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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Aus: dem Reisebericht des Kapt. Fr. Reiners, Schiff „Aeolns“. 
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Dahingegen ist das-Lootsengeld sehr beträchtlich, weshalb, wie ich hörte, die 
Rheder und Kaufleute sich bemühen, eine Herabsetzung desselben zu erwirken. 
Eine ganz besonders unangenehme Ausgabe, deren man sich aber bei einer 
Stückgutladung kaum erwehren kann, ist diejenige an den Stauer für.die Ent- 
löschung des Schiffes. Es ist ja nicht zu bestreiten, dafs hierdurch viel Zeit 
erspart wird, denn der Stauer wird so rasch als möglich die Ladung aus dem 
Schiffe auf die Brücke werfen, um seine übernommene Arbeit zu beendigen. 
Hierdurch können dem Kapitän aber leicht Kosten erwachsen, denn er ist so 
lange für die Ladung verantwortlich, bis dieselbe von dem Empfänger auf der 
Brücke in Empfang genommen ist. Darüber aber vergehen manchmal mehrere 
Tage, und da es oft vorkommt, dafs von der Ladung gestohlen wird, so haben 
die meisten Schiffe einen Abzug von ihrer Fracht zu erleiden. Aus diesem 
Grunde sollte dahin gestrebt werden, eine Bedingung in die Charterpartie zu 
bringen, nach welcher der Kaufmann seine Waaren beim Uebergang über die 
Reling und nicht, wie jetzt üblich, längsseit auf der Brücke zu empfangen hat. 
Wie die Sachen zur Zeit liegen, steht man sich noch am besten, die Ladung mit 
der eigenen Mannschaft zu löschen und einige Arbeiter zu Hülfe zu nehmen, 
deren Tagelohn 3 Dollars beträgt. 
Aufserdem sollte man bei einem Frachtabschlufs nach San Francisco den 
Ausdruck „to be discharged according to Custom of the Port“ in der Charter- 
partie zu vermeiden suchen, denn durch denselben wird einem nichts Bestimmtes 
gewährleistet. Statt dessen bedinge man sich Liegetage aus. Es ist dem Kapitän 
sehr dringend anzurathen, bei allen seinen Geschäften in San KFrancisco ruhig 
und mit Ueberlegung zu handeln, weil er sonst leicht Gefahr läuft, übervortheilt 
zu werden. Viele Grofshändler haben sich dem Kleinhändler verpflichtet, den 
Kapitänen nichts zu verkaufen, so dafs dieser darauf angewiesen ist, seine KEin- 
käufe bei einem Schiffshändler zu machen. Ein Kapitän, der zum ersten Male 
hierher kommt, wird vielfach schlechte Erfahrungen machen, die es ihm aber 
ermöglichen, bei einem zweiten Besuche vortheilhaftere Geschäfte abzuschliefsen. 
Schiffsproviant, außer Mehl, Hartbrod, Speck und Fleisch, ist hoch im 
Preise und theuerer als in Deutschland; dazu bekommt man von den Zwischen- 
händlern auch manchmal noch schlechte Waare. . 
Für ein Schiff, welches nur frischen Proviant für die Dauer seines Auf- 
enthaltes benöthigt ist, ist San Francisco im Verhältnils zu dem, was es als 
Frachtenmarkt bietet, kein ungewöhnlich theuerer Hafen, 
Die Maklergebühren sind gleichfalls sehr hoch und betragen für die Be- 
sorgung einer Fracht 5 %o und für Adresskommission 2'/2 %,. Ist ein einkom- 
mendes Schiff ohne eine Konsignation, so kann der Kapitän einen Zollhausmakler 
nehmen, der es für etwa 10 Dollars ein- und für ebenso viel ausklarirt, inklusive 
der Kosten eines Gesundheitspasses. 
Desertionen der Schiffsmannschaften gehören in San Francisco zur Tages- 
ordnung; gewöhnlich entweichen die Leute schon, wenn das Schiff noch auf der 
Rhede vor Anker liegt. 
Zimmerlohn und die gewöhnlichen Materialien, die bei einer Ausbesserung 
erforderlich sind, als Holz u. s. w., stehen hoch im Preise. 
Apia auf der Insel Upolu (Samoa-Gruppe). Die Segel-Anweisungen für 
diesen Hafen, wie sie von den Kommandanten 8. -M. S. Schiffe in den „Annalen 
der Hydrographie u. s. w.“ gegeben, sind in jeder Hinsicht zuverlässig und 
genügend. 
Während unseres Aufenthaltes vom 23. Juli bis 13. August 1888 war die 
Witterung bisweilen fast unerträglich; der Passat wehte nur an 7 Tagen frisch, 
yewöhnlich von des Morgens 9 Uhr bis des Abends 10 Uhr, manchmal auch bis 
zum folgenden Morgen um 4 Uhr. In der übrigen Zeit war nur am Tage ein 
schwacher östlicher Zug vorhanden, während von 7 Uhr Abends bis zum nächsten 
Morgen leichte umlaufende Briese von S durch W auf NW beobachtet wurde. 
An mehreren Tagen regnete es in den Nachmittagsstunden von 4 Uhr bis 8 Uhr 
über dem Lande. 
Alle Lebensmittel, auch Fleisch, welches nebenbei schlecht ist, sind sehr 
theuer, obwohl Awia ein Freihafen ist. 
Der Lootse kommt, je nach dem wie das Wetter ist, in einem Abstande 
von 1 bis 2 Sm von der Küste an Bord und bringt das Schiff im Hafen zu
	        
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