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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Ueber den Einflufs von Windrichtung und Luftdruck auf den Seespiegel, 
Alle zu einander gehörenden Werthe für Halbtide, Barometerstand und 
Luftdruck für die Jahre 1887—1888 sind in 12 Tafeln für die verschiedenen 
Monate des Jahres nach dem doppelten Argument: Windrichtung und Barometer- 
stand (jedesmal um 5mm steigend) geordnet. In erster Linie entstand so 
Tabelle I, welche den Einflufs des Luftdruckes bei Land- und Seewind in dem 
Jahre und in 3 Hauptabtheilungen: Sommer (Mai, Juni, Juli, August), Winter 
(November, Dezember, Januar, Februar) und den Aequinoktialmonaten (März, 
April, September, Oktober) angiebt. Die letzten drei Spalten, wobei noch einige 
Halbtiden unter 745 mm Luftdruck, in den Aequinoktial- und Wintermonaten 
vorkommend, in Rechnung gestellt sind, geben, abgesehen von dem Barometer- 
stande, die Wirkung von Land- und Seewind an. 
Alle Winde zwischen NO über Ost nach Süd sind als Landwinde gerechnet, 
die von Süd über West nach Nord als Seewinde unter Berücksichtigung der all- 
gemeinen Richtung der Küstenlinie in Zeeland. Wie wir sehen werden, stimmt 
diese Eintheilung von Land- und Seewinden nicht mit der senkenden und auf- 
stauenden Wirkung überein. Aus den letzten drei Spalten der Tabelle I geht 
hervor, dafs die Landwinde den Seespiegel senken, die Seewinde denselben heben 
and zwar steigt der Unterschied in Halbtide stufenweise von 3,8, 10,7 bis 17,3 cm 
bezw. in den Sommer-, Aequinoktial- und Wintermonaten. Letzteres ist vermuth- 
lich den kräftigeren Winden in den Wintermonaten zuzuschreiben. Im Mittel 
beträgt der Unterschied 10,6 cm, wie auch aus Tabelle II, aus den beiden letzten 
Reihen in Tabelle I erhalten, hervorgeht. (Alle Halbtiden sind in cm — AP 
ausgedrückt, eine negative Zahl giebt somit einen Wasserstand über AP an.) 
Der Einflufs des Barometerstandes ergiebt sich deutlich, wenn man die auf einander 
folgenden Werthe der Halbtide aus den beiden letzten Reihen der Tabelle I 
von einander abzieht. Dann entsteht Tabelle III. Für jede Luftdruckzunahme 
von 11mm fällt die Halbtide bei Landwind um 0,6. bei Seewind um 0,8 em. 
Tabelle IL 
Unterschied inHalb- 
tide bei Land- und 
Seewinden. 
Barometer 
Unterschied 
mm 
em 
745— 750 
750—755 
755—760 
760—765 
165—770 
170—775 | 
175 — 
10,8 
12,6 
14,5 
8,5 
12,4 
10,6 
4,7 
Im Mittel | 10,6 
Veränderung in Halbtide- 
höhe durch Luftdruck. 
Tabelle IL 
Mittl. Barom.! Landwind| Seewind 
mm 
em 
cm 
750 * 21 0,3 
755 3,0 1.1 
760 2,5 8,5 
765 4,7 0,8 
770 2,9 4,7 
775 25 8,4 
Im Mittel | 
Veränderung 
für 1 mm 0,6 0,8 
Quecksilber 
Auffallend ist der geringe Werth, weil — das specifische Gewicht von 
Seewasser = 1,026 setzend — eine Säule von 13,25 mm Seewasser 1 mm Queck- 
silberdruck in Gleichgewicht hält. Zum grofsen Theil liegt die Ursache dafür 
wohl in dem Luftkreis selbst. Wenn sich der Luftdruck örtlich sehr ändert, 
wird die Luft sich eher in Bewegung setzen als das Wasser; dazu kommt 
noch, dafs der dynamische Druck der Luft geringer als der statische ist, während 
endlich die eingeschlossene Lage von Vlissingen auch ihren Einflufs fühlbar 
machen wird. 
Wenn auch die Veränderung nur sehr klein zu nennen ist, so deutet 
diese doch auf eine nicht gering zu schätzende Thatsache. Eine Barometer- 
schwankung von 15 mm giebt immerhin einen Unterschied, welcher gleich dem
	        
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