Bericht über die Taifane vom 17., 18. und 19., und 29. bis 30. Juli 1891. 485
5 Uhr Morgens den 30. Juli, als etwa 30 Sm auf diesem Kurse gutgemacht
waren, stellte es sich heraus, dafs das Barometer noch etwas, nämlich bis
747,8 mm, heruntergegangen war, während der Wind und der Seegang, ohne die
Richtung zu ändern, zugenommen hatten. Hieraus folgerte ich, dafs sich der
Taifun aufeinem ziemlich nördlichen Kurse vorwärts bewegen müsse. Um meine
Reise zu beschleunigen, und weil das Schiff auf dem NOzN-Kurse stark arbeitete,
ließ ich jetzt WzN steuern, um in derselben Weise, wie bei dem vorigen Taifune,
zu versuchen, vor dem Centrum vorüber zu kommen. Dieses Mal gelang es auch
ausgezeichnet. Wenngleich das Manöver uns in einem weiten Bogen westlich
von den Paracels hinführte, konnten wir dafür auch bei dem allmählich durch N
und NW bis W verändernden Winde immer einen guten Fortgang erzielen, was
nach einem Beidrehen in dem vorderen rechten Viertel des Taifuns, woselbst
eine Windänderung durch E bis S sich vollziehen mufste, nicht möglich gewesen
wäre.‘ Aufserdem wurden meine Passagiere schneller von der Seekrankheit
erlöst.
Durch meine Erfahrungen bei diesen, wie bei früher in der China-See
erlebten Taifunen habe ich bestätigt gefunden, dafs die Peilung des Centrums
nicht, wie früher gewöhnlich angenommen wurde, 8 Striche, sondern mindestens
10 bis 12 Striche von der Windrichtung abweicht, d. h. also, wenn man das
Gesicht recht gegen den Wind kehrt, so hat man das Centrum rechts von sich
und 2 bis 4 Striche hinterlicher als dwars. Für ein Segelschiff also, welches in
die Nothwendigkeit versetzt wird, beim Herannahen eines Taifuns lenzen zu
müssen, um vor dem Centrum vorüber zu kommen, empfichlt es sich also, den
Wind soviel als möglich von Steuerbord einzuhalten.“
Den zuletzt beschriebenen Taifun hat auch der Reichspostdampfer des
Norddeutschen Lloyd „Sachsen“, Kapt. H. Supmer, durchgemacht, und zwar
am 2. August 1891, Nachmittags, auf der Reise nach Singapore kurz nach dem
Verlassen von Hongkong.
Die folgende Tabelle enthält die an Bord von „Sachsen“ angestellten
meteorologischen Beobachtungen während des Taifuns. Die Korrektionen der
benutzten Instrumente sind vor dem Antritt der Reise auf der Hauptagentur der
Seewarte in Bremerhaven bestimmt worden. Die Angaben dieser Tabelle ent-
sprechen in allen Theilen denjenigen der vorhergehenden.
Datum
1891 |Stunde
August
2,
6n
8a
102
12 m
2p
4p
eP|
6 p
ap}
op |
12 9»
Breite [Länge
Wind
Nord | Ost
99,39
114,2°
SE 3
22,0
21,6
21,2
114,4
114,4
NNE 4
NzE 6
NS
NzW 9
NW10—-11—7
114,4
20,8
20,3
114,4
114,4
19,9
19,5
19,1
18,7
1144 | ww 9
u44! wo
1144) WwSW 8
1144 SW6
Luft-
Aruck
748,7
748,5
747,7
745,2
743,3
743.0
142,4
743,7
748,0
149,7
750,4
Tem-
peratur|
der
Luft
29,89
26:3
27,3
728,3
27,3
28,3
26,8
25,8
24,3
924,3
Be-
wölkung
| Cu 10
Cu 10
1 Cu 10
| Ni 10
Cu 10
We 10
Ni 10
Ni 10‘
Ni 10
Cu 8
Wetter
Oo WW
au
ou
ou
ou
on
our
on
op
HF
Seegang
SE 4
Dünung
SE 6. |
SE 6
SE 6
NS
NS
N 8
NS
SW 5
Tempe-
ratur der
Meeres-
oberfläche
28,6
28,6
27,6
24,6
925,1
In einem beigelegten Bericht wird der Verlauf des Taifuns an Bord von
„Sachsen“ ungefähr folgendermafsen geschildert: „Während der Nacht vom
1. zum 2. August 1891 hatten wir im Hafen von Hongkong sehr schauerige Luft
mit heftigem Wetterleuchten von SE bis S. Von 8 bis 12" p. m. fand bei ab-
klarender Luft ein langsames Fallen des Barometers statt, worauf wieder ein
Steigen eintrat. Um 5 Uhr 35 Minuten Morgens am 2. August 1891 verliefsen