.0,65,5.27l 29.1) 67,136
Sommer-
monate
unter 7607
über 760’
2 x 315 57,8
30,8 66,431] 27,3 63,0| 7
17,8! 55,9) 8
22.0. 65,812
Aequinok-, unter 20] 6] Ar 5 281] 56,8 al
‚jalmonatelüber 7601 37,01 66,543] 28,9| 65,3115
8.1] 45,6 2
24,61 65,9) 3
3 53,0127] 14,8 Su.880
26,0 67.0 8} 26,3. 66,938
19,1| 52,420] 82 53,027] 3,1 52,9 7| 11,0' 36! 8 23,9 55,8|
25,3 69.3221 20,1] 68,533] 27,5| 69,915) 17,1|67,1/11 29.2 68.4
12,1| 55,0,26| 28,3 56,7| 4
18565220) 35,3 67,514
Winter-
monate
anter 760 |
über 760
40,8 55,413] 33,6 58,0 8!
41.7 70.235) 47,4| 70.0'121|
32,0/ 49,2/15]
35,7| 64,411.
unter 760
Jahr über 760}
{m Mittel ) 36,4] 65,2/187] 348 63,114‘ |
Reducirt auf 760 ml 335 | 32,4
SM 55,428’
36,8] 67,7 109
32,2 54,91
35,1| 66,534)
23,8| 51,38:
27,1| 63,824
16,7 GE
24,9| 67,786
12,4 53,3 9
22%5| 66,9 110
13,0 54,420 18,5 55,527
25,5/ 68.0.33] 21,3 65,7/58
24,8 57,4
28,0 67,414
25,1| 56,5]581 20,6! 60,0176] 1 60,7/206) 20.1 00 18,7| 62,4/86| 27,6! 66,015”
| 27,2 | 20,6 | 7a | 18,5 | 16,8 | 22,8
Bei Barometerständen unter 760 mm verursacht ein SW-Wind den höch-
sten Spiegel, bei Barometerständen über 760mm die NW-Winde. Der Grund
dafür ist in der Beziehung zwischen Windrichtung und Barometerstand zu suchen.
SW-Winde bei Barometerständen unter 760 mm weisen gewöhnlich auf ein
Luftdruck-Minimum in der nördlichen Nordsee. Das Seewasser strömt dann