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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

486 Bericht über die Taifune vom 17., 18. und 19., und 29. bis 30, Juli 1891. 
wir mit der Bestimmung Singapore den Hafen von Hongkong, passirten um 6 Uhr 
34 Minuten das Kap D’Ayuilar und standen um 7 Uhr 48 Minuten ungefähr 
4 Sm mw. Ost von der Nordostspitze der Insel Tamkau. Es lief eine hohe 
rollende Dünung aus SE und die Luft sah im östlichen Viertel drohend aus. 
Um 8 Uhr wehte bei langsam fallendem Barometer, welches einen Stand von 
748,5 mm (red.) hatte, ein mäßiger NNE-Wind, der bald darauf schnell an Stärke 
zunahm und in heftigen Böen mit Regen den Grad 9 der Beaufort-Skala erreichte. 
Der Seegang wurde gleichfalls schnell höher. Wir kamen zu der Ueberzengung, 
dafs ein Taifun im Anzuge sei, dessen Centrum sich etwa in südöstlicher Rich- 
tung von uns befinden müsse. Von 8 bis 12 Uhr Vormittags veränderte sich 
die Windrichtung allmählich nach N, so daß die Möglichkeit angedeutet schien, 
auf einem Südkurse von dem Centrum des Taifuns frei bleiben zu können, wes- 
halb dieser Kurs auch fernerhin beibehalten wurde. Zwischen 12 Uhr Mittags 
und 2 Uhr Nachmittags war der Wind unbeständig zwischen N bis NNW, und 
schlossen wir daraus, dafs das Centrum sich etwa 0SO vom Schiffe befand. 
Gegen 3 Uhr lief der Wind unter heftigem Regen auf NW, zeitweilig bis zu 
einer steifen Briese abflauend, dann wieder mit voller Kraft einsetzend. Um 
3 Uhr 30 Minuten, als der Sturm mit orkanartiger Stärke aus letztgenannter 
Richtung wehte, wird das Centrum in nächster Nähe des Schiffes passirt sein. 
Die See lief hoch und wild durch einander, doch das Barometer erreichte erst 
1%,» Stunden später mit 742,4 mm seinen tiefsten Stand. Der allmählich auf W 
holende Sturm behielt bis 8 Uhr Abends die Stärke 9 und war von Regen 
begleitet, worauf bei weiter nach links verändernder Windrichtung sich gegen 
12 Uhr Nachts schönes klares Wetter einstellte.“ 
Vorausgesetzt, dafs die südöstliche Entfernung des Centrums von „Sachsen“ 
in 22° N-Br und 114,4° O-Lg um 8 Uhr Morgens den 2, August dieselbe 
zewesen ist, als diejenige von „Zaz-cheong‘“ in 18,2° N-Br und 114,8° O-Lg um 
12 Uhr Nachts den 29. Juli, welche Annahme nach den Berichten der beiden 
Schiffe als berechtigt erscheint, so mufs dasselbe in 3 Tagen und 8 Stunden um 
stwa 230 Sm nach N'/„W fortgeschritten sein. Wahrscheinlich zog das Centrum, 
nachdem sein Erscheinen südlich von den Philippinen am XNachmittage des 
26. Juli in Manila erkannt worden war, zunächst in einer westlicheren Rich- 
tung und bog erst später nach Norden um. 
Aus dem Reisebericht des Kapt. Fr. Reiners, Schiff „Aeolus‘‘. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) 
San Franeisco. Schiffe, welche von Süden kommen und nach San Fran- 
cisco bestimmt sind, sollten in der Zeit von Mai bis Oktober ihren Kurs so 
wählen, dafs sie mit den alsdann vorherrschenden nordwestlichen Winden den 
Hafen raumschoots anholen können. In der übrigen Zeit des Jahres wehen 
häufig Winde aus südlicher Richtung, welche von SE mit Regen beginnen, darauf 
durch S auf SW holen und bei auffrischender Stärke auf NW. umspringen, womit 
das Wetter wieder abklart. 
Die Seelootsen trifft man gewöhnlich zwischen den Farallones und der 
Barre an. Dieselben bringen das Schiff bis zu seinem Ankerplatz in der Bai. 
Der Ankergrund ist zwar sehr gut haltend, aber es gehört zu den Seltenheiten, 
wenn der Anker eines Schiffes klar bleibt. Daher kommt es auch häufig vor, 
dafs Schiffe ins Treiben gerathen, weshalb stets ein guter Wachtdienst zu halten 
und in der Nacht scharf auf die Ankerlaterne zu achten ist. 
Die Hafenunkosten sind in den letzten Jahren bedeutend ermäßigt; 
namentlich ist der Schlepplohn nach der eingetretenen Konkurrenz so zu sagen 
billig geworden trotz der theueren Kohlenyreise und der hohen Arbeitslöhne.
	        
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