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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Aus dem Reisebericht des Kapt, C, Hasselmann, Schiff „J. W. Gildemeister.“ 491 
geloggter Distanz und unter der Annahme einer Versetzung von 10 Sm nach NW 
8° 45' S-Br und 144° 54‘ O-Lg. Es wurde nunmehr mit einer Fahrt von 8 bis 
9 Knoten auf einem WSW-Kurse bei scharfem Ausguck gerade auf die Torres- 
Strafse zugesteuert, Die Luft war zwar etwas schmierig, doch konnte man 
trotzdem ziemlich weit sehen. Von dem Orte unseres Bestecks um 12 Uhr 
Nachts führte ein rechtweisender WSW-Kurs, ohne Stromversetzung, in Sicht 
von Bramble- oder Anchor-Cay. Unsere Lothungen ergaben um 2 Uhr 91m 
(50 Faden), um 4 Uhr 70m (35 Faden) und um 5'% Uhr, also etwa °/4 Stun- 
den vor Tagesanbruch, 44m (24 Faden) Tiefe. Um den Tag abzuwarten 
und gleichzeitig nicht zu viel Fahrt zu machen, ließ ich jetzt mit scharf an- 
gebrafßfsten Rasen dicht am Winde steuern. Nachdem in dieser Weise bis 6 Uhr 
3 Sm nach SW zurückgelegt waren, ergab eine angestellte Lothung 55 m 
(30 Faden). In meiner Karte befinden sich 18 Sm OzN von Bramble-Cay 
Tiefen von 39,24 und 30 Faden vermerkt; weiter nach Norden sind die Tiefen 
größer. Der Tag brach heran, weshalb wir mit vollen Segeln einen WSW‘'“4W- 
Kurs aufnahmen. Um 7 Uhr machten wir eine Zeitbestimmung, nach welcher 
sich die Länge zu 144° 2‘ O ergab. Fast gleichzeitig bekam der Ausguck auf 
der Vormarsraa eben an Steuerbord voraus Land in Sicht. Ich behielt meinen 
Kurs bei und fand bald, dafs das gesichtete Land Bramble-Cay war, welches um 
7 Uhr 10 Minuten rechtweisend WzN peilte und nach unserer beobachteten Länge 
noch ungefähr 8 Sm entfernt sein mußte. Auf unserer Weiterfahrt beobachtete 
ich, daß der Strom bis Mittag nach SO setzte, so dafs fast immer ein Strich, 
zuweilen auch zwei Striche westlicher gesteuert werden mulste, als der eigentliche 
Kurs ist. Von 2 Uhr Nachmittags an lief der Strom nach W, was zur Folge 
hatte, dafs wir jetzt !/a bis 1 Strich nach der entgegengesetzten Seite vom Kurse 
abweichen mufsten. Die Fahrt wurde bei mäfsiger südöstlicher Briese ausge- 
führt, stets in Sicht der Inseln, welche Gelegenheit gaben, uns durch Peilungen 
über unseren Schiffsort zu vergewissern. Kurz vor 6 Uhr Abends, als der Wind 
etwas flauer wurde, ankerten wir auf einer Wassertiefe von 18m (10 Faden), 
die Insel Bet SOzS, die Insel Sue NNO peilend. Am Morgen des 27. Juli wehte 
eine frische südöstliche Briese, und es lief gleichzeitig ein Strom nach SO, was 
verursachte, dafs das Schiff bei seinem Anker vorüberschor und die Kette von der 
Steuerbordseite über den Steven nach Backbord hinten aus stand. Alle Be- 
mühungen, das Schiff durch Setzen von Segeln hinter den Anker zu bringen, 
blieben erfolglos; wir mulsten geduldig warten, bis der Strom schwächer wurde, 
worauf es sich auf den Wind und hinter den Anker legte. Um 8'% Uhr wurde 
der Anker gelichtet und die Reise bei ESE-Wind, der es möglich machte, die 
Klippe Harvey frei zu passiren, fortgesetzt. Letztere peilte um 11 Uhr.10 Minuten 
N, 2 Sm entfernt. Von hier aus setzten wir den Kurs auf die Insel Dowble, und 
um 12 Uhr war der Schiffsort nach Peilungen 9° 22’ S-Br und 142° 33‘ O-Lg. 
Im Prince of Wales Channel mulsten wir anfangs wieder 3 bis 4 Striche höher 
als den Kurs steuern. Nachdem um 2'/2 Uhr die Insel Goode passirt war, peilte 
um 5 Uhr Nachmittags die Insel Booby, 2 Sm entfernt, S und um 11 Uhr Abends 
das Feuer der Untiefe Proudfoot im Verschwinden OzN. Die letzte Peilung 
ergiebt den Schiffsort zu‘ 10° 40‘ S-Br und 141° 19‘ O-Lg. 
Fahrten im Golf von Kalifornien und an der Westküste 
von Mexiko. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) - 
Die deutsche Bark „Friedrich“, Kapt. H. Korff, befand sich auf der 
Reise von San Francisco nach Santa Rosalia am 29, Mai 1888 um 12 Uhr 
Mittags, bei sehr leichtem nördlichen Winde und schönem Wetter, auf 23° 22‘ N-Br 
in 109° 5’ W-Lg ungefähr 20 Sm von der Ostküste Unter-Kaliforniens entfernt. 
Bis zum 4. Juni traf man bei andauernd schönem Wetter. vorwiegend flaue,
	        
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