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Aus dem Reisebericht des Kapt. Fr. Reiners, Schiff‘ „Aeolns“,
lem Kontinent zu versegeln haben, kann es wohl kaum einen ungünstigeren als
liesen geben, denn das Aufkreuzen gegen die häufigen nördlichen und westlichen
Winde, zur Krreichung des Englischen Kanals, ist nicht selten mit grofsen
Schwierigkeiten verknüpft. In diesem Falle würde Punta Delgado auf der Insel
St. Michaels (Azoren) ein entschieden besserer Orderhafen sein, von dem auch
die Straße von G4braltar verhältnifsmäßig leicht zu erreichen ist.
Marseille. „Aeolus“ erhielt die Order, nach Marseille weiter zu segeln,
und verließfs dementsprechend am 16. Januar 1889 die Rhede von Belem. Die
Reise wurde durch ungünstige Windverhältnisse ungemein verzögert, indem sie
erst am 19. Februar, also nach 34tägiger Fahrt, beendet wurde. In der folgenden
Nacht begann ein Sturm aus NW, der gegen Morgen noch an Stärke zunahm
und so die Veranlassung von Schiffszusammenstöfsen im Hafen wurde, Derselbe
hielt bis zum 23. Februar an.
Dieser an der spanischen und der französischen Mittelmeer-Küste in der
Zeit von Dezember bis März häufig auftretende Wind ist unter dem Namen
„Mistral“ bekannt. Derselbe weht mit der gröfsten Stärke, so lange der Himmel
klar ist, sobald letzterer sich bezieht, läfst die Windstärke nach, die Luft ist
während eines Mistrals trocken und schneidend kalt. Das Barometer kann nicht
als Warner dienen, denn dieser Wind tritt sowohl bei einem hohen Luftdruck
von 770 mm und darüber als bei einem niedrigen auf und in beiden Fällen mit
gleicher Heftigkeit. Die einzigen sicheren Anzeichen eines herannahenden Mistrals
sind die feuerrothe Färbung der Sonne bei ihrem Auf- und Untergange und das
Auftreten einzelner, zusammengeprefster, weißer Wolken am Nachmittage und
Abend, bei sonst klarer Luft, im NW und W. Wenn diese Erscheinungen anı
Abend vorhanden sind, so kann man mit Sicherheit darauf rechnen, dafs am
folgenden Tage ein Mistral wehen wird. Gegen einen solchen Wind, der den
Schiffen durch seine grofse Stärke, das plötzliche Hereinfallen und die hervor-
gerufene wilde, kurze See gefährlich werden kann, ist es unmöglich aufzuarbeiten,
weil keine Segel geführt werden können. Oestliche Winde sind in dieser Jahres-
zeit selten.
Bei gutem Wetter kommen die Marseiller Lootsen in kleinen offenen,
horizontal weiß und schwarz gestreiften Booten bis nach der Insel Planter
heraus. Die Strecke von hier bis zum Hafen ist in drei Zonen, die äufsere, die
zweite und die dritte, eingetheilt, für welche je ein besonderes Lootsengeld fest-
gesetzt ist. Wenn ein Schiff die dritte Zone, die nächste vor der Einfahrt zum
Dock erreicht hat, ohne einen Lootsen bekommen zu haben, so hat es die
Lootsenflagge im Vortopp zu heifsen.
In dem alten Hafen darf weder Feuer noch Licht an Bord gehalten
werden; ausgenommen, wenn man einen behördlich angestellten Wächter nimmt,
für den man täglich 4 Franken zu zahlen hat.
Reparaturen am Schiffe, als Zimmer- und Schmiedearbeiten, sind sehr
theuer. Ueberhaupt ist Alles, was ein Schiff benöthigt, in Marseille hoch im
Preise, und der Schiffsführer hat seine Augen offen zu halten, wenn er nicht
äbervortheilt werden will, was sonst sehr leicht geschieht.
Aus dem Reisebericht des Kapt. C. Hasselmann,
Schiff „J. W. Gildemeister“.
"Mittheilung von der Deutschen Secwarte.)
Die Durchsegelung der Torres-Strafse.
Nachdem wir am 14. Juli 1888 New-Castle NSW, bestimmt nach Sin-
gupore, verlassen hatten, war unser Schiffsort am Mittage des 25. desselben
Monats 9° 44‘ S-Br und 145° 59‘ O-Lg. Bei mäfsigem SE-Winde die Fahrt
nach NW!'AW fortsetzend, war unser Besteck um 12 Uhr Nachts nach 77 Sm