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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Strömungen und Wassertemperaturen an der Westküste von Südamerika. 
Strömungen und Wassertemperaturen an der Westküste 
von Südamerika. 
Von S. M.S. „Leipzig“ wurde nach dem Berichte des Chefs des Kreuzer- 
geschwaders, Kontre-Admiral Valois, an der Westküste Südamerikas auf der 
Reise nach dieser Küste die Grenze der peruanischen oder Humboldt-Strömung 
im Osten von 0° 30‘ S-Br und 85° 30‘ W-Lg erreicht. Die Temperatur des 
Oberflächenwassers fiel hier innerhalb 4 Stunden um 3,5° C. und die Farbe des 
Meeres, welche vorher die der hohen See eigene bläuliche war, verwandelte sich 
in eine grünliche. Mit der Annäherung an die Küste nahm die Temperatur des 
Wassers noch mehr ab und war in der Nähe der Küste durchweg am niedrigsten. 
Bei Kap Blanco, südlich vom Golf von Guayaquil, war die Farbe des kälteren 
Wassers beträchtlich dunkler, und Temperaturmessungen an beiden Seiten einer 
Grenzlinie, welche sich durch die Verschiedenheit der Farbe scharf markirte, 
ergaben einen Unterschied von 2°C. Es folgt hieraus wiederum, dals bei Kap 
Blanco, wie auch aus Temperaturmessungen anderer Schiffe nördlich und südlich 
vom genannten Kap hervorgeht, die nördliche Grenze des peruanischen Stromes 
liegt. Im Süden dieses Kaps nehmen Wasser- und Lufttemperatur schnell ab, 
während sich im Norden desselben Aenderungen dieser Temperatur selten be- 
merklich machen. 
Ueber die Erscheinung des kalten aufsteigenden Küstenwassers liegen 
speziellere Beobachtungen S. M. 5. nein” nicht vor. 
Weiter nach Süden hin und zwar bei Wassertemperaturen unter 19° C. 
wurde von S, M. S. „Leipzig“ die oben erwähnte scharfe Abgrenzung der Meeres- 
farbe nicht mehr bemerkt. 
Die Stromversetzungen dieses Schiffes bestätigen, dafs die peruanische 
Strömung‘ nicht immer nördlich läuft. Bei Windstille und leichten Winden wurde 
von S. M. S. „Leipzig“ die Richtung dieses Stromes stets nördlich gefunden, 
während eines schweren Sturmes aus Nord an der chilenischen Küste wurde jedoch 
eine beträchtliche südliche Versetzung bemerkt. Eine südliche Versetzung ist, 
namentlich im Winter, wo südlich von Coqguimbo häufig schwere Nordstürme auf- 
treten, mehrfach wahrgenommen worden. Sie macht sich sogar nördlich von 
Coquimbo bemerklich, wenn südlich davon ein andauernder heftiger Nordsturm 
weht. So fand z. B. S. M. S. „Bismarck“ nördlich von Coquimbo bei trübem, 
stillem Wetter den Strom schwach nach Süden laufend, als gleichzeitig in Val- 
paraiso ein heftiger Norder herrschte. Nördlich von Valparaiso ist indessen eine 
südliche Versetzung selten und dann meistens unbeträchtlich; die nördliche Rich- 
fung des peruanischen Stromes kann als vorherrschend angenommen werden. Im 
Süden Valparaisos jedoch, wo während des Winters häufig starke Nordwinde 
auftreten, wird oft eine erhebliche Aenderung der nördlichen Stromrichtungen 
beobachtet. ; 
Die südliche Versetzung, welche S, M. S. „Leipzig“ hatte, fand meistens 
nach der Küste hin statt, nur in unmittelbarer Nähe derselben wurde ein nach 
aufsen setzender Strom bemerkt. Letzteren haben übrigens auch andere Schiffe 
erfahren. So hatte z. B. die deutsche Bark „Jacobine“, Kapt. C. Schoemaker, 
im Juli 1885 vor Mollendo eine, wenn auch nur geringe westliche Versetzung 
und beobachtete auf der Rhede dieses Ortes ebenfalls westliche Strömung, welche 
zuweilen eine Geschwindigkeit von 3 Sm erreichte.
	        
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