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Aus dem Reisebericht des Kapt. Fr. Reiners, Schiff „Aeolus‘“,
Anker. Da in diesem nicht genügend Raum zum Schwaien vorhanden ist, so
mul sogleich ein Wurfanker mit Leine von hinten ausgebracht werden, den man
schon vor Erreichung des Ankerplatzes in Bereitschaft halten sollte.
Die Einsegelung in den Hafen, zu der man sich stets eines Lootsen zu
bedienen hat, ist in der Nacht nicht zu ermöglichen; aber die in ungleicher Höhe
neu errichteten beiden rothen Feuer gewähren, indem man sie in einer Linie
aält, eine leichte Handhabe, um das Schiff während der Nacht vor der Einfahrt
kreuzen zu lassen. Der untere der beiden Leuchtthürme, welche einen weißen
Anstrich haben, ist an der Mauer der katholischen Kirche angebracht, der obere
oefindet sich auf der Anhöhe in der Nähe des Missionshauses.
Es kommen in Apia manchmal Desertionen von Schiffsleuten vor, doch
wenn letztere keine Gelegenheit finden, die Insel rasch zu verlassen, werden sie
bald von der Polizei wieder eingefangen.
Aufser Lootsengeld und Konsulargebühren giebt es in 4pia keine Hafen-
abgaben.
Levuka, auf den Fiji-Inseln, ist wohl einer der schönsten Häfen der
Südsee-Inseln. Derselbe ist rings von einem Korallenriff umschlossen, welches
von zwei KEinfahrten, einer südlichen und einer nördlichen, durchbrochen ist.
Erstere wird gewöhnlich zum Einsegeln benutzt, letztere dient manchmal, wenn
der Wind recht SE ist, zur Ausfahrt. Die beiden Feuerthürme in Linie führt
durch die südliche Einfahrt. In der Jahreszeit von Mai bis November gewährt
die Rhede vollkommene Sicherheit; aber in der anderen Jahreshälfte, namentlich
zur Zeit des Herbstäquinoktiums der südlichen Hemisphäre, kommen manchmal
schwere Stürme vor, die die Schiffe von ihren Ankern losreifsen und auf die
Riffe treiben, wo sie gewöhnlich verloren gehen.
Das Klima von Levuka ist sehr gesund, was hauptsächlich seinen Grund
darin hat, dafs der durch keine Höhenzüge unterbrochene SE-Passat, der in den
Wintermonaten fast immer als eine frische beständige Briese weht, den Ort
direkt bestreichen kann. Im September 1888 war die Lufttemperatur verhältnifs-
mäfßig niedrig, so dafs man viele Klagen über Erkältungen hörte.
Der Lootse kommt 1 bis 2 Sm aufserhalb des Riffes an Bord, um das
Schiff an seinen Ankerplatz zu bringen. Jedes Schiff, welches von einem IIafen
aufserhalb der /%i-Gruppe kommt, hat bei seiner Ankunft die Quarantäneflagge
vom Vortopp zu zeigen und muß mit einem vom englischen Konsul des Abgangs-
hafens ausgestellten Gesundheitspafs versehen sein.
Das Zollwesen ist gerade so wie in England. Der Proviant ist hier
besser und billiger als in Apia, aufserdem auch leicht durch die zwei- bis dreimal
monatliche Dampferverbindung mit Australien von dorther zu beziehen. Yams,
Kartoffeln und anderes Gemüse ist in Leruka erhältlich, das Rindfleisch ist von
guter Beschaffenheit und nicht theuer.
Die eigentlichen Hafenunkosten sind nicht sehr hoch. Ballast läfst sich
kaum beschaffen, weil nur zwei Leichter vorhanden sind. Zimmer- und andere
Handwerkerlöhne sind hoch.
- In der Nacht ist das Einsegeln in den Hafen um deswillen nicht möglich,
weil der Lootse nicht hinausgeht.
Seitdem der Gouverneur seine Residenz nach Suva verlegt hat, hat der
Handel Levukas an Bedeutung verloren.
Lissabon. Am 17. September 1888 verließ „Aeolus‘“ seinen Ankerplatz
in Levuka und trat die Reise nach Lissabon für Order an. Nach einer Dauer
von 118 Tagen wurde dieser Hafen am 12. Januar 1889 erreicht.
Schiffe, welche von der Linie im Atlantischen Ocean nach Lissabon be-
stimmt sind, sollten in der Zeit von Oktober bis März, nachdem sie den Passat
verloren haben, und wenn der Wind es erlaubt, die Insel St. Maria (Azoren)
ansteuern und von dort den Kurs auf die Küste von Portugal nördlich vom Kap
Roca setzen. Wenngleich in dem oben angeführten Zeitraum an der portu-
yiesischen Küste‘ vielfach südliche Winde auftreten, so sind solche aus einer
nördlichen Richtung doch häufiger, und der Strom setzt beständig nach Süden.
In der übrigen Jahreshälfte, in welcher an der Küste von Portugal die nördliche
Windrichtung vorherrscht, hat man nach dem Verlassen des Passats die Route
nördlicher zu wählen, entweder nördlich von den Azoren oder zwischen diesen