Bericht über die Taifune vom 17., 18. und 19., und 29, bis 30. Juli 1891. 483
In der vorstehenden Tabelle sind zunächst angegeben die meteorologischen
Verhältnisse an Bord des Dampfers am 17., 18. und 19. Juli, wobei zu bemerken
ist, daß die benutzten Instrumente dem Kapt. Duhme von der Seewarte zur
Verfügung gestellt und die Korrektionen derselben, wie sie im Januar 1889 be-
stimmt wurden, an die Ablesungen angebracht sind. Der Luftdruck ist aufserdem
auf 0° Temperatur reduzirt, die Windrichtung rechtweisend nach 32 Strichen
und die Windstärke nach der Skala von Beaufort gegeben. Die Höhe des See-
ganges zählt von 0 bis 9, die der Bewölkung von 0 bis 10. Die Temperatur
der Luft ist in Celsiusgraden ausgedrückt.
Die weitere Beschreibung des Verlaufs des Taifuns geben wir mit ‚den
Worten des Kapt. Duhme: „Am Vormittage des 17. Juli traten zeitweise leichte
Regenschauer auf; am Nachmittage zeigte sich eine durch einander laufende See,
und waren alle Anzeichen des Herannahens eines Taifuns vorhanden. Wir trafen
die nöthigen Vorsichtsmaßregeln. Um 12 Uhr in der folgenden Nacht wurde
starker Thau beobachtet; Wind und See, welch ersterer um 11 Uhr mit NEzN 11
seinen Höhepunkt erreicht hatte, nahmen anf der nächsten Wache wieder ab,
während das Barometer erst um 4 a. m. den 18. mit 748,4 mm seinen tiefsten
Stand erreichte, als der Wind von NzE bereits bis zur Stärke 8 abgenommen
hatte. Wir muthmafsten, dals das Centrum eines Taifuns im Osten von Formosa
passirt sei, eine Annahme, die mir später in Hongkong als richtig bestätigt
wurde.
Am Mittage des 18. Juli wurden bei den Lamock-Inseln viele Fischer-
boote angetroffen, ein Umstand, der von den Schiffsführern häufig dahin gedeutet
wird, dafs die Fischerleute die Fortdauer des schönen beständigen Wetters vor-
aussetzen. Allein dieses Mal sollten letztere wenigstens sich sehr getäuscht
sehen. Gegen 2 Uhr Nachmittags begann das Barometer wieder rasch zu fallen,
and der aus ENE wehende Wind und der Seegang nahmen rasch zu. Um 3 Uhr,
als der Wind von NE die Stärke 11 erreicht hatte, liefs sich mit Sicherheit auf
das abermalige Herannahen eines Taifuns schließen; allein Swatau war wegen
der raschen Zunahme des Sturmes aus NE und der wilden See von uns nicht
mehr als Zufluchtshafen zu erreichen. Da ich sofort die Position des Schiffes
als im rechten vorderen Viertel des Sturmfeldes erkannte, hielt ich ein Beidrehen
bei einem Abstande von nur 7 Sm vom Lande (Breaker-Spitze) und der voraus-
sichtlichen Windänderung durch E nach SE (auflandige Winde) nicht für rathsam,
nnd so beschlofs ich denn, auf einem SWzW-Kurse vor dem Winde wegzulenzen,
um möglicherweise vor dem Centrum des Taifuns, dessen fortschreitende Bewegung
ich von vornherein als eine nordwestliche annahm, vorüber zu kommen und gleich-
zeitig mehr Seeraum zu gewinnen. Der !ampfer war in Tschifu mit Bohnen,
welche durch ein Längsschott in zwei Hälften getheilt und oben mit Stückgütern
belegt waren, nicht zu tief beladen und somit ein gutes Seeschiff. Trotzdem
waren wir der wilden See wegen genöthigt, Oel zur Anwendung zu bringen, was
mit ausgezeichnetem Erfolge in der Weise geschah, dafs wir dasselbe durch die
etwas mit Werg verstopften vorderen Klosettrichter langsam der Meeresober-
fläche zuführten. Eine Anzahl Oelkörbe, die als Deckladung mitgenommen
waren und ohne unser Zuthun nach und nach über Bord gespült wurden, machten
zeitweise die Köpfe der Seen geradezu eben, so dafs sich ein bequemes Steuern
des Dampfers deutlich fühlbar machte. Als bis 10 Uhr Abends den 18, Juli der
Wind unverändert von NE und das auf 732,4 mm (red.) heruntergegangene Baro-
meter noch weiter im Fallen verblieb, befürchtete ich, nicht vor dem Centrum
vorüberzukommen; einen westlicheren Kurs zu steuern aber war der nahen Küste
wegen nicht möglich. Das gleich darauf erfolgende etwas Nördlicherholen des
Windes erweckte trotz des noch beständigen Fallens des Barometers dennoch in
mir die Hoffnung, dem Centrum vorbeipassirt zu sein, und veranlafste mich,
weiter zu lenzen. Allein das um 11 Uhr äußerst rasch auf 727,1 mm gesunkene
Barometer belehrte mich eines Anderen und verschaffte mir zugleich die Gewifs-
heit, daß wir uns in unmittelbarer Nähe des Centrums befanden, welches auch die
Ursache des Herumholens des Windes auf NNE gewesen sein mag. Ich ließ
daher jetzt, um nicht mit voller Fahrt recht in das Centrum hineinzulaufen, das
Schiff auf einem NO-Kurse gegen die aus dieser Richtung vorherrschende See
ankommen, welches Manöver auch ohne Unfall gelang. Um 11 Uhr 15 Minuten,
nachdem das Barometer noch bis 726,23 mm gesunken war. flaute der Wind